Bessere Quartalszahlen als erwartet Apple wächst wieder

Fehlende Visionen und sinkende Wachstumsraten - es war zuletzt in Mode gekommen, Apple den Niedergang vorauszusagen. Doch die Gewinnmaschine des Tech-Konzerns läuft immer noch auf Hochtouren.

Tim Cook bei iPhone 7-Präsentation (Archivfoto)
AFP

Tim Cook bei iPhone 7-Präsentation (Archivfoto)

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Tim Cook hat vielleicht sein schwerstes Jahr bei Apple hinter sich: Die letzten drei Quartale in Folge musste der Konzernchef über sinkende Umsätze informieren. Und das im Oktober 2016 abgeschlossene Geschäftsjahr war das erste seit 2001, das Apple insgesamt mit einem Umsatzrückgang beendete.

Trotz nach wie vor gigantischer Umsätze und Gewinne nörgelten die Investoren über diese Entwicklung. Sie mussten schlicht akzeptieren, dass aus Apple ein normales Unternehmen wurde, das eben langsamer wächst.

Viele Anleger schmissen deshalb ihre jahrelang geliebten Apple-Aktien aus ihren Depots: Zwischen Mai 2015, als das Papier sein Allzeithoch erreichte, und Mai 2016 verlor es fast ein Viertel seines Werts. An der Wall Street gehörte es zum guten Ton, dem wertvollsten Unternehmen der Welt den Untergang zu prophezeien.

Doch nun hat der Konzern in Cupertino Zahlen für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres vorgelegt, die wieder Hoffnung machen. Im Quartal bis Ende Dezember erzielte Apple einen Umsatz von 78,4 Milliarden Dollar und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Insgesamt verkaufte der Konzern rund 78 Millionen iPhones, fast fünf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Oder anders gesagt: Apple verkauft derzeit weltweit rund 590 iPhones pro Minute und hat Schwierigkeiten, der großen Nachfrage Herr zu werden.

Wegen der starken Zahlen legte die Apple-Aktie im nachbörslichen Handel prompt um fast drei Prozent zu.

Hat die iPhone-Company also den Turnaround geschafft? "Apple ist zumindest zurück in der Spur und wächst wieder ordentlich", sagt Daniel Kröger, Fondsmanager bei der Frankfurter Fondsgesellschaft Acatis.

Tatsächlich zeigen die Zahlen: Apple ist in seinem Hauptgeschäft immer noch richtig stark, der Konzern bleibt die größte Gewinnmaschine, die die Welt je gesehen hat. Denn trotz eines geringen Marktanteils (rund 13 Prozent weltweit) verdient der US-Konzern so gut wie kein anderer im Smartphone-Geschäft. Laut einer Studie von Strategy Analytics strich Apple zuletzt 91 Prozent aller Gewinne des gesamten Smartphone-Markts ein. Die Konkurrenten Samsung, Huawei und Co. dürfen sich um den kleinen Rest streiten.

Längst wissen Investoren, dass diese Stärke aber auch Apples größte Schwäche offenbart. Die Firma sei zu abhängig vom iPhone, heißt es seit Jahren. Schließlich erzielt der Konzern fast 70 Prozent seiner Umsätze mit seiner Smartphone-Sparte. Doch immer weniger Menschen ersetzen ihre alten Smartphones sofort, wenn es neue auf dem Markt gibt. "Smartphones sind inzwischen technologisch so weit entwickelt, dass sie die alltäglichen Bedürfnisse eines jeden Nutzers erfüllen. Die Kunden kaufen sich deshalb meistens erst ein neues Smartphone, sobald das alte kaputt gegangen ist", sagte Barclay-Analyst Mark Moskowitz dem Tech-Portal "CNET".

Anleger gehen deshalb fest davon aus, dass Apple im September ein neues iPhone auf den Markt bringt, das wieder für revolutionäre Innovationen steht. Apple-Kenner erwarten zum Beispiel ein Gerät, das drahtlos geladen werden kann und eine 3D-Sensortechnik integriert hat.

