Vorläufiges Gutachten zu Rückstellungen Aktienkurse von RWE und E.on brechen ein

Das Worst-Case-Szenario in einem vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Gutachten sorgt für Aufsehen: Bis zu 30 Milliarden Euro könnten Energiekonzernen für den Atomausstieg fehlen. Die Aktien von E.on und RWE fallen zeitweise um zwölf Prozent.
Atomkraftwerk Biblis: Rückstellungen sollen nicht ausreichen

Atomkraftwerk Biblis: Rückstellungen sollen nicht ausreichen

Foto: Christoph Schmidt/ picture alliance / dpa

Die Rückstellungen der Energiekonzerne für den Atomausstieg könnten möglicherweise nicht ausreichen. In einem Negativszenario fehlen den vier großen Energieversorgern für die Bewältigung der atomaren Altlasten bis zu 30 Milliarden Euro. Das geht nach SPIEGEL-Informationen aus einem vorläufigen Gutachten hervor, das das Wirtschaftsministerium in Auftrag gegeben hat.

Als Reaktion auf die Informationen sind die Aktienkurse von RWE und E.on am Dienstag zeitweise um mehr als zwölf Prozent eingebrochen. Zuletzt lagen sie noch rund sieben Prozent im Minus. Davon wurde auch der deutsche Leitindex Dax belastet: Er notierte mittags 0,3 Prozent unter dem Vortagesschluss.

Dem Gutachten zufolge reichen die von den Konzernen gebildeten Rückstellungen in Höhe von rund 39 Milliarden Euro zwar aus, um die Atomreaktoren in Deutschland zurückzubauen. Für die Endlagerung des radioaktiven Abfalls, für die Suche und den Bau entsprechender Endlager fehlt hingegen noch viel Geld.

Das Bundeswirtschaftsministerium verwies auf den noch nicht abgeschlossenen Bericht. "Ein Ergebnis der Stresstests liegt noch nicht vor", teilte das Ministerium mit. Die Resultate würden "im Herbst" erwartet.

Die Unternehmen wiesen die Zweifel an den Atomrückstellungen zurück. "Der Entwurf enthält offenbar ein Szenario, bei dem mit einem negativen Realzins gerechnet wird und das so zu einer nicht realistischen Rückstellungssumme kommt", teilte E.on mit. Eine solche Annahme habe keinerlei Grundlage und sei nicht einmal vor dem Hintergrund des aktuellen Niedrigzinsniveaus plausibel. Auch RWE und EnBW teilten mit, ausreichend Rückstellungen gebildet zu haben.

Ein Analyst der Investmentbank Equinet schätzte das Investitionsrisiko weiterhin als hoch ein - unterstrich jedoch zugleich den vorläufigen Charakter des Gutachtens und die bislang fehlende Prüfung durch die Bundesregierung. Es müsse abgewartet werden, in welchem Umfang die Regierung die Versorger zwingen werde, weitere Rückstellungen vorzunehmen.

bos/brk/dpa/Reuters