Mehr als nur iPhones Apples neue Geldmaschinen

Apple verdient sein Geld vor allem mit dem iPhone. Nun investiert der Tech-Konzern in die Entwicklung neuer Produkte und Dienste. Wie lukrativ sind die neuen Geschäftsfelder?
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Der Erfolg des iPhones ist für Apple Fluch und Segen zugleich. Einerseits sorgte das Smartphone ein Jahrzehnt lang für immer neue Rekordgewinne. Andererseits zeigte der Gewinnrückgang wegen schwächelnder iPhone-Verkäufe in China Ende 2018, wie drastisch der Erfolg des Unternehmens von diesem einen Produkt abhängt.

Der Konzern will die Abhängigkeit von seinem Vorzeigemodell daher verringern und entwickelt sich zunehmend zu einem integrierten Konzern, der seine Hardware mit Dienstleistungen verzahnt.

Mit der Einführung neuer Streamingdienste hat der Konzern am Montag einen Schritt in diese Richtung gewagt. Ein paar Ideen, was das sein könnte, hat der Konzern auf einem Event in seinem Hauptquartier in Kalifornien vorgestellt:

  • eine Flatrate für Spiele, die extra für Apples iPhones, iMacs und iPads entwickelt werden;
  • eine Flatrate für digitale Zeitungen und Zeitschriften
  • und ein Streamingdienst für den Apple - ähnlich wie Netflix, mit Milliardenaufwand und mit Hollywoodgrößen - eigene TV-Serien und Filme produzieren lässt.

Doch das ist bei Weitem nicht alles. Tatsächlich ist der Konzern schon jetzt sehr breit aufgestellt, macht schon lange auch mit anderen Angeboten riesige Gewinne - und forscht nach neuen Einnahmequellen. In der Fotostrecke finden Sie eine Übersicht:


Fotostrecke

Apple: So verdient der iPhone-Konzern sein Geld

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Neue Erlösquellen

Neben den bisherigen Geschäftsfeldern arbeitet Apple an weiteren Produkten, die dem Unternehmen als künftige Erlösquellen dienen sollen. Ob dabei allerdings ein ähnlicher Erfolgsbringer wie das iPhone ist, lässt sich bisher nicht sagen. An folgenden Projekten arbeitet Apple:


Apps, die auf Macs, iPads und iPhones laufen


Den Gedanken, macOS und iOS zu einem einzigen Betriebssystem zu verschmelzen, lehnt Apple seit Jahren vehement ab. Zu unterschiedlich seien die Anforderungen von Smartphones und Computern. Im vergangenen Jahr stellte der Konzern aber ein System in Aussicht, das es Entwicklern ermöglichen soll, iOS-Apps ohne viel Aufwand auf macOS zu übertragen. Dieses System wird der Konzern im Juni 2019 vorstellen.


Autonomes Fahren


Berichten zufolge forscht Apple unter dem Codenamen "Project Titan" an Technologien für autonom fahrende Autos. Welches Ziel der Konzern mit dem 2014 gestarteten Vorhaben genau verfolgt, ist allerdings unklar.

Apples Manager hatten mehrfach versucht, mit Autoherstellern wie BMW und Mercedes-Benz zu kooperieren. Schließlich wurde bekannt, dass der Konzern Ende 2017 eine Zusammenarbeit mit Volkswagen eingegangen ist. Einem Bericht der "New York Times " zufolge will Apple den T6-Transporter von VW umbauen und auf seinem Firmengelände als fahrerloses Shuttle für seine Mitarbeiter einsetzen.

Ende Januar wurde bekannt, dass Apple 200 Mitarbeiter vom "Projekt Titan" abzieht. Das Team solle sich in diesem Jahr auf einige Schlüsselbereiche fokussieren, sagte ein Firmensprecher dem TV-Sender CNBC . Einige Teams würden in anderen Projekten im Konzern eingesetzt, wo sie beispielsweise an maschinellem Lernen arbeiten sollen. "Wir glauben weiter daran, dass autonome Systeme eine große Zukunft haben", hieß es. "Das ist das bisher ambitionierteste Projekt für maschinelles Lernen."

Was auch immer beim "Projekt Titan" am Ende herauskommt, ein von Apple hergestelltes "iCar" wird es kaum werden. Dafür fehlt dem Konzern die Expertise im Autobau. Eher dürfte es Apples Ziel sein, eine Softwareplattform für autonom fahrende Autos zu entwickeln, die dann - ähnlich wie heute CarPlay für Autoradios - an Pkw-Hersteller lizenziert wird. Vielleicht wird man dann Autos mit einem Aufkleber "Apple inside" sehen.


Das Augmented-Reality-Headset


Seit 2015 gibt es Gerüchte, dass Apple an einer Augmented-Reality-Brille arbeitet . Durch die Übernahme des Headset-Herstellers Vrvana  für rund 30 Millionen Dollar bekamen diese Spekulationen 2017 neue Nahrung. Vrvana hatte eine Datenbrille entwickelt, die sowohl Augmented als auch Virtual Reality darstellen kann. Bei Augmented Reality wird die reale Welt per Datenbrille mit digitalen Bildern überzogen, bei der Virtual Reality taucht der Nutzer in eine rein virtuelle Welt ein.

Apple-Chef Tim Cook gibt sich überzeugt, dass Augmented Reality - bei der Bilder der realen Welt in Echtzeit von Computergrafiken ergänzt werden - ein ähnlich großes Potenzial wie das Smartphone hat . Es sei eine Technologie für jedermann, sagte er der britischen Tageszeitung "Independent": "Ich glaube, AR ist riesig, es ist enorm."

Mitte vergangenen Jahres sagte Apple-Analyst Kuo eine Augmented-Reality-Brille von Apple für das Jahr 2020 voraus . Sie habe das Potenzial, die digitale und reale Welt zu verbinden und die neue große Benutzeroberfläche zu werden, schrieb er. "Wir erwarten, dass AR die nächste revolutionäre Benutzeroberfläche sein wird."

Google hatte bereits 2014 die AR-Brille "Glass" auf den Markt gebracht, den Verkauf des Produkts aber ein knappes Jahr später wegen Datenschutzbedenken und mangelnder Akzeptanz wieder eingestellt. Doch zu Apples Erfolgsmodell gehörte es bisher, technische Entwicklungen zu adaptieren, zu verfeinern und schließlich oft bessere Lösungen als die Konkurrenz anzubieten. So war es beim iPhone und beim iPad, so könnte es auch bei einer virtuellen Benutzeroberfläche sein.

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