Auf Druck der EU Großbank ING spaltet sich selbst auf

Das niederländische Finanzunternehmen ING teilt sich in zwei Teile: Banken- und Versicherungsgeschäft sollen künftig eigenständig sein. Damit erfüllt ING eine Forderung der EU-Kommission - der Konzern musste zuvor mit staatlichen Milliarden gerettet werden.

ING-Zentrale in Amsterdam: Die Nachricht vom Konzernumbau lies den Kurs fallen
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ING-Zentrale in Amsterdam: Die Nachricht vom Konzernumbau lies den Kurs fallen


Amsterdam - Die niederländische ING musste auf Staatshilfe zurückgreifen - und geriet so in den Fokus der Europäischen Kommission, die das Finanzunternehmen zum Konzernumbau aufforderte. Dem kommen die Banker nun nach: ING Chart zeigen werde in eine Bank- und eine Versicherungssparte gesplittet, erklärte das Institut am Montag. Bis 2013 will sich das Geldhaus damit in einem tiefgreifenden Umbau in eine kleinere Bank mit europäischem Fokus wandeln und das Versicherungsgeschäft abstoßen.

Gemessen an der Bilanzsumme wird ING nach dem Umbau rund ein Drittel kleiner sein als vor seiner Rettung durch die Regierung im Oktober 2008. Die Hälfte der zehn Milliarden Euro Staatshilfen will ING zudem vorzeitig zurückzahlen und dafür sein Kapital um 7,5 Milliarden Euro aufstocken. ING Chart zeigen-Aktien reagierten zunächst mit Abschlägen von mehr als acht Prozent.

Die Neuordnung bei ING ist damit das bislang gravierendste Beispiel einer neuen Kontrolle der Banken durch die EU-Kommission nach den Versäumnissen der Branche in der Wirtschafts- und Finanzkrise. Ein Rettungsplan für die Commerzbank Chart zeigenhatte im Frühjahr von der EU-Behörde grünes Licht bekommen. Voraussetzung ist der Abstoß von rund 45 Prozent der Bilanzsumme.

Die Ausgliederung der Versicherungsgeschäfte soll nun mittels Börsengängen oder Verkäufen geschehen und bis in vier Jahren abgeschlossen sein. ING-Chef Jan Hommen sagte, es wäre "ziemlich interessant", das internationale Versicherungsgeschäft als Ganzes in einem Börsengang zu verkaufen. In jedem Fall hoffe er auf den Beginn des Verkaufsprozesses im kommenden Jahr. Einige Hypothekengeschäfte in den Niederlanden sollen zudem in eine neue Firma mit rund sechs Prozent Marktanteil eingebracht werden.

Der Konzern, der in Deutschland mit seiner Direktbank-Tochter Diba vertreten ist, setzt damit für viele Experten überraschend schnell die EU-Vorgaben um. Analysten hatten im Prinzip mit einer Aufspaltung von ING gerechnet, allerdings erst in mehreren Jahren. Der Konzern hat bereits das Management für das Banken- und Versicherungsgeschäft voneinander getrennt. Experten begrüßten den Schritt. "Ich denke, die Aufteilung der Vermögenswerte ist ein guter Schritt, um mehr Klarheit bei ING als Finanzinstitut zu schaffen", sagte Paul Beijsens, Analyst bei Theodoor Gilissen.

Wie von der EU-Kommission gefordert, wird ING den Angaben nach auch sein Online-Bankgeschäft in den USA, ING Direct USA, verkaufen. Details zu der geplanten Kapitalerhöhung will ING nach einem außerordentlichen Aktionärstreffen am 25. November bekanntgeben.

ore/Reuters/AFP



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