Bezahlsysteme Bundesbank warnt vor Dominanz von Apple und Google

US-Anbieter wie Google und Apple drängen auf den deutschen Markt und bieten eigene Bezahlsysteme an. Die Bundesbank fordert nun eine europäische Alternative.

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Die Bundesbank fordert mit Nachdruck eine europäische Alternative zu den amerikanischen Bezahlangeboten für den Einkauf per Smartphone und im Internet. "Es kann uns als Bundesbank nicht gleichgültig sein, wenn große Technologiekonzerne wie Apple, Google, Paypal und Amazon mehr und mehr die Kundenbeziehung übernehmen und den Banken lediglich noch die Rolle des Zahlungsabwicklers im Hintergrund bleibt", sagte Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz der "Welt am Sonntag".

Zwar können Kunden in Deutschland noch rein europäisch bezahlen, indem sie etwa Bargeld nutzen oder auf die früher EC-Karte genannte Girocard zurückgreifen, die überwiegend in der Hand deutscher Dienstleister ist. Doch wenn deutsche Kunden außerhalb Deutschlands oder im Internet zahlen, steuern oft amerikanische Anbieter wie Mastercard oder Visa die Zahlungsabwicklung.

"Überlegt euch, mit welchen Produkten ihr antworten wollt"

Bankfremde Unternehmen wie Paypal, Apple und Google drängen zusätzlich auf den Markt: Im Sommer vergangenen Jahres ging GooglePay an den Start, im Dezember folgte Apple Pay. Beide Systeme ermöglichen das Zahlen mit Smartphone. Doch auch wenn die hinterlegten Karten und Konten zu einer deutschen Bank gehören, zahlen die Kunden gefühlt nicht mehr mit einer Karte ihrer Bank, sondern mit Apple oder Google. Die Banken sind alarmiert, könnten sie doch durch die neuen Anbieter aus dem lukrativen Geschäft gedrängt werden.

Die Bundesbank unterstützt laut Balz deshalb die Idee einer europäischen Bezahllösung als Alternative zu den großen Kreditkartenunternehmen und Technologiekonzernen. Umsetzen müssten diese die Banken aber selbst. "Mein Appell an die Branche ist: Überlegt euch, mit welchen Produkten ihr auf die Angebote von Apple & Co. antworten wollt", sagte Balz.

Bleibe den Banken künftig nur noch eine Nebenrolle, hätte dies aus Sicht des für den Zahlungsverkehr zuständigen Bundesbank-Vorstands erhebliche Auswirkungen auf den Wettbewerb sowie die Struktur des Bankensystems. "Wenn es zu Ertragsausfällen bei den Banken kommt, stellt sich auch die Frage, was dieses für die Finanzstabilität bedeuten könnte."

hej/Reuters



insgesamt 88 Beiträge
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franxinatra 14.04.2019
1. Des Kaisers neue Kleider...
Um an einem solchen Bezahlsystem eine Geldbörse kaufen zu müssen, die kaum unter 200€ kostet und dann alle 2 Jahre ersetzt werden 'muss', von den Peripheriekosten abgesehen: soll zahlen wer es für nötig hält. Ich spare immer noch am meisten, wenn ich das nicht kaufen kann, was es nicht gegen bar oder zumindest Bankkarte gibt. Den Nasenring darf sich jeder selbst wählen, insbesondere die vergoldeten von Apple oder Samsung...
new#head 14.04.2019
2.
Wer will es inovativen Anbietern vorwerfen, wenn diese offene Märkte besetzen. Den Deutschen erzählt man seit Jahren, dass sie keine elektronischen Bezahlsysteme wollen und hat gehofft wir bleiben beim altgedienten Klimpergeld. Die Realität zeigt das Gegenteil. Dass nun andere den Markt erobern ist einerseits der vielgepriesenen Globalisierung, die unerwarteter Weise keine Einbahnstrasse ist, geschuldet und dem technologischen Rückstand in dem wir uns befinden. Der asiatischen Raum ist schon weiter als paypal, Google und Co. Da hat man uns offenbar überholt und muss die Konkurrenz nicht fürchten. Aber wie sagte meine Oma immer: " ...nach dem Hochmut kommt der Fall"
Konstruktohr 14.04.2019
3. Der Service ist das Problem
Die dt. Anbieter mögen vielleicht eine Alternative "erfinden", aber auch den in das Betriebssystem integrierten Funktionsumfang? Habe ich gestern per iPhone den Einkauf bezahlt, kann ich mir sicher sein - heute bekomme ich zusätzliche Porduktinformationen auf das iPhone. Per EMail und per Push-Nachricht. Toll!
mwroer 14.04.2019
4.
Wer genau hat der Bundesbank verboten sowas zu entwickeln? So langsam beginnen europäisch Firmen mich echt zu nerven. Wann immer einer irgendeine Idee hat wird nach dem Staat, der EU oder sonstwem gerufen um das erst mal zu verbieten. Dann werden Regeln gefordert die es jedem anderen fast unmöglich machen diese Idee zu verfolgen, außer einem selbst, und dann entwickelt man gemütlich über Jahre vor sich hin. Das Ergebnis sind dann Produkte denen sich gefälligst der Benutzer anpassen soll damit sie funktionieren. Kriegt Euren Arsch hoch, entwickelt selber und zeigt endlich mal die Flexibilität und Mobilität die ihr von jedem normalen Arbeitnehmer fordert!
phillyst 14.04.2019
5. Wie immer.
Scheinbar haben viele "Old Economy" Konzerne das gleiche Problem - sie verschlafen die aktuelle Entwicklung für Jahre od. gar Jahrzehnte und fangen DANN an zu jammern und irgendwas zu "fordern" (wahlweise politisches Eingreifen, strengere Kontrollen oder einfach einen zusätzlichen Wettbewerber), wenn sie merken, dass die Wasserlinie oberhalb des Kehlkopfs steht. Ich hätte sowas zwar in der Tat auch gern - aber wenns so wichtig ist, warum habt ihr alle die letzten Jahre gepennt? ApplePay und GooglePay sind nicht über Nacht entstanden und plötzlich da gewesen.
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