Atomausstieg E.on-Chef warnt vor Stromnetz-Zusammenbruch

E.on-Chef Johannes Teyssen hat angesichts der Abschaltung älterer Atommeiler vor einem Zusammenbruch des deutschen Stromnetzes gewarnt. Im SPIEGEL-Interview sagte er, schon jetzt werde es "äußerst schwer", die Versorgung "stabil zu halten".

E.on-Chef Johannes Teyssen: Kompletter Atomausstieg "überhaupt nicht zu verkraften"
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E.on-Chef Johannes Teyssen: Kompletter Atomausstieg "überhaupt nicht zu verkraften"


E.on-Chef Johannes Teyssen warnt vor dem Kollaps des deutschen Stromnetzes. Dem SPIEGEL sagte er, dass es nach der beschlossenen Abschaltung der Altreaktoren "jetzt schon äußerst schwer" werde, das Netz "stabil zu halten". Noch weitreichendere Maßnahmen, wie der teilweise geforderte komplette Ausstieg aus der Atomkraft, seien "überhaupt nicht zu verkraften".

Die schwarz-gelbe Regierung hatte nach der Katastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima die beschlossenen Laufzeitverlängerungen für drei Monate ausgesetzt. Sieben Atommeiler wurden vorübergehend abgeschaltet. Ob diese Altreaktoren nach dem Ende des Moratoriums wieder ans Netz gehen, ließ Bundeskanzlerin Angela Merkel offen. In den kommenden Monaten soll ihre Sicherheit überprüft werden. Durch den Stopp der Altmeiler drohen den Energiekonzernen bis zum Sommer Umsatzeinbußen von mehr als 500 Millionen Euro.

Stromnetz ungenügend ausgebaut

Teyssen begründete seine drastische Warnung mit dem ungenügenden Ausbauzustand des Stromnetzes. Das Netz sei auf eine solch gravierende Umverteilung der Lasten nicht ausgelegt. "Im Süden", so Teyssen, " fallen durch die Stilllegung von Kraftwerken große Kapazitäten weg. Leitungen, um den im Norden produzierten Windstrom dorthin zu transportieren, fehlen. Dies kann zu massiven Problemen bis hin zu Stromausfällen führen." Darauf habe man auch das Bundeswirtschaftsministerium hingewiesen.

Ab Ende März kann die Situation sich noch deutlich verschärfen. Dann nämlich geht der nächste Meiler vom Netz, das bayerische Atomkraftwerk Grafenrheinfeld. In dem E.on-Atomkraftwerk war bereits vor Monaten ein möglicher Riss in einer Kühlleitung im Reaktorkern diagnostiziert worden. Nun soll das entsprechende Teil während einer mehrwöchigen Revision des Reaktors ausgetauscht werden.

Insgesamt neun AKW würden dann keinen Strom mehr produzieren: die sieben, die abgeschaltet wurden, Grafenrheinfeld - und das AKW Krümmel, das schon seit längerem wegen Wartungsarbeiten vom Netz ist.



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