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Entwicklung von 2007 bis 2017: So haben sich iPhones verändert

Apple-Analysten mehrerer US-Banken prophezeien deshalb, dass die iPhone-Verkäufe im Jahr 2018 wieder um 20 Prozent zulegen werden. "Das iPhone 8 könnte einen neuen Superzyklus auslösen und Apple damit zum explosiven Wachstum vergangener Jahre zurückführen", schreibt ein Analyst der US-Bank Morgan Stanley in einer Studie.

Warten auf "The Next Big Thing"

Doch betrachtet man die Quartalszahlen Apples näher, wird deutlich, dass sich Firmenchef Tim Cook längst nicht mehr auf den Umsatz des iPhones verlässt. Apple erwirtschaftet zum Beispiel mit seinem Service-Geschäft (App Store, Apple Music, iCloud) inzwischen beeindruckende Umsätze in Höhe von rund 25 Milliarden Dollar pro Jahr. Im Vergleich zu den iPhone-Erlösen mag das verschwindend gering erscheinen, doch das ist genauso viel, wie Facebook in einem ganzen Jahr umsetzt.

Doch das reicht Anlegern nicht, sie warten sehnlich auf "The Next Big Thing", also die Markteinführung eines ganz neuen, revolutionären Produkts:

  • IT-Experten sagen etwa voraus, dass Apple gemeinsam mit Carl Zeiss Smart Optics noch in diesem Jahr eine Datenbrille auf den Markt bringen will. Eine Brille, die nicht nur beim Sehen helfen soll, sondern digitale Zusatzinformationen liefert - "Augmented Reality" als große Wachstumshoffnung.
  • Andere gehen fest davon aus, dass die Apple-Truppe tatsächlich an der Entwicklung eines Autos arbeitet und damit die gesamte Autoindustrie ins Wanken bringen und einen Milliardenmarkt erobern könnte. Ein Auto mit energieeffizienten Batterien und intuitiver Software - so einfach und umfassend zu bedienen wie das iPhone.

"Tatsächlich steckt in Apple noch eine Menge Fantasie. Das macht das Unternehmen so spannend und attraktiv für langfristig orientierte Investoren", sagt Fondsmanager Kröger. Zudem könne das Unternehmen auf riesige Barreserven zurückgreifen und damit die Entwicklung neuer Produkte finanzieren.

In der Tat sind Tim Cooks Geldspeicher gut gefüllt: Apple hat Cash-Reserven in Höhe von mehr als 200 Milliarden Dollar. Damit kann das Unternehmen wie kein zweites auf der Welt in verschiedene neue Technologien investieren. Die Chancen stehen gut, dass Apple in den nächsten Jahren weitere Branchen überrollt.

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insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
Dr. Schmutz 01.02.2017
1. Na Gott sei Dank...
... bin ich auf diesen informativen Artikel gestoßen. Ich wollte gerade mein Depot räumen, da ja Apple ganz klar gegessen schien. Gigantische Umsätze hin oder her, wenn der Analyst nörgelt sollte man als Anleger sofort reagieren. Nun aber ist ja alles im Lot. Endlich, endlich werden wieder 590 iPhones/Min abgestossen statt wie zuletzt nur enttäuschende 537, und die Chancen weitere Märkte mit dem Next Big Dingens, vielleicht gar einer intuitiv bedienbaren Appelkarre, zu überrollen stehen gut. Ich bin erleichtert.
tutnet 01.02.2017
2. Analysten sind schlimmer als alte Waschweiber
Reden heute so und morgen so.
geotie 01.02.2017
3.
Heißt das nun, die zahlen demnächst doch Steuern wie andere Firmen auch? Scherz beiseite, eine Firma aus dem Trump-Land, haut die Steuern rauf!
power.piefke 01.02.2017
4. Gratuliere!
wenn die "gewinnmaschine läuft", wann fängt denn dann mal die steuerzahlmaschine an zu laufen?
pepe-b 01.02.2017
5. iPhone 8?
Nach dem 7er kommt erstmal das 7S.
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