Medienbericht zum Dieselskandal Kraftfahrtbundesamt droht Audi mit Zwangsgeldern

Die Aufarbeitung des Dieselskandals bei Audi zieht sich hin. Nun drohen dem Unternehmen Zwangsgelder - wenn es nicht in rund eineinhalb Wochen nachweisen kann, wie es die Manipulationen beheben will.

Audi und der Dieselskandal: Kein Ende in Sicht
ZUMA Press/ imago images

Audi und der Dieselskandal: Kein Ende in Sicht


Im Dieselskandal soll das Kraftfahrtbundesamt Audi erstmals schriftlich mit Zwangsgeldern gedroht haben. Dieses wird einem Bericht der "Bild am Sonntag" zufolge fällig, wenn der Hersteller nicht bis zum 26. September nachweist, wie alle beanstandeten Fahrzeuge in einen gesetzeskonformen Zustand gebracht werden können.

Für einzelne V6- und V8-Modelle mit der Abgasnorm Euro 6 fehle bis heute die Freigabe für ein Softwareupdate. Audi habe drei von bislang acht Rückrufbescheiden nicht umgesetzt. Innerhalb der Frist soll der Hersteller nun "die Wirksamkeit der Maßnahmen zur Herstellung der Vorschriftsmäßigkeit belegen", zitiert die Zeitung aus einem Schreiben der Behörde. Andernfalls droht ein sofortiges Zwangsgeld von jeweils 25.000 Euro. Ignoriere Audi den Bescheid, werde die Typengenehmigung für die betroffenen Modelle entzogen.

Das Unternehmen geht offenbar davon aus, dass das nicht passieren wird: "Wir werden noch im September und damit innerhalb der vom Kraftfahrtbundesamt gesetzten Frist die Unterlagen für weitere 8.200 Fahrzeuge komplett haben", teilte ein Audi-Sprecher mit. Die Lösung stehe unmittelbar bevor. Audi habe für alle verbliebenen Fahrzeuge ein Softwareupdate erarbeitet, arbeite intensiv mit den Behörden zusammen und habe die erforderlichen Emissionsmessungen erbracht. "Somit sehen wir keinen Grund für einen Entzug der Typgenehmigung."

Weitere Rückrufe möglich

Der Streit mit dem Kraftfahrtbundesamt ist nicht Audis einzige Baustelle im Dieselskandal. Dem Unternehmen könnten zudem weitere Rückrufe für ältere Dieselmodelle mit der Abgasnorm 4 bevorstehen. Aus Kreisen der Europäischen Kommission heißt es, dass der Hersteller für das Problem teilweise keine Softwarelösung habe und in diesen Fällen ein Rückkauf der Fahrzeuge bevorstehe. Ein Audi-Sprecher kommentierte das nicht.

Erst kürzlich war berichtet worden, dass das Unternehmen bei den Diesel-Updates nicht hinterherkomme. Das Kraftfahrtbundesamt hatte Ende 2017 angeordnet, dass Audi Softwaremanipulationen aus seinen Dieselmodellen zu entfernen habe, mit denen die Fahrzeuge auf dem Prüfstand sauber fuhren - auf der Straße aber die Abgasgrenzwerte deutlich überschritten.

Die Flensburger Behörde hatte zugleich festgelegt, dass Audi in den meisten Fällen bis spätestens Februar 2018 ein Softwareupdate für die Umrüstung vorzulegen habe. Außerdem ordnete das Amt den Sofortvollzug an. Die genannten Fristen sind mittlerweile seit rund eineinhalb Jahren abgelaufen.

bbr



insgesamt 52 Beiträge
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derhey 15.09.2019
1. Kaum zu glauben
ich wundere mich immer wieder wie das sich hinzieht. Und dann sollen (!) die neuen Motoren ebenfalls wieder mit einer Abschaltvorrichtung versehen sein? Unglaublich wenn das zutrifft. Und die Mittäter sitzen in den obersten Politiketagen.
dirkcoe 15.09.2019
2. Wir erleben fassungslos
wie der Betrugskonzern VW unsere Behörden und den Verkehrskasper vorführt. Der Staat macht sich beim ganzen Thema Diesel Betrug zum Popanz. Stark und mutig ist unser Staat nur noch wenn ein dummer Junge sein Mofa frisiert. Sorry aber ich habe den Eindruck - Rechtsstaat war gestern.
2low4zero 15.09.2019
3.
es ist nach wie vor unglaublich. da manipuliert ein grosskonzern im grossen stil und betrügerischer absicht das motormanagement seiner kraftfahrzeuge und kommt praktisch ungestraft davon. alle staatlichen vor- und nachgeschaltenen kontrollinstanzen haben versagt und versagen noch immer. dieser flächendeckende betrug ist als bandenmässig einzuordnen und sollte als mafiöse struktur strafrechtlich verfolgt werden. wird aber nicht, weil ja die deutsche autoindustrie das rückgrad der deutschen industrie ist. mit so einem rückgrad kann sich niemand aufrecht fortbewegen.
DownStairs 15.09.2019
4. Ich hoffe einmal
das ist ein Witz! "... Andernfalls droht ein sofortiges Zwangsgeld von jeweils 25.000 Euro. Ignoriere Audi den Bescheid, werde die Typengenehmigung für die betroffenen Modelle entzogen..." Oder ist der Betrag pro Fahrzeug gedacht? Falls nicht duerfte das wohl nicht einmal ein Loch in die Portokasse bei Audi reissen.
mistarich 15.09.2019
5. Seit eineinhalb Jahren
ist die Frist abgelaufen, warum greift der Staat nicht durch? Wer triggert eine Dienstaufsichtsbeschwerde? Wo ist das staatliche Controlling?
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