Steuernachforderung Apple-Chef nennt EU-Argumente "totalen politischen Mist"

Angesichts der milliardenschweren Steuernachforderung lässt Apple-Chef Tim Cook alle Diplomatie fahren: Die Argumentation der EU-Kommission sei Mist und möglicherweise ein Zeichen von Antiamerikanismus.

Apple-Chef Tim Cook
REUTERS

Apple-Chef Tim Cook


In harten Worten hat Apple-Chef Tim Cook die Entscheidung der EU-Kommission kritisiert, von dem Elektronikkonzern bis zu 13 Milliarden Euro an Steuern nachzufordern. "Es ist totaler politischer Mist", sagte Cook dem "Irish Independent" mit Bezug auf EU-Angaben, wonach Apple im Jahr 2014 nur 0,005 Prozent Steuern in Irland gezahlt hat. Im Original verwendet Cook das Wort "crap", dass sich auch weniger diplomatisch mit "Scheiße" übersetzen lässt.

Die EU-Kommission hatte am Dienstag verkündet, dass sie einen Steuerdeal von Apple mit Irland als unzulässige staatliche Beihilfe wertet. Irland soll die strittige Summe nun nachträglich eintreiben. Die Regierung hat noch nicht entschieden, ob sie Einspruch gegen diese Entscheidung erhebt.

Cook sagte, er würde sich sehr über einen Einspruch freuen. "Ich denke, wir werden sehr eng zusammenarbeiten, da wir dieselbe Motivation haben", sagte der Apple-Boss. "Niemand hat etwas Falsches getan, und wir müssen zusammenhalten. Auf Irland wird herumgehackt, und das ist inakzeptabel."

Auf die Frage, ob hinter der Entscheidung Antiamerikanismus stecken könnte, sagte Cook, dies könne ein Grund sein. "Leute in Führungspositionen in verschiedenen Ländern haben mir gesagt, das sei die Agenda. Ich habe das starke Gefühl, dass diese Entscheidung politisch war, da bin ich mir sehr sicher."

"Jetzt halten wir zu Irland"

Nach Cooks Darstellung zahlt Apple global gesehen einen Steuersatz von 26,1 Prozent. Er sei absolut für eine Reform des Steuersystems, doch diese dürfte nicht auf eine Art geschehen, die das Gesetz nachträglich so ändere, wie andere es gerne hätten.

Der Konzernchef sagte zudem, sein Konzern plane weiterhin einen Ausbau ihres Standorts im südirischen Cork, wo Apple bereits seit 1980 ansässig ist. "Ich habe das Gefühl, dass Irland zu Apple hielt, als das nicht einfach war, und jetzt halten wir zu Irland."

Kritik an der EU-Entscheidung kommt auch vom bayerischen Finanzminister Markus Söder (CSU). Da Apple seine Deutschland-Niederlassung in München hat, wäre er für mögliche Nachforderungen von deutscher Seite zuständig. Söder lehnt dies jedoch zum jetzigen Zeitpunkt ab. Gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" sprach er von "überzogenen Forderungen", die zusammen mit einem Stopp des Freihandelsabkommens TTIP zu einem "Handelskrieg" führen könnten.

dab

insgesamt 434 Beiträge
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Seite 1
Jan B. 01.09.2016
1.
"Antiamerikanismus"..... eine ehrliche Steuerpolitik zu fordern und Steuerschlupflöcher für ungültig zu erklären, ist also Antiamerikanismus? Man lernt doch nie aus..... Lieber Tom Cook, Apple macht pro Quartal mehr als 13 Mrd. $ Gewinn, bezahlt aber so gut wie keine Steuern....DAS ist Mist
Bibe 01.09.2016
2. VW muss 17 Milliarden zahlen
wegen technischer Tricksereien. Apple soll nun 13 Milliarden zahlen wegen steuerlicher Tricksereien. Interessant ist, dass kein (deutscher) Politiker sich schützend vor VW stellte, um den Zugriff der US-amerikanischen Justiz zu verhindern oder die Forderungen zumindest abzuschwächen. Ihre Kollegen aus USA tun das jedoch mit Vehemenz, infamerweise unterstützt durch die Iren.
Boone 01.09.2016
3.
Ich finds klasse, wenn diese Leute plötzlich ihr wahres Gesicht zeigen. Arrogante Egos in Reinkultur. Steuern zahlen nur die anderen, aber das Königreich Apple doch nicht. :-)
berndpaul 01.09.2016
4. Wem soll ich nun glauben ?
Gibt es keinen Fachmann, der hierzu wirkliche Hintergründe nennen kann ?
Freidenker10 01.09.2016
5.
"Jetzt hakten wir zu Irland" , was für ein scheinheiliger Ars...! Apple hat 230 Milliarden auf der hohen Kante und trickst auch jetzt noch mit der Steuer, ist doch wirklich nicht zu fassen! Ich war nie Fan dieser Ausbeuter Firma und jetzt noch weniger! Zudem finde ich die Abzockerei europäischer Firmen in den USA durch die US Justiz und deren Steuerbehörden darf gerne auch mal in Europa beantwortet werden!!!
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