Alternativen bei Energieversorgung Atomkonzerne verweisen auf hohe Hürden für Laufzeitverlängerung

Einfach die AKW länger laufen lassen, um von Russland unabhängig zu sein? Geht nicht ohne Weiteres, sagen die Betreiber der Meiler. Zwei Gründe sprechen dagegen, die Kraftwerke am Netz zu lassen.
AKW Neckarwestheim: Geht als einer der letzten Meiler spätestens am 31. Dezember vom Netz

AKW Neckarwestheim: Geht als einer der letzten Meiler spätestens am 31. Dezember vom Netz

Foto: Norbert Försterling/ dpa

Die wegen Russlands Krieg in der Ukraine befürchteten Engpässe beim Gas- und Kohleimport lassen sich nach Einschätzung der deutschen Atomkonzerne kaum schnell durch längere Laufzeiten der Kernkraftwerke ausgleichen. Eine Sprecherin von PreussenElektra, einer Eon-Tochterfirma, wies darauf hin, dass die Lieferung neuer Brennstäbe lange dauern würde.

»Nach einer ersten Abschätzung gehen wir davon aus, dass frische Brennelemente in gut 1,5 Jahren zur Verfügung stehen könnten«, sagte die Sprecherin der »Rheinischen Post«. Zudem müssten sich die Konzerne dann wohl neue Uranlieferanten suchen. »In den letzten Betriebsjahren unserer Kraftwerke haben wir das für die Brennelemente benötigte Uran aus Kasachstan und Russland sowie in geringen Mengen aus Kanada bezogen.«

Auch Steinkohle kommt meist aus Russland

Vor einem Treffen der Energieminister von Bund und Ländern an diesem Dienstag sagte die RWE -Sprecherin dem Blatt: »Am Ende ist es an der Politik, über eine mögliche Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke zu entscheiden. Die genehmigungsrechtlichen und technischen Hürden für eine Verlängerung wären allerdings sehr hoch.« Der beschleunigte Atomausstieg wurde 2011 gesetzlich beschlossen. Als letzte Meiler abgeschaltet werden nach dem Atomgesetz spätestens am 31. Dezember die Kraftwerke Emsland, Isar 2 und Neckarwestheim 2.

Russland liefert mehr als 50 Prozent des in Deutschland verbrauchten Erdgases – und auch der Anteil der russischen Steinkohle in der Stromerzeugung in Deutschland liegt bei etwa 50 Prozent. In einzelnen Kraftwerken in Deutschland werden aktuell bis zu 75 Prozent russische Steinkohle verfeuert.

Energieminister Robert Habeck (Grüne) hatte kurz nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine erklärt, längere Laufzeiten von Kohle- oder Atomkraftwerken seien ungeeignet, um Versorgungsengpässe durch eine etwaige Kürzung russischer Lieferungen auszugleichen. Zur Sicherheit der Energieversorgung hatte aber Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eine mehrjährige Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken gefordert.

Eine ausführliche Analyse der Frage lesen Sie hier:

Moskau droht mit Stopp der Gaslieferungen

Dass Russland seine Lieferungen im Energiesektor als Hebel einsetzen will, zeigte der Kreml diese Woche offen: Wegen der Sanktionen hat er erstmals offen mit einem Gaslieferstopp durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 gedroht. »Wir haben das volle Recht, eine »spiegelgerechte« Entscheidung zu treffen und ein Embargo zu erlassen auf die Durchleitung des Gases durch die Pipeline Nord Stream 1, die heute maximal mit 100 Prozent ausgelastet ist«, sagte der russische Vizeregierungschef Alexander Nowak in einer im Staatsfernsehen ausgestrahlten Rede. Er tätigte die Äußerung mit Blick auf die gestoppte Leitung Nord Stream 2, deren Inbetriebnahme Russland anstrebt, deren Genehmigungsverfahren von Deutschland als Reaktion auf den Ukrainekrieg jedoch zuletzt unterbrochen wurde.

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»Noch treffen wir diese Entscheidung nicht. Niemand gewinnt dabei«, sagte Nowak. Allerdings sehe sich Russland inzwischen durch die europäischen Politiker und ihre Anschuldigungen in diese Richtung gestoßen.

oka/dpa
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