Milliardeninvestment aus Taiwan Foxconn baut Fabrik in den USA

Der taiwanesische Apple-Zulieferer Foxconn baut ein US-Werk. Donald Trump verbucht das als persönlichen Erfolg - doch sein Versprechen einer Apple-Fabrik erfüllt er mit dem Werk nicht.

Donald Trump und Terry Gou
Jonathan Ernst / Reuters

Donald Trump und Terry Gou


Der Auftragsfertiger Foxconn baut für zehn Milliarden Dollar ein Werk im US-Bundesstaat Wisconsin. Das teilten Foxconn-Chef Terry Gou und US-Präsident Donald Trump auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit. In der Fabrik sollen Bildschirme für Fernseher und andere Geräte hergestellt werden.

Das Werk werde schon zu Beginn 3000 US-Arbeiter beschäftigen, sagte Trump. Viele weitere Arbeitsplätze würden folgen; das Potenzial liege bei 13.000 Jobs. Der US-Präsident hatte im Wahlkampf versprochen, Arbeitsplätze vor allem in der Industrie zu schaffen.

Trump verbuchte die Milliardeninvestition des taiwanesischen Konzerns als Erfolg seiner Wirtschaftspolitik: "Wäre ich nicht gewählt worden, würde er nicht zehn Milliarden Dollar investieren", sagte er mit Blick auf Foxconn-Chef Gou.

In China beschäftigt das Unternehmen etwa eine Million Arbeiter. Das Unternehmen ist vor allem bekannt als führender Hersteller diverser Apple-Geräte. Die Fabrik in Wisconsin soll aber Display-Panels für Sharp herstellen. Um eine "Apple-Fabrik" handelt es sich also nicht.

Trump verspricht drei Apple-Fabriken

Trump hatte in einem diese Woche veröffentlichten Interview zudem verkündet, Apple-Chef Tim Cook habe ihm drei große Fabriken in den USA zugesagt. Apple kommentiert dies nicht. Ein Mitarbeiter des Weißen Hauses erklärte dem "Wall Street Journal", dabei sei es um etwas anderes als die Foxconn-Fabrik gegangen.

Das Werk soll im Wahlkreis des einflussreichen republikanischen Kongressabgeordneten und Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, stehen. Die Arbeitslosenquote liegt mit fast zehn Prozent weit über dem landesweiten Durchschnitt von 3,2 Prozent. Der republikanische Gouverneur des Bundesstaats sagte Foxconn Steuererleichterungen in Höhe von drei Milliarden Dollar zu.

In den USA gibt es bereits einen Foxconn-Standort. In Virginia beschäftigt der taiwanische Konzern etwa 400 Menschen. Gou kündigte an, neben der neuen Fabrik in Wisconsin weitere US-Standorte zu planen. So könnten die Kunden besser beliefert werden.

asa/dpa/AFP



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twocent 27.07.2017
1.
In englischsprachigen Medien kann man lesen, dass Foxcon schon vor Trumps Wahl mit den Vorbereitungen und den Verträgen über entsprechende Grundstücke begonnen hatte. Aber Politiker sind nie darum verlegen alle Erfolge für sich persönlich zu reklamieren.
power.piefke 27.07.2017
2. mal eben schnell
Ja, Foxconn hat mal eben schnell kurz nach trumps Wahl 10 Milliarden für ne Fabrik locker gemacht. Die sind da sicher schon seit Jahren am planen....
isi-dor 27.07.2017
3.
Diese Lügengeschichten von Trump sind unerträglich.
Augustusrex 27.07.2017
4. Der Dealmaker
Kann der "größte Dealmaker" endlich mal wieder so tun, als hätte er etwas zustande gebracht. "Politiker" mag ich nicht schreiben, denn das ist der Mann wirklich nicht.
hasselblad 27.07.2017
5.
Make America broke again... $3 Mrd. Steuererleichterung für 3.000 Jobs bedeuten $1 Mio. Subvention für jeden Arbeitsplatz. Zum allergrößten Teil Mindestlöhner, mutmaßlich, man muss keine hochbezahlte Management-Koryphäe sein, um Fernseher zusammenzulöten. Wenn man zugrundelegt, dass die Federal Income Tax im Niedriglohnsektor bei 10% liegt, müsste jeder der 3.000 Prekären über die Zeit $10 Mio. brutto verdienen, nur damit die Haushaltsposition irgendwann wieder genullt wird. Und das ist sehr vereinfacht gerechnet, ohne Inflations-, Zins- und sonstige Negativeffekte und weitere Steueranreize für US-Niedriglohnarbeiter wie EITC oder W-2 zu berücksichtigen. De facto ist der Steueranteil, der pro Job erwirtschaftet werden muss, um die Ausgaben auszugleichen, also noch deutlich höher und somit deutlich untealistischer zu erzielen. Um es auf den Punkt zu bringen: die fiskalpolitischen Amateure um Ryan und Trump verbraten das Geld der Allgemeinheit, um sich damit zu brüsten, 3.000 Jobs zu schaffen, die dieses Geld über den Steuerfaktor selbst bei großzügigster Rechnung niemals wieder einspielen werden. Aber ich bin mir sicher, der Rest der Bürger von Wisconsin hat kein Problem damit, auf $3 Mrd. für Infrastruktur, Schulen und öffentlichen Dienst zu verzichten, damit 3.000 Trumpies TV-Displays künftig zusammendengeln dürfen...
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