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Krise in Südamerika Inflationsrate in Argentinien steigt auf fast 100 Prozent

Sie finden bereits, das Leben sei teuer geworden? Im Vergleich mit Argentinien hält sich die Steigerung der Verbraucherpreise hierzulande aber noch in Grenzen.
Wenn beim Bäcker der 1000-Peso-Schein über die Theke geht: Die Notenpresse der Zentralbank läuft

Wenn beim Bäcker der 1000-Peso-Schein über die Theke geht: Die Notenpresse der Zentralbank läuft

Foto: Claudio Santisteban / dpa

Von einer Inflationsrate von mehr als 200 Prozent wie in Venezuela ist Argentinien noch weit entfernt. Doch durch die schwere Wirtschafts- und Finanzkrise hat auch die Teuerung im weiter südlich gelegenen südamerikanischen Land zuletzt deutlich angezogen.

In Argentinien ist die jährliche Inflationsrate zuletzt auf 98,8 Prozent gestiegen. Allein von Dezember auf Januar stiegen die Preise in dem südamerikanischen Land um sechs Prozent, wie die Statistikbehörde (Indec) mitteilte . Vor allem die Mieten, Tarife für Strom, Wasser und Gas sowie die Gebühren für Internet und Telefon legten demnach kräftig zu.

Argentinien hofft auf Mercosur-Abkommen

Die Inflationsrate in Argentinien ist eine der höchsten der Welt. Um das Haushaltsdefizit zu finanzieren, druckt die Zentralbank ständig frisches Geld. Die zweitgrößte Volkswirtschaft Südamerikas leidet unter einem aufgeblähten Staatsapparat, geringer Produktivität der Industrie und einer großen Schattenwirtschaft, die dem Staat viele Steuereinnahmen entzieht.

Die Landeswährung Peso wertet gegenüber dem Dollar immer weiter ab, der Schuldenberg wächst ständig. Zusätzlich befeuert wurde die Inflation in Argentinien nun von der globalen Lage mit dem Krieg in der Ukraine und den Störungen in den Lieferketten.

Zugleich streben die EU und auch Argentinien deutlich engere wirtschaftliche Beziehungen an. Zusammen mit Deutschland hatte sich der argentinische Präsident Alberto Ángel Fernández zuletzt für einen zügigen Abschluss der Verhandlungen über eins der größten Freihandelsabkommen der Welt stark gemacht. Fernández sagte, er sei sich mit Brasiliens neuem Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva einig: »Wir wollen dieses Abkommen anschieben und ans Laufen bringen. Das würde Lateinamerika und besonders dem Mercosur nutzen, es würde Europa nutzen, und es würde auch den Multilateralismus stärken.«

Die EU verhandelt mit dem Mercosur – zu dem Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay gehören – schon seit 1999 über ein Abkommen. 2019 wurde ein Durchbruch erzielt. Es hakt aber immer noch, vor allem beim Schutz des Regenwaldes im Amazonasgebiet, der schon großteils für die Viehzucht und landwirtschaftliche Nutzung abgeholzt wurde. Mit dem Abkommen entstünde ein Markt mit mehr als 700 Millionen Menschen, der fast 20 Prozent der Weltwirtschaft und 31 Prozent der weltweiten Warenexporte abdeckt.

apr/dpa