Auftragseingänge Industrie zeigt erste Anzeichen der Schwäche

Die Wirtschaft brummt, der Arbeitsmarkt ist leergefegt. Angesichts der Jubelmeldungen allerorten überrascht der Rückgang der Auftragseingänge im November. Besorgt sind die Konjunkturexperten trotzdem nicht.
Deutsche Industrie

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Foto: Christian Charisius/ dpa

Die deutsche Industrie hat im November einen unerwarteten Auftragsrückgang erlitten. Bei den Unternehmen gingen 0,4 Prozent weniger Bestellungen ein als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Das war der erste Rückgang nach zuvor drei Anstiegen in Folge. Von Reuters befragte Ökonomen waren von einem erneuten Plus von 0,5 Prozent ausgegangen.

Die Nachfrage aus dem Inland schrumpfte um 0,4 Prozent. Die Aufträge aus dem Ausland sanken sogar um 0,5 Prozent. Während dabei das Neugeschäft mit den Euroländern um 0,7 Prozent wuchs, fielen die Bestellungen aus dem Rest der Welt um 1,2 Prozent niedriger aus.

Weniger gefragt waren im November Investitionsgüter wie Maschinen und Fahrzeuge: Hier schrumpften die Aufträge um 2,3 Prozent. Bei Vorleistungen wie Chemikalien gab es dagegen einen Anstieg um 2,0 Prozent. Bei Konsumgütern nahmen die Bestellungen sogar um 3,2 Prozent zu.

Große Sorge löste die Nachricht bei den Analysten allerdings nicht aus. "Der leichte Rückgang der Aufträge im November ist kein Beinbruch. Insgesamt wird das vierte Quartal mit einem ordentlichen Plus abschneiden. Alles in allem bleibt die deutsche Wirtschaft auf Wachstumskurs", sagt Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. Die Dynamik habe im Vergleich zum dritten Quartal 2017 zwar abgenommen. Dies sei vor dem Hintergrund von gut ausgelasteten Kapazitäten aber kein Wunder.

"Es zeigt sich, dass das bereits kräftige Auftragswachstum trotz der guten Stimmung nicht so einfach steigerbar ist. Immerhin ist die Kapazitätsauslastung recht hoch", schätzt auch Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. Auf dem hohen Niveau sei das geringe Auftragsminus locker verkraftbar.

Sophia Krietenbrink vom DIHK verweist auf die wirtschaftliche Erholung in den anderen EU-Staaten. Ausgehend von den Rekordzahlen aus den Vormonaten sei der leichte Rückgang zu verkraften. "Zudem sind die Sorgen um Nachfrage aus dem In- und Ausland laut DIHK-Konjunkturumfrage so gering wie zuletzt vor sechs Jahren." Flaschenhals bei der Abarbeitung der Aufträge sei zunehmend der Fachkräftemangel, in dem mehr als jedes zweite Unternehmen in der Industrie ein Risiko für seine Geschäftsentwicklung sehe.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben den Namen Ulrike Carstens in Ulrike Kastens korrigiert.

mik/Reuters
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