Nächster Tiefschlag Aufträge an deutsche Industrie gehen deutlich zurück

Selbst Experten sind überrascht: Die deutsche Industrie verzeichnet einen Auftragseinbruch von 2,2 Prozent - statt der erwarteten 0,2. Besserung ist nicht in Sicht.

Porsche-Neuwagen in Sachsen: Industrie unter Druck
Jan Woitas/dpa

Porsche-Neuwagen in Sachsen: Industrie unter Druck


Es sieht nicht gut aus für die deutsche Industrie. Gerade erst hatten sich die Auftragseingänge nach einem deutlichen Rückgang zu Jahresbeginn ein klein wenig stabilisiert, da setzt es schon den nächsten Tiefschlag: 2,2 Prozent weniger Bestellungen sind im Mai im Vergleich zum Vormonat eingegangen. Das teilte das Statistische Bundesamt mit.

Der deutliche Rückgang überrascht auch die Experten, sie hatten für Mai nur ein leichtes Minus von durchschnittlich 0,2 Prozent erwartet. Nun sehen sie schwarz: Die Volkswirte der BayernLB etwa berichten, die Rahmenbedingungen für die Industrie hätten sich "spürbar verschlechtert". "Sofern nicht bald eine Erholung bei den Neubestellungen geschieht, werden die Unternehmen kaum umherkommen, ihre Produktion ebenfalls spürbar nach unten anzupassen."

Besonders stark litt die Nachfrage aus dem Ausland, speziell von außerhalb der Eurozone. Maschinen, Investitionsgüter, Autos - gerade in den für Deutschland wichtigen Branchen gab es weniger Aufträge als ursprünglich erwartet.

Die deutsche Industrie spürt seit fast einem Jahr scharfen Gegenwind. Erst vor wenigen Tagen ergab eine Umfrage des Ifo-Instituts, dass bereits 8,5 Prozent der befragten Industrieunternehmen in den kommenden drei Monaten mit Kurzarbeit rechnen. Die Gründe für den Niedergang sind vielfältig: Im vergangenen Jahr wurde etwa die Autoproduktion durch die Umstellung auf ein neues Abgasmessverfahren belastet.

Erschwerend hinzu kommen die von den USA ausgehenden Handelskonflikte. Die Nachfrage aus Schwellenländern wird durch den Handelsstreit zwischen den USA und China besonders belastet, weil viele Schwellenländer stark von der chinesischen Wirtschaft abhängen.

rai/dpa



insgesamt 40 Beiträge
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karlsiegfried 05.07.2019
1. Nicht unerwartet
Möge doch bitte niemand behaupten, er hätte das nicht geweusst oder erwartet. Nur ein Zweckoptimist kann an einen dauerehaften Aufschwing der deutschen oder eine randeren Wirtschaft glauben. Auch in China usw. wird der Aufschwung kein dauerhafter sein, sondern nur vorübergehender Natur.
rjb26 05.07.2019
2. 2,2%
sind ein Rückgang aber kein Einbruch. und Ja, der Wirtschafts Krieg der USA gegen Russland,China UND Europa spielt eine Rolle. Langfristig wird Europa und Deutschland verlieren sofern man dich hier weiter folgsam als Kolonie der USA verhält. Nur Europa inkl. Russland hat die Kraft sich ernsthaft gegenüber USA und China sufzustellen
kumi-ori 05.07.2019
3. Wundert mich nicht
Zumindest, was die Autoindustrie betrifft. Die Konzernlenker glauben immer noch, das den Kunden ihre kriminellen Abgasmanipulationen egal wären. Aber für einen Teil trifft das nicht zu. Bei der turnusmäßigen Neubestellung meines Dienstfahrzeugs versuchte ich, ein Modell einer nicht betroffenen Firma zu bekommen. Das wurde mir zwar nicht genehmigt, aber einige Kunden, die selbst entscheiden können, werden Audi & Co. den Rücken kehren.
r_saeckler 05.07.2019
4. Na ist doch prima!
Das wünschen sich doch unsere Kiddies, wenn sie voller Heroismus am Freitag Vormittag Schulschwän..., ach nee, pardon: Weltretten gehen: dass der Papa doch bitte auch mitmachen möge. Kann er wohl bald wenn er auf Kurzarbeit ist. Gibt dann weniger Taschengeld für die Kiddies (also: gelebter Verzicht zu Gunsten der Umwelt) und keinen Ferienflug nach Malle oder Teneriffa (dito), aber dafür mehr moralische Unterstützung beim Welt- und Klimaretten....
Testtubebaby 05.07.2019
5. selbstverschuldet
Der Qualitätsvorsprung, den Made in Germany mal geboten hat, ist so gut wie nicht mehr vorhanden, entsprechend werden die höheren Preise nicht mehr angenommen. Im Rahmen der Gewinnmaximierung die Verwendung von billigeren Materialien, oft China-Importe, Einsatz von Billigarbeitskräften, Outsourcing der Teileproduktion in Billigländer, wen wundert da der Niedergang der ehemals deutschen Qualitätsproduktion. Dazu kommt natürlich, daß die deutsche Autoindustrie ihren internationalen Ruf nachhaltig selbst beschädigt hat. Aber die USA ist ja mittlerweile ein gern gesehener Sündenbock. Vielleicht könnte man ab und zu auch mal in der eigenen Nase bohren.
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