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Abgasbetrug bei Dieselmotoren

Audi hat Aufklärung in Europa zwei Jahre lang verschleppt

Dokumente manipuliert, Messergebnisse vertuscht: Selbst als der Abgasbetrug in den USA längst aufgedeckt war, hat Audi-Chef Stadler nach SPIEGEL-Informationen das Ausmaß des Skandals zu verschleiern versucht.

AFP

Ex-Audi-Boss Stadler: KBA gezielt betrogen

Freitag, 05.07.2019   11:00 Uhr

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Der Audi-Konzern hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) noch mehr als zwei Jahre nach der Aufdeckung des Dieselskandals in den USA betrogen und das wahre Ausmaß der Abgasmanipulation in Europa verschleiert. Audi hat nicht nur eigene Erkenntnisse über verbotene Software in den Fahrzeugen zurückgehalten, sondern auch Dokumente manipuliert und Messergebnisse kritischer Fahrzeuge vertuscht.

Das geht aus mehr als hundert Ordnern Ermittlungsakten - die der SPIEGEL auswerten konnte - der Staatsanwaltschaft München II hervor. Die Behörde ermittelt seit mehr als zwei Jahren gegen den Autobauer.

Hintergrund für die Vertuschung war offenbar die Angst vor einem Produktionsstopp für viele Dieselmodelle in Europa. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Ex-Audi-Chef Rupert Stadler, er habe nach der Aufdeckung des Dieselskandals in den USA lange keine systematische Untersuchung der EU-Modelle durchgeführt, obwohl es Hinweise auf illegale Funktionen gegeben hatte.

Im Gegenteil: Audi hat den Dokumenten zufolge Abschalteinrichtungen, die dem Unternehmen bekannt waren, bei Besprechungen mit dem KBA verschwiegen. Am 26. November 2015 beispielsweise legten die Manager dem KBA eine Präsentation zur umstrittenen Aufwärmstrategie vor, mit der die Autos den Abgastest bestehen. Der entscheidende Passus, durch den die Illegalität klar geworden wäre, strichen sie kurz vor dem Termin.

Nachdem das Kraftfahrt-Bundesamt Rückrufe für fast alle Audi-Dieselmodelle erlassen hatte, zweifelte die Behörde sogar an, ob Audi überhaupt noch "den Anforderungen an einen Hersteller genüge". Audi musste dazu im Jahr 2018 einen entsprechenden Fragebogen des Kraftfahrt-Bundesamtes beantworten.

fdo

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