Steuernachforderung Apple-Chef nennt EU-Argumente "totalen politischen Mist"

Angesichts der milliardenschweren Steuernachforderung lässt Apple-Chef Tim Cook alle Diplomatie fahren: Die Argumentation der EU-Kommission sei Mist und möglicherweise ein Zeichen von Antiamerikanismus.
Apple-Chef Tim Cook

Apple-Chef Tim Cook

Foto: © Robert Galbraith / Reuters/ REUTERS

In harten Worten hat Apple-Chef Tim Cook die Entscheidung der EU-Kommission kritisiert, von dem Elektronikkonzern bis zu 13 Milliarden Euro an Steuern nachzufordern. "Es ist totaler politischer Mist", sagte Cook dem "Irish Independent"  mit Bezug auf EU-Angaben, wonach Apple im Jahr 2014 nur 0,005 Prozent Steuern in Irland gezahlt hat. Im Original verwendet Cook das Wort "crap", dass sich auch weniger diplomatisch mit "Scheiße" übersetzen lässt.

Die EU-Kommission hatte am Dienstag verkündet, dass sie einen Steuerdeal von Apple mit Irland als unzulässige staatliche Beihilfe wertet. Irland soll die strittige Summe nun nachträglich eintreiben. Die Regierung hat noch nicht entschieden, ob sie Einspruch gegen diese Entscheidung erhebt.

Cook sagte, er würde sich sehr über einen Einspruch freuen. "Ich denke, wir werden sehr eng zusammenarbeiten, da wir dieselbe Motivation haben", sagte der Apple-Boss. "Niemand hat etwas Falsches getan, und wir müssen zusammenhalten. Auf Irland wird herumgehackt, und das ist inakzeptabel."

Auf die Frage, ob hinter der Entscheidung Antiamerikanismus stecken könnte, sagte Cook, dies könne ein Grund sein. "Leute in Führungspositionen in verschiedenen Ländern haben mir gesagt, das sei die Agenda. Ich habe das starke Gefühl, dass diese Entscheidung politisch war, da bin ich mir sehr sicher."

"Jetzt halten wir zu Irland"

Nach Cooks Darstellung zahlt Apple global gesehen einen Steuersatz von 26,1 Prozent. Er sei absolut für eine Reform des Steuersystems, doch diese dürfte nicht auf eine Art geschehen, die das Gesetz nachträglich so ändere, wie andere es gerne hätten.

Der Konzernchef sagte zudem, sein Konzern plane weiterhin einen Ausbau ihres Standorts im südirischen Cork, wo Apple bereits seit 1980 ansässig ist. "Ich habe das Gefühl, dass Irland zu Apple hielt, als das nicht einfach war, und jetzt halten wir zu Irland."

Kritik an der EU-Entscheidung kommt auch vom bayerischen Finanzminister Markus Söder (CSU). Da Apple seine Deutschland-Niederlassung in München hat, wäre er für mögliche Nachforderungen von deutscher Seite zuständig. Söder lehnt dies jedoch zum jetzigen Zeitpunkt ab. Gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" sprach er von "überzogenen Forderungen", die zusammen mit einem Stopp des Freihandelsabkommens TTIP zu einem "Handelskrieg" führen könnten.

dab