Aufsichtsratsvorsitz Ramsauers Vertrauter wird Chefaufseher der Bahn

Die quälende Suche nach einem neuen Aufsichtsratschef für die Deutsche Bahn ist beendet: Der Posten geht nach SPIEGEL-Informationen an den früheren Degussa-Chef Utz-Hellmuth Felcht - einen alten Vertrauten von Verkehrsminister Ramsauer.

Ex-Degussa-Chef Utz-Hellmuth Felcht: Künftiger Bahn-Chefkontrolleur
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Ex-Degussa-Chef Utz-Hellmuth Felcht: Künftiger Bahn-Chefkontrolleur

Von Wolfgang Reuter


Berlin - Die Deutsche Bahn handelte sich eine Abfuhr nach der anderen ein: Bei der Suche nach einem neuen Aufsichtsratschef wurde und wurde der Staatskonzern lange nicht fündig. Nun bestätigte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU): der ehemalige Degussa-Manager Utz-Hellmuth Felcht wird neuer Chefaufseher.

Der studierte Chemiker Felcht war in den neunziger Jahren Vorstand bei Hoechst, später leitete er den Chemiekonzern Degussa Chart zeigen. Zwischenzeitlich arbeitete er auch für die bayerische SKW Trostberg AG. Aus dieser Zeit ist er mit Ramsauer bekannt.

Neben Felcht gab es eine ganze Reihe weiterer Bewerber, unter anderem RWE-Chef Jürgen Großmann, der bereits im Bahn-Aufsichtsrat sitzt. Allerdings reagierte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) darauf äußerst zurückhaltend: Großmann gilt als guter Freund von Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD).

Klares Nein von BASF-Chef Hambrecht

Im Gespräch war bis zuletzt Heinrich Weiss, der Chef des Anlagenbauers SMS. Gehandelt wurde außerdem Hans-Peter Keitel, Chef des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI). Er aber war früher Chef des Baukonzerns Hochtief Chart zeigen - und die Bauindustrie ist der größte Auftragnehmer der Bahn. Interessenkonflikte wären also programmiert gewesen. Als chancenreicher Bewerber galt auch der Ex-Metro-Chef Hans-Joachim Körber. Auch über Bernd Pischetsrieder, Ex-Chef von VW, wurde nachgedacht.

Ein klares Nein kam indes von Jürgen Hambrecht. Der BASF-Vorstandsvorsitzende habe erklärt, dass er für den Posten des Bahn-Aufsichtsratschefs nicht zur Verfügung stehe, hieß es am Mittwoch in Regierungskreisen.

Die Neubesetzung des Aufsichtsratschefposten bei der Bahn wird nötig, weil der Vertrag von Werner Müller an der Spitze des Kontrollgremiums nicht verlängert wurde. Müllers Mandat läuft bis zur Hauptversammlung am 24. März.

Mit Felcht wechselt ein Intimfeind Müllers in dessen Position. 2006 hatte Müller, damals Vorstand der RAG, offenbar die Absetzung Felchts als Chef der zuvor von der RAG übernommenen Degussa AG betrieben. Die beiden hatten sich wegen unterschiedlicher Vorstellungen über die Zukunft von Degussa sowohl in der Öffentlichkeit als auch hinter den Kulissen eine regelrechte Fehde geliefert.



