Hinkley Point Britische Regierung stimmt Bau des Atommeilers zu

Der neue Atommeiler Hinkley Point ist in Politik und Unternehmen umstritten. Es ist der erste AKW-Bau in der EU seit der Katastrophe von Fukushima.
Umstrittenes Atomprojekt Hinkley Point (Computergrafik)

Umstrittenes Atomprojekt Hinkley Point (Computergrafik)

Foto: OLLIER LAURENCE/ AFP

Die britische Regierung hat dem Bau des Atomprojekts Hinkley Point zugestimmt. Aber nur unter bestimmten Bedingungen: So soll der Stromkonzern EDF, der das AKW zusammen mit dem chinesischen Konzern CGN an der Westküste Englands bauen will, seine Anteile vor der Fertigstellung nicht ohne Londons Zustimmung verkaufen können.

Auch nach Inbetriebnahme des Meilers will die britische Regierung im Falle eines Verkaufs des EDF-Anteils an der Anlage eingreifen können.

Rund 18 Milliarden Pfund soll der neue Reaktor kosten, der später etwa sieben Prozent des Strombedarfs Großbritanniens abdecken soll. Ein Drittel der Kosten soll der chinesische Partner China Nuclear Power Corporation tragen. Die Aufnahme des Betriebs von Hinkley Point C ist ab 2025 angesetzt.

Energieminister Greg Clark verkündete, dass das Projekt umgesetzt werden soll. Die Sicherheit des Baus solle mit neuen Maßnahmen gewährleistet werden. Wie diese Maßnahmen konkret aussehen sollen, sagte Clark bislang nicht. Unternehmen und Gewerkschaften erhoffen sich von dem Neubau 25.000 neue Arbeitsplätze.

Das Projekt bei Bristol ist wegen der finanziellen Risiken auch in Staatskreisen äußerst umstritten. Interne Differenzen sorgten dafür, dass die Entscheidung über die Investition immer wieder verschoben wurde.

Die Umweltorganisation Greenpeace kritisierte den geplanten Bau scharf: "Diese Entscheidung führt das Unternehmen schnurstracks in den Bankrott und wird zu geringe Investitionen in die nukleare Sicherheit im französischen Kraftwerkspark nach sich ziehen."

Auch bei EDF hatte die Investition für Bedenken gesorgt: Im März war Finanzchef Thomas Piquemal zurückgetreten, da er daran zweifelte, ob EDF das Projekt stemmen könnte. Kurz vor der Entscheidung über den Bau reichte ein Mitglied des Verwaltungsrats seinen Rücktritt an. Der Schwerpunkt des Konzerns verschiebe sich noch mehr in Richtung Kernkraft, kritisierte Gérard Magnin in seinem Rücktrittsschreiben gegenüber der Wirtschaftszeitung "Les Échos".

Die französische Regierung steht hinter dem AKW: Der Stromkonzern EDF gehört zu fast 85 Prozent dem französischen Staat. Im vergangenen Jahr musste das Unternehmen deutliche Gewinneinbußen hinnehmen. Bis 2018 sollen fünf Prozent der Arbeitsplätze in Frankreich abgebaut werden. Das Projekt gilt als Aushängeschild für französisches Know-how. Mit 220.000 Beschäftigten ist die Atomindustrie in Frankreich ein wichtiger Arbeitgeber.

pem/AFP