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06. Februar 2018, 09:06 Uhr

Razzia in Ingolstadt

Staatsanwaltschaft durchsucht Audi-Zentrale

Wegen des Abgasskandals haben Strafverfolger die Zentrale und ein Werk der VW-Tochter Audi durchkämmt. Der Autokonzern soll bei Fahrzeugen die Abgasreinigung manipuliert haben.

Die Staatsanwaltschaft München II hat im Zuge des Abgasskandals den Firmensitz und ein Werk des Autobauers Audi durchsuchen lassen. 18 Staatsanwälte sowie zahlreiche Beamte des Bayerischen Landeskriminalamtes und des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg seien im Einsatz, teilte eine Behördensprecherin mit. Auch eine Privatwohnung in Baden-Württemberg sei durchkämmt worden.

Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, Audi habe die Abgaswerte bei seinen Dreiliter-Dieselmotoren V6 mit technischen Vorrichtungen manipuliert. Im Straßenbetrieb soll die Abgasreinigung weitgehend ausgeschaltet worden sein. Nur auf dem Prüfstand - bei offiziellen der Prüfdienste - soll sie funktioniert haben.

Bereits im März 2017 hatten Ermittler - in einer spektakulären Aktion während der Jahres-Pressekonferenz von Audi-Chef Rupert Stadler - wegen der Abgasaffäre die Audi-Zentrale durchsucht. Vergangene Woche ließ die Staatsanwaltschaft zudem Privaträume von Audi-Mitarbeitern in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz durchkämmen.

Betroffen sind laut Staatsanwaltschaft Autos, die seit 2009 auf dem europäischen und dem US-amerikanischen Markt ausgeliefert wurden. Der Tatverdacht des Betrugs und der strafbaren Werbung trifft laut Staatsanwaltschaft derzeit auf Dieselmotoren in mindestens 210.000 Fahrzeugen zu.

Zum Verkauf von manipulierten Diesel-Fahrzeugen auf dem US-Markt würden inzwischen 14 Personen als Beschuldigte geführt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Darunter seien aber keine aktuellen oder ehemaligen Audi-Vorstandsmitglieder. Gegen das noch unbekannte Audi-Vorstände führt die Staatsanwaltschaft aber ein Bußgeldverfahren.

Als einziger Beschuldigter im Zuge des Abgasskandals sitzt der ehemalige Chef der Audi-Motorenentwicklung und Porsche-Entwicklungsvorstand in Untersuchungshaft. Er wurde im September 2017 festgenommen. Eine Haftbeschwerde ist derzeit beim Oberlandesgericht München anhängig. Einer seiner früheren Mitarbeiter bei Audi in Neckarsulm war nach mehreren Monaten Untersuchungshaft im November 2017 wieder freigekommen.

Ein Audi-Sprecher sagte, auch im Vorstandsbereich werde durchsucht. Details nannte er nicht. Audi kooperiere mit den Ermittlern und stelle Daten zur Verfügung.

apr/dpa/Reuters

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