Auftrag von Eurostar Frankreich stänkert gegen Siemens

Frankreichs Verkehrsminister attackiert Siemens: Er will verhindern, dass der deutsche Konzern Hochgeschwindigkeitszüge für die Strecke durch den Ärmelkanal liefert - und macht sich stattdessen für den heimischen Konkurrenten Alstom stark.
ICE im Eurotunnel: Probefahrten und Sicherheitstests laufen

ICE im Eurotunnel: Probefahrten und Sicherheitstests laufen

Foto: AP

Paris - Im Streit um die Bestellung von Siemens-Hochgeschwindigkeitszügen für den Eurotunnel-Verkehr ist nach Ansicht der französischen Regierung noch nicht das letzte Wort gesprochen. "Die Entscheidung, die Eurostar getroffen hat, ist null und nichtig", sagte Verkehrsminister Dominique Bussereau am Donnerstag im TV-Sender LCI. Er begründete dies mit Sicherheitsbedenken. Die Siemens-Züge seien nicht lang genug und könnten etwa bei Feuer ein Sicherheitsrisiko darstellen.

Siemens

Durch den Tunnel könnten nur Züge des französischen Herstellers Alstom fahren, so Bussereau. Ein Vertrag zwischen Eurostar, dem Betreiber der Züge durch den Tunnel, und könne erst unterschrieben werden, wenn die Sicherheitsbedingungen garantiert seien, hieß es aus dem Verkehrsministerium. Eine Prüfung dürfte ungefähr zwei Jahre dauern. Die Rettungsvorschriften sehen vor, dass Eurotunnel-Züge von vorne bis hinten zu durchlaufen sein müssen. Die modernen ICE, die ebenfalls von Siemens gebaut werden, sind aber in zwei Halbzüge unterteilt.

Eurostar hatte vor einer Woche angekündigt, zehn Hochgeschwindigkeitszüge bei Siemens   bestellen zu wollen. Die Entscheidung ist eine Niederlage für den französischen Konkurrenten Alstom, der bisher alle Eurostar-Züge lieferte. Die Details des Auftrags müssen noch ausgehandelt werden. Zudem will Eurostar auch die bisherigen 27 Züge modernisieren, die Paris und Brüssel auf der Strecke durch den Ärmelkanal mit London verbinden. Insgesamt sollen 700 Millionen Pfund (umgerechnet knapp 800 Millionen Euro) investiert werden.

Eurostar, eine Tochter der französischen Staatsbahn SNCF, hat bisher das Monopol auf den Transport von Passagieren durch den Eurotunnel. Doch die Betreibergesellschaft Eurotunnel, die für die Strecke und die Sicherheit zuständig ist, hatte kürzlich eine Lockerung der Auflagen angekündigt, um auch andere Anbieter zulassen zu können. Am Donnerstag war erstmals ein von Siemens gebauter ICE der Deutschen Bahn testweise in den Tunnel gefahren. Danach sagte Eurotunnel-Chef Jacques Gounon, er sei "überzeugt", dass der ICE 3 die Sicherheitstests bestehen werde. Die Deutsche Bahn will bis Ende 2013 eine eigene ICE-Verbindung nach London anbieten.

wit/AFP/Reuters