Abgasbetrug bei Dieselmotoren Audi hat Aufklärung in Europa zwei Jahre lang verschleppt

Dokumente manipuliert, Messergebnisse vertuscht: Selbst als der Abgasbetrug in den USA längst aufgedeckt war, hat Audi-Chef Stadler nach SPIEGEL-Informationen das Ausmaß des Skandals zu verschleiern versucht.

Ex-Audi-Boss Stadler: KBA gezielt betrogen
AFP

Ex-Audi-Boss Stadler: KBA gezielt betrogen


Der Audi-Konzern hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) noch mehr als zwei Jahre nach der Aufdeckung des Dieselskandals in den USA betrogen und das wahre Ausmaß der Abgasmanipulation in Europa verschleiert. Audi hat nicht nur eigene Erkenntnisse über verbotene Software in den Fahrzeugen zurückgehalten, sondern auch Dokumente manipuliert und Messergebnisse kritischer Fahrzeuge vertuscht.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 28/2019
Carola Rackete über die dramatische Rettungsfahrt ihrer "Sea-Watch 3"

Das geht aus mehr als hundert Ordnern Ermittlungsakten - die der SPIEGEL auswerten konnte - der Staatsanwaltschaft München II hervor. Die Behörde ermittelt seit mehr als zwei Jahren gegen den Autobauer.

Hintergrund für die Vertuschung war offenbar die Angst vor einem Produktionsstopp für viele Dieselmodelle in Europa. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Ex-Audi-Chef Rupert Stadler, er habe nach der Aufdeckung des Dieselskandals in den USA lange keine systematische Untersuchung der EU-Modelle durchgeführt, obwohl es Hinweise auf illegale Funktionen gegeben hatte.

Im Gegenteil: Audi hat den Dokumenten zufolge Abschalteinrichtungen, die dem Unternehmen bekannt waren, bei Besprechungen mit dem KBA verschwiegen. Am 26. November 2015 beispielsweise legten die Manager dem KBA eine Präsentation zur umstrittenen Aufwärmstrategie vor, mit der die Autos den Abgastest bestehen. Der entscheidende Passus, durch den die Illegalität klar geworden wäre, strichen sie kurz vor dem Termin.

Nachdem das Kraftfahrt-Bundesamt Rückrufe für fast alle Audi-Dieselmodelle erlassen hatte, zweifelte die Behörde sogar an, ob Audi überhaupt noch "den Anforderungen an einen Hersteller genüge". Audi musste dazu im Jahr 2018 einen entsprechenden Fragebogen des Kraftfahrt-Bundesamtes beantworten.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.

fdo



insgesamt 144 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
rainer-rau 05.07.2019
1. Lügen ist stressig,
davon könnten die sich doch mal zwei Jahre lang in einem Heim erholen, wo alles für sie vom Aufsichtspersonal geregelt wird. Ob in einem blauen Arbeitsanzug oder in einer weißen Jacke mit langen Ärmeln, ist egal. Zur Gesellschaft wären ihre Komplizen in Berlin sehr geeignet.
john_doo 05.07.2019
2. Das ist wissentlicher Betrug ...
... am Kunden! Sämtlichen Managern und Aktionären sollten die Gewinnausschüttungen und Gehälter für 3 Jahre um 90% gekürzt werden. Weiterhin sollten alle Abgasskandal und/oder Verschleierung vor Gericht gestellt werden. Aber ich befürchte, es wird bei einer harmlosen Verwarnung und lächerlich geringen finanziellen Nötigung bleiben, sonst wäre ja Arbeitsplätze in Gefahr!
Andreas P. 05.07.2019
3. So, und?
Herr Stadler sitzt jetzt mit seinen reichlich verdienten Millionen bei Weisswurscht und Weissbier gemütlich zu Hause und es passiert nichts! Wofür haben denn diese Leute so viel kassiert, wenn sie nicht mal mehr Verantwortung übernehmen müssen, geschweige den zur Rechenschaft gezogen werden, wenn Sie eine tausendfache Straftat (!) begangen haben. Es wird Zeit, dass was passiert.
inovatech 05.07.2019
4. Vorsprung duch Manipulation
Zerschlagung des Konzerns und fertig. Könnte auch abschreckende Wirkung auf andere Betrugsfirmen haben. Aber ne, geht ja nicht - es hängen viele Arbeitsplätze dran. Also weiter geht´s wie immer
shardan 05.07.2019
5. Und?
Ich bin mal gespannt, welches Wortgebilde die Politik diesmal finden wird, um Audi den Rücken frei zu halten. Oder wird es wieder "systemrelevant"? Das KBA hat schon einige Augen zugedrückt bei Audi, selbst mit den Rückrufen. Nur eine Betrugssoftware musste zwangsweise entfernt werden, die übrigen "durfte" Audi freiwillig entfernen. Andernfalls hätten die Anwälte der Autobesitzer sich wohl die Hände gerieben.... Audi hat betrogen. VW hat betrogen, andere auch. Es ist nichts Handgreifliches passiert. Es wird auch weiterhin nichts passieren. Die Politik, allen voran Merkel und Scheuer, halten ihre schützenden Hände über die Autobauer, egal, wie viel Mist die bauen. Dem Kunden bleibt nur die Abstimmung mit den Füßen, zu seinem Recht als Betrogener wird er in unserem "Rechtsstaat" nicht kommen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.