EU-Ermittlungen Apple droht Steuernachzahlung von bis zu 19 Milliarden Dollar

Seine Anleger hat Apple bereits vor hohen Nachzahlungen gewarnt, weil die EU das irische Steuersparmodell prüft. Nun hat ein Bankanalyst die mögliche Höhe berechnet: bis zu 19 Milliarden Dollar - für den iPhone-Konzern ein Klacks.

Apple-Logo an Geschäft in New York:
REUTERS

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Die Summe klingt beeindruckend hoch - der Bankanalyst nennt sie dennoch "weitgehend irrelevant": Apple könnte laut einer Berechnung des JP-Morgan-Analysten Rod Hall bis zu rund 19 Milliarden Dollar an Steuern nachzahlen müssen. Diese Höchstsumme droht laut übereinstimmenden Berichten der Portale Apple Insider und Financial Post für den Fall, dass der Konzern rückwirkend die Gewinne für zehn Jahre mit dem irischen Steuersatz von 12,5 Prozent versteuern müsste.

Hintergrund ist eine Untersuchung der EU-Kommission. Die Behörde ermittelt seit Juni 2014 gegen Irland, Luxemburg und die Niederlande. Die Länder könnten, so lautet der Verdacht, mehreren Konzernen illegale Steuervorteile eingeräumt haben. Diese würden nach EU-Recht als unerlaubte Beihilfen eingestuft und müssten zurückgezahlt werden. Außer Apple sind unter anderem auch Starbucks und Fiat Finance and Trade davon betroffen.

Im aktuellen Quartalsbericht hatte Apple seine Anleger gewarnt, dass die EU-Untersuchung zu milliardenschweren Belastungen für das Unternehmen führen könne. Allerdings sei das Unternehmen derzeit nicht in der Lage, einen möglichen Betrag zu schätzen. Die "Financial Times" folgerte aus der Formulierung der Warnung, dass die Nachzahlung mindestens 2,5 Milliarden Dollar betragen könnte.

Ericsson weitet Patentklage gegen Apple aus

Laut dem Apple-Insider-Bericht legt Analyst Hall für den Zehn-Jahres-Zeitraum einen für die Nachzahlung relevanten Gewinnanteil Apples von 153 Milliarden Dollar zugrunde, daraus ergeben sich die rund 19 Milliarden Dollar an möglicher Nachzahlung.

Für Apple ist diese Summe ein Klacks. Der iPhone-Konzern hat 193 Milliarden Dollar auf der hohen Kante. Zwar weist Analyst Hall darauf hin, dass die Auswirkungen für Apple in Zukunft etwas spürbarer sein könnten - allerdings auch dies in Maßen: Der Jahresgewinn nach Steuern würde demnach lediglich um etwas weniger als zehn Prozent schrumpfen.

Auch auf einem anderen Gebiet droht Apple Ungemach. Der Netzwerk-Ausrüster Ericsson hat seine Patentklagen gegen Apple auf Deutschland, Großbritannien und die Niederlande ausgeweitet. Dabei geht es sowohl um Schutzrechte für Technologien der GSM- und LTE-Funknetze als auch für das Design von Halbleiter-Komponenten, teilte der schwedische Konzern mit.

Laut Ericsson scheiterten fast zwei Jahre lang laufende Verhandlungen über eine Verlängerung der Patentnutzung. Apple will vor einem Bundesgericht in Kalifornien feststellen lassen, dass die betroffenen Ericsson-Patente nicht entscheidend für den schnellen Datenfunkstandard LTE seien.

fdi



insgesamt 34 Beiträge
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Bueckstueck 08.05.2015
1. Ahso.
10% vom Ersparten ist ein Klacks. Gut, dass wir das jetzt wissen.
bristolbay 08.05.2015
2. Ttip
Ziotat: " ....Apple will vor einem Bundesgericht in Kalifornien feststellen lassen, dass die betroffenen Ericsson-Patente nicht entscheidend für den schnellen Datenfunkstandard LTE seien. " Da kann Ericson sich glücklich schätzen, dass es noch kein TTIP gibt. Apple hätte die dann vor dem "Sondergerichtshof" wegen Patentanspruch verklagt. Hoffentlich kommt TTIp nicht.
distel61 08.05.2015
3. 3000 Jahre Knast
"Diese Höchstsumme droht laut übereinstimmenden Berichten der Portale Apple Insider und Financial Post für den Fall, dass der Konzern rückwirkend die Gewinne für zehn Jahre mit dem irischen Steuersatz von 12,5 Prozent versteuern müsste." Wenn man mal von einem vernünftigen Steuersatz von 30% auf Gewinne ausginge, dann wären das 30/12,5*19 Mrd. Dollar = 45,6 Mrd. Dollar oder rund 1000 mal Hoeneß! Derjenige, der deren Steuererklärung unterschrieben hat, müsste demnach eigentlich die nächsten 3000 Jahre im Knast verbringen.
Freiberufler 08.05.2015
4. 40 Prozent vom Gewinn wäre anständig und passend
aber in der EU selbst sitzen praktisch nur Lobbyisten, auch genannt Parlamentarier oder Komissare sowie Kommissionsmitglieder. Viel heisse Luft, um Merkels schleichende Enteignung der EU-Bürger fortzuführen. Denn Deutschland regiert die EU. Nichts geschieht ohne Merkels Richtungsgebung. Merkels Motto: Alles den Reichen. Und der Rest wird überwacht. Im Fall von Apple kann beides in einer Firma geschehen. ----------
raber 08.05.2015
5. Verantwortliche des Milliarden-Steuertricks bestrafen
Warum nur Steuernachzahlungen? Wenn es getrickst ist, müssten jede Menge Strafgelder zusätzlich bezahlt werden? Wenn Apple gemäss von den Ländern genehmigten Sonderkonditionen gehandelt hat, dann müssten etliche Beamte beurlaubt, verklagt, mit Geldstrafen verurteilt und ins Gefängnis kommen. Oder geht so etwas bei solchen Geschäften nicht? Vielleicht haben diese Entscherider sogar persönlich davon profitiert. Hoffentlich geht man der Sache auf den Grund und die Verursacher werden für ihr Milliarden-"Vergehen" bestraft. Es wäre auch eine Abschreckung gegenüber anderen ähnlichen Vorhaben und gegenüber der Lobby und wahrscheinlich einigen Politikern. Es handelt sich um Milliarden die für die Volkswirtschaften eingesetzt werden können und nicht weiter von Apple und anderen Konzernen nur gehortet werden.
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