Schätzung von Steuerexperten Apple trickst auch deutschen Fiskus aus

Mit einem ausgeklügelten Sparmodell rechnet Apple auf ganz legalem Weg seine Gewinne klein und zahlt so weniger Steuern. Auch der deutsche Fiskus leidet darunter: Laut einem Bericht des ZDF-Magazins "Frontal21" entgehen ihm jährlich dreistellige Millionenbeträge.
Apple-Shop in Hamburg: Mögliche Steuervermeidung in dreistelliger Millionenhöhe

Apple-Shop in Hamburg: Mögliche Steuervermeidung in dreistelliger Millionenhöhe

Foto: Angelika Warmuth/ dpa

Hamburg - Der Apple-Konzern vermeidet in Deutschland möglicherweise Steuerzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe - jedes Jahr. Das ergeben Schätzungen von Analysten und Branchenexperten für das ZDF-Magazin "Frontal21". Apple wollte den Bericht auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht kommentieren.

Das Unternehmen hält gesonderte Umsatzzahlen für Deutschland unter Verschluss, macht aber nach Schätzungen von Analysten mit seinen in Deutschland verkauften Produkten rund eine Milliarde Euro Gewinn pro Jahr. "Wenn wir auf eine Milliarde Euro Gewinn die 25 Prozent Unternehmensteuer anlegen, dann kommen wir in Deutschland auf ein Steuersoll von 250 Millionen Euro", sagt Markus Meinzer dem ZDF. Er ist Experte beim Tax Justice Network, einer internationalen Nichtregierungsorganisation, die sich für eine gerechte Steuerlast einsetzt.

Dem Steuersoll ließen sich nun die Steuern entgegensetzen, die für Apple in Deutschland tatsächlich angefallen seien, erläuterte Meinzer auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE. Demnach finden sich im Handelsregister zwei Apple-Töchter. Bei der einen, der Apple GmbH, seien in einem Jahr Steuern von 5,1 Millionen Euro fällig gewesen. Bei der anderen, der Apple Retail GmbH, seien gar keine Steuern angefallen. Stelle man diese Werte der geschätzten fälligen Unternehmensteuer von 250 Millionen Euro gegenüber, ergäbe sich eine Steuerlücke von 245 Millionen Euro. Da es sich bei den Berechnungen um grobe Schätzungen handelt, ist dies nur ein Orientierungswert.

Durchgeführt wurden die Schätzungen unter anderem auf der Basis von Umsätzen für das Jahr 2011, die "Frontal21" auch Branchenexperten vorlegte. Diese gaben an, dass Deutschland für Apple ein wichtiger Markt sei. Eine Milliarde Euro Gewinn seien entsprechend noch niedrig angesetzt. Die vermiedenen Steuerzahlungen könnten entsprechend noch größer sein.

Apple nutzt ein gewieftes Modell, um seine Steuerlast zu drücken. Ein Unterausschuss des US-Senats hatte dieses kürzlich decodiert und in einem 40-seitigen Untersuchungsbericht (PDF) zusammengefasst. Grob vereinfacht nutzt der Konzern eine Lücke im internationalen Steuerrecht sowie mehrere Gesetzeslücken in den USA aus, um dem Fiskus Abgaben vorzuenthalten. Eine einfache Beschreibung von Apples Steuersparmodell lesen Sie hier.


"Frontal 21": 28. Mai 2013, 21 Uhr, ZDF

ssu