Arbeitsmarkt Flächentarife verlieren an Bedeutung

Der Kampf um Löhne wird kleinteiliger. Weil immer mehr Firmen aus den branchenüblichen Tarifbindungen ausscheren, können sich immer weniger Arbeitnehmer auf einen landesweit geregelten Tarifvertrag berufen.

Streikende bei Karstadt: Die Kaufhausmitarbeiter kämpfen für ihre Tarifverträge
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Streikende bei Karstadt: Die Kaufhausmitarbeiter kämpfen für ihre Tarifverträge


Berlin - Firmen verhandeln ihre Löhne und Arbeitsbedingungen zusehends hausintern oder mit kleineren Gewerkschaften. Nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das sich als Forschungsabteilung der Bundesagentur für Arbeit versteht, zieht sich jährlich ein Prozent der Betriebe aus den flächendeckenden Branchentarifbindungen zurück.

Somit gilt für immer weniger Arbeitnehmer ein sogenannter Flächentarifvertrag, der bundesweit in der gesamten Branche gilt und von großen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden ausgehandelt wurde. "In der langen Sicht ist die rückläufige Tendenz eindeutig", erklärte das IAB. Das Nürnberger Institut befragt jährlich mehr als 15.000 Betriebe.

Seit 1996 ist laut der Untersuchung fast jeder fünfte Betrieb aus der Tarifordnung ausgeschert. Die Quote sank in den westlichen Landesteilen von 70 Prozent der Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben auf 53 Prozent im vergangenen Jahr. In Ostdeutschland waren es nur noch 36 Prozent. Prominentes Beispiel für den Rückzug eines Unternehmens aus der Tarifbindung ist Karstadt.

Schaut man genauer hin, zeigt sich jedoch, dass immer noch jeder fünfte west- und jeder vierte ostdeutsche Arbeitnehmer in Betrieben arbeitet, die sich an einem Branchentarifvertrag zumindest orientieren. Auch gelten der Umfrage zufolge zunehmend Firmentarifverträge, die die Betriebe individuell mit der Gewerkschaft aushandelten. Die sei bei sieben Prozent der Arbeitnehmer im Westen und zwölf Prozent im Osten der Fall.

Große Branchentarifverträge für mehrere Millionen Beschäftigte gibt es beispielsweise in der Metall- und Elektroindustrie, in der Chemischen Industrie und im Einzelhandel. Aktuell müht sich die Gewerkschaft Ver.di, für die Beschäftigten des Internethändlers Amazon einen Branchentarifvertrag für den Einzel- und Versandhandel durchzusetzen.

mli/Reuters/afp/dpa



insgesamt 3 Beiträge
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malocher77 04.06.2013
1. Ich
Arbeite in so einem Unternehmen, wo Tariflohn Geschichte ist, der Besitzer der Firma erhöht zwar die Löhne, aber wir bekommen immer weniger wie IG Metall, dadurch sind wir in 10 Jahren um 15% benachteiligt worden. Man braucht sich nicht wundern, das der Binnenmarkt am Boden ist. Die neue Verträge sind um einiges schlechter, bei gleichem Arbeitsplatz um 2€ weniger pro Stunde, und die Menschen sind froh, daß die Arbeit haben, die höher bezahlt wird wie Leiharbeit. Das haben wir SPD und Agenda 2010 zu verdanken, deswegen bekommen die "Genossen" von mir nie wieder ein Kreuz bei den Wahlen. Die Versprechen Soziale Gerechtigkeit und dabei kommt Agenda 2020 wo die Arbeitnehmerrechte weiter abnehmen und von der Gerechtigkeit kann da keine Rede sein. Wer soll denn die Rente von mir später bezahlen bei solchen Stundenlöhnen? Und dann wundert sich die Regierung warum wir nicht mehr Kinder kriegen, man kann sich immer weniger leisten, Energiekosten explodieren überall zahlt nur die Mittelschicht drauf, und die Reichen werden immer reicher und zwar auf unsere Kosten.
mbraun09 04.06.2013
2. Und warum passiert nichts?
Würde meine Firma Tarif zahlen, hätte ich ein gutes Auskommen. So aber gehöre ich zum Heer der Aufstocker. Der Staat zahlt also für sein selbst unterstütztes Lohndumping - Was rotgrün so eingeführt hat.
kjartan75 04.06.2013
3. optional
Bei uns hat sich die Firma auch aus dem Tarifverbund verabschiedet. So kommt es, dass viele langjährige Mitarbeiter seit mehr als 12 Jahren keine Gehaltserhöhung bekommen haben, immer mit Verweis auf die angeblich so schlechte geschäftliche Lage.
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