Trotz heftiger interner Kritik Stadler soll vorerst Audi-Chef bleiben

Auf einer geheimen Telefonkonferenz übten VW-Aufseher heftige Kritik an Audi-Chef Rupert Stadler. Vorerst bleiben soll er nach SPIEGEL-Informationen dennoch - aus Kalkül.

Audi-Vorstandsvorsitzender Stadler
DPA

Audi-Vorstandsvorsitzender Stadler


Einflussreiche Aufsichtsräte des VW-Konzerns halten Audi-Chef Rupert Stadler für eine Fehlbesetzung. Dennoch soll der Manager an der Spitze der VW-Tochter bleiben. Zumindest vorerst.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 25/2017
Elbphilharmonie, G-20-Gipfel, Schanzenviertel - Comeback einer Metropole

Die Vorwürfe gegen Stadler sind vielfältig: Die Marke Audi Chart zeigen falle bei Absatz und Image immer weiter hinter Mercedes und BMW Chart zeigen zurück und im Dieselskandal gelinge es ihm nicht, die Aufklärung voranzubringen. Erst durch Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) erfuhren die Aufsichtsräte, dass Audi wegen einer "unzulässigen Abschalteinrichtungen" der Abgasreinigung 24 000 Autos zurückrufen muss.

Das Präsidium des VW-Aufsichtsrats stellte Stadler deshalb auf einer eilig einberufenen Telefonkonferenz am Dienstag vergangener Woche zur Rede. Die Kontrolleure kritisierten ihn heftig. Es gehe nicht an, dass man alles aus der Zeitung erfahre, so ein Kontrolleur. Dass Stadler den Verkehrsminister wegen dessen Rückruf öffentlich attackiert habe, sei völlig daneben.

Trotz der Kritik soll Stadler nach dem Willen des Aufsichtsrates die Konzernmarke noch ein paar Monate führen. Das Kalkül dahinter: Ein neuer Audi-Chef würde sofort beschädigt, wenn neue Vorwürfe bekannt würden. So ist etwa das Problem mit den viel zu klein dimensionierten AdBlue-Tanks zur Abgasreinigung bei Diesel-Fahrzeugen immer noch nicht abschließend gelöst.

Und auch die auffälligen Getriebe im Porsche Cayenne Diesel, die vom Kraftfahrbundesamt (KBA) untersucht werden, weil es sich bei ihren Schaltprogrammen womöglich um eine illegale Abschalteinrichtung handeln könnte, stammen aus dem Hause Audi. "Das hat Stadler zu verantworten, und dafür soll er noch seinen Kopf hinhalten", sagt ein Aufsichtsrat.

Kein Verständnis haben wichtige Kontrolleure auch dafür, dass Stadler vergangene Woche auf einer Uno-Konferenz in Genf einen Vortrag über künstliche Intelligenz hielt. Er solle lieber seine "Hausaufgaben" machen, mäkelten sie.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.

fdo, gt, haw



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.