Arbeitsmarkt Flächentarife verlieren an Bedeutung

Der Kampf um Löhne wird kleinteiliger. Weil immer mehr Firmen aus den branchenüblichen Tarifbindungen ausscheren, können sich immer weniger Arbeitnehmer auf einen landesweit geregelten Tarifvertrag berufen.
Streikende bei Karstadt: Die Kaufhausmitarbeiter kämpfen für ihre Tarifverträge

Streikende bei Karstadt: Die Kaufhausmitarbeiter kämpfen für ihre Tarifverträge

Foto: Christian Charisius/ dpa

Berlin - Firmen verhandeln ihre Löhne und Arbeitsbedingungen zusehends hausintern oder mit kleineren Gewerkschaften. Nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das sich als Forschungsabteilung der Bundesagentur für Arbeit versteht, zieht sich jährlich ein Prozent der Betriebe aus den flächendeckenden Branchentarifbindungen zurück.

Somit gilt für immer weniger Arbeitnehmer ein sogenannter Flächentarifvertrag, der bundesweit in der gesamten Branche gilt und von großen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden ausgehandelt wurde. "In der langen Sicht ist die rückläufige Tendenz eindeutig", erklärte das IAB. Das Nürnberger Institut befragt jährlich mehr als 15.000 Betriebe.

Seit 1996 ist laut der Untersuchung fast jeder fünfte Betrieb aus der Tarifordnung ausgeschert. Die Quote sank in den westlichen Landesteilen von 70 Prozent der Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben auf 53 Prozent im vergangenen Jahr. In Ostdeutschland waren es nur noch 36 Prozent. Prominentes Beispiel für den Rückzug eines Unternehmens aus der Tarifbindung ist Karstadt.

Schaut man genauer hin, zeigt sich jedoch, dass immer noch jeder fünfte west- und jeder vierte ostdeutsche Arbeitnehmer in Betrieben arbeitet, die sich an einem Branchentarifvertrag zumindest orientieren. Auch gelten der Umfrage zufolge zunehmend Firmentarifverträge, die die Betriebe individuell mit der Gewerkschaft aushandelten. Die sei bei sieben Prozent der Arbeitnehmer im Westen und zwölf Prozent im Osten der Fall.

Große Branchentarifverträge für mehrere Millionen Beschäftigte gibt es beispielsweise in der Metall- und Elektroindustrie, in der Chemischen Industrie und im Einzelhandel. Aktuell müht sich die Gewerkschaft Ver.di, für die Beschäftigten des Internethändlers Amazon einen Branchentarifvertrag für den Einzel- und Versandhandel durchzusetzen.

mli/Reuters/afp/dpa
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