Aussichten für 2015 So blicken Deutschlands Schlüsselbranchen aufs neue Jahr

Bremsen die Eurokrise und der Ukraine-Konflikt im kommenden Jahr die deutsche Wirtschaft? Die wichtigsten Industriebranchen sind für 2015 verhalten optimistisch, am skeptischsten sind die Exporteure.

Containerschiff in Hamburg: Sorge vor schwächelnden Exporten
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Containerschiff in Hamburg: Sorge vor schwächelnden Exporten


Frankfurt am Main/Köln - Das zu Ende gehende Jahr war geprägt von Krisen, Kriegen und Konflikten. Das hat auch die deutsche Wirtschaft zu spüren bekommen. Vor allem der Ukraine-Konflikt und die daraus folgenden Sanktionen gegen Russland machen vielen Branchen in Deutschland Sorgen. Hinzu kommt angesichts von Reformstau in Italien und Frankreich und anstehenden Neuwahlen in Griechenland die Furcht vor einem Wiederaufflammen der Eurokrise.

Vor allem Firmen, die stark vom Export abhängig sind, blicken skeptisch auf das neue Jahr. Die niedrigen Rohstoffpreise und der schwache Euro dürften zwar für Rückenwind sorgen, sagte der Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen (BGA), Anton Börner. "Gleichzeitig schauen wir mit Sorge in die weitere Zukunft. So doktern wir nach wie vor nur an den Symptomen der Eurozonen-Krise und kurieren nicht die Ursache." Vor allem Frankreich und Italien müssten ihren Reformkurs verstärken.

Börner warnte, Deutschland verliere bei den Ausfuhren im internationalen Vergleich an Boden. Der Anteil Deutschlands an den weltweiten Exporten sank laut BGA zwischen 2003 und 2013 von 9,9 auf 7,7 Prozent. Chinas Anteil habe sich hingegen auf 11,7 Prozent verdoppelt.

Insgesamt ist Deutschlands Industrie trotz Konjunkturflaute im Euroraum und weltweiter Krisen gut durch das Jahr 2014 gekommen. Die Aussichten sind zwar nicht überschwänglich. Insgesamt erwarten die großen Industriebranchen aber Wachstum, wie Umfragen bei den großen Verbänden zeigen.

Die Aussichten der wichtigsten Branchen im Überblick:

Schweißroboter in Porsche-Werk: Autobauer sind optimistisch
DPA

Schweißroboter in Porsche-Werk: Autobauer sind optimistisch

Für die deutsche Autoindustrie dürfte es auch 2015 aufwärtsgehen. Der Branchenverband VDA erwartet einen Produktionszuwachs von vier Prozent auf 15,3 Millionen Fahrzeuge. Dabei dürfte die Produktion im Ausland stärker zulegen als im Inland. "Die Lage ist besser als die Stimmung", sagt VDA-Präsident Matthias Wissmann. Beim Export sei mit einem Plus von zwei Prozent zu rechnen.

Schleifen von Rotorblättern: Reale Produktion dürfte steigen
imago

Schleifen von Rotorblättern: Reale Produktion dürfte steigen

Die Firmen der deutschen Maschinenbaubranche steuern trotz der Sanktionen gegen Russland auf ein weiteres Rekordjahr zu. Der Branchenverband VDMA geht davon aus, dass die reale Produktion um zwei Prozent steigen wird. "Unser Produktionswert könnte also im kommenden Jahr erstmals die Schwelle von 200 Milliarden Euro überschreiten", sagt VDMA-Präsident Reinhold Festge. Schon 2014 übertraf der Maschinenbau mit mehr als einer Million Beschäftigten sowohl beim Umsatz als auch in der Produktion die bisherigen Rekordmarken von 2008.

Chemiewerk: Branche hofft auf gute Geschäfte in den USA
imago

Chemiewerk: Branche hofft auf gute Geschäfte in den USA

Die Chemiebranche hofft auf die wirtschaftliche Stabilisierung der Eurozone und weiterhin gute Geschäfte in den USA. Erwartet werden 196,5 Milliarden Euro Umsatz, rund 1,5 Prozent mehr als 2014. Im laufenden Jahr setzte die deutsche Chemieindustrie ihr langsames, aber stetiges Wachstum fort und erzielte den fünften Umsatzrekord in Folge.

Roboter auf der Hannover Messe 2014: Mehr Bestellungen in Elektroindustrie
REUTERS

Roboter auf der Hannover Messe 2014: Mehr Bestellungen in Elektroindustrie

Die deutsche Elektroindustrie hat ihre Prognose für 2015 noch nicht vorgelegt. Die Auftragseingänge als Indikator künftiger Geschäfte deuteten zuletzt aber auf eine leichte Belebung hin: Von Januar bis Oktober gingen bei den Betrieben mit insgesamt knapp 846.000 Beschäftigten 0,6 Prozent mehr Bestellungen ein als im Vorjahr. Produktion und Umsatz lagen je 2,6 Prozent über Vorjahr, das Geschäftsklima stieg im November wieder leicht. Im Exportgeschäft meldete die Branche für Oktober gar ein monatliches Allzeithoch.

Kräne auf einer Baustelle in Leipzig: Mehr Umsatz erwartet
DPA

Kräne auf einer Baustelle in Leipzig: Mehr Umsatz erwartet

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie rechnet mit steigenden Umsätzen. Allerdings dürfe die Dynamik etwas nachlassen. 2014 habe die Hochkonjunktur im Wohnungsbau der Baubranche ein gutes Jahr und ein Umsatzplus von voraussichtlich 4,0 bis 4,5 Prozent auf gut 99 Milliarden Euro beschert.

Bankenviertel in Frankfurt am Main: Niedriger Leitzins lastet