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EineStimme, 31.05.2009
1. Kein Börsengang
Das die Bahn marktwirtschaftlich geführt wird, dagegen ist nichts einzuwenden. Die Bahn ist aber mehr als nur ein Transportunternehmen, sie ist auch ein wichtiger Teil der Infrastruktur. Eine Privatisierung würde viele Regionen von dem Bahnnetz abkoppeln. Dies kann sich Deutschland nicht leisten.
OlafKoeln, 31.05.2009
2. Nein !
Zitat von EineStimmeDas die Bahn marktwirtschaftlich geführt wird, dagegen ist nichts einzuwenden. Die Bahn ist aber mehr als nur ein Transportunternehmen, sie ist auch ein wichtiger Teil der Infrastruktur. Eine Privatisierung würde viele Regionen von dem Bahnnetz abkoppeln. Dies kann sich Deutschland nicht leisten.
Falsch! Die Bahn darf (und kann) nicht marktwirtschaftlich geführt werden - weil sie defacto eine Monopolstellung hat (auf Grund Schienennetz etc.). Die Bahn muß wirtschaftlich geführt werden - Ja, wenn das nicht heißt, dass sie eine Gewinnmaximierung betreibt. Die Bahn hat vor allen Dingen einen gesamtgesellschaftliche Auftrag. Der ist nicht immer direkt verrechenbar, aber unbedingt notwendig. Aus dem Grund ist ein Börsengang unbedingt abzulehnen. Den Aktionären wird - aus nachvollziehbaren Gründen - alle Aufgaben, die nicht direkt abrechenbar sind bzw. Aufgaben, welche abrechenbar sind, aber keinen Gewinn abwerfen - herzlich egal sein. Wie weltweit an unzähligen Beispielen nachvollziehbar hat eine Privatisierung eines staatlichen Bahnunternehmens NIE zu Vorteilen für das Gemeinwesen (und der Bahn selber) geführt. Man schaue sich nur den Zustand der Bahn in den USA oder in GB an - das sollte Warnung genug sein.
huebi, 31.05.2009
3. Shareholdervalue
Der SHV wirds schon richten. Die Schweinetransporter ... sorry... Pendlerzüge werden noch weniger attraktiv, gleichzeitig natürlich teurer. Am besten gleich die ganzen Sitze raus, passen noch mehr Sardinen rein. Fokussierung nur noch auf Strecken mit mehr als 25% Rendite, alles andere nur noch Alibistrecken. Die Bahn ist volkswirtschaftlich zu führen, nicht marktwirtschaftlich.
joselito 31.05.2009
4.
Zitat von OlafKoelnFalsch! Die Bahn darf (und kann) nicht marktwirtschaftlich geführt werden - weil sie defacto eine Monopolstellung hat (auf Grund Schienennetz etc.). Die Bahn muß wirtschaftlich geführt werden - Ja, wenn das nicht heißt, dass sie eine Gewinnmaximierung betreibt. Die Bahn hat vor allen Dingen einen gesamtgesellschaftliche Auftrag. Der ist nicht immer direkt verrechenbar, aber unbedingt notwendig. Aus dem Grund ist ein Börsengang unbedingt abzulehnen. Den Aktionären wird - aus nachvollziehbaren Gründen - alle Aufgaben, die nicht direkt abrechenbar sind bzw. Aufgaben, welche abrechenbar sind, aber keinen Gewinn abwerfen - herzlich egal sein. Wie weltweit an unzähligen Beispielen nachvollziehbar hat eine Privatisierung eines staatlichen Bahnunternehmens NIE zu Vorteilen für das Gemeinwesen (und der Bahn selber) geführt. Man schaue sich nur den Zustand der Bahn in den USA oder in GB an - das sollte Warnung genug sein.
die Diskussion kann hiermit beendet werden, "OlafKoeln" hat alles (richtig) gesagt. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen !
Gast100100, 31.05.2009
5.
Zitat von OlafKoelnFalsch! Die Bahn darf (und kann) nicht marktwirtschaftlich geführt werden - weil sie defacto eine Monopolstellung hat (auf Grund Schienennetz etc.). Die Bahn muß wirtschaftlich geführt werden - Ja, wenn das nicht heißt, dass sie eine Gewinnmaximierung betreibt. Die Bahn hat vor allen Dingen einen gesamtgesellschaftliche Auftrag. Der ist nicht immer direkt verrechenbar, aber unbedingt notwendig. Aus dem Grund ist ein Börsengang unbedingt abzulehnen. Den Aktionären wird - aus nachvollziehbaren Gründen - alle Aufgaben, die nicht direkt abrechenbar sind bzw. Aufgaben, welche abrechenbar sind, aber keinen Gewinn abwerfen - herzlich egal sein. Wie weltweit an unzähligen Beispielen nachvollziehbar hat eine Privatisierung eines staatlichen Bahnunternehmens NIE zu Vorteilen für das Gemeinwesen (und der Bahn selber) geführt. Man schaue sich nur den Zustand der Bahn in den USA oder in GB an - das sollte Warnung genug sein.
Die Bahn hat keinen gesamtgesellschaftlichen Auftrag, sonst würde die Politik nicht so massiv jeden 7. Arbeitsplatz unterstützen wie in der Automobilindustrie (Siehe Opel). (...) Man schaue sich nur den Zustand der Bahn in Japan an - das sollte Vorbild genug sein.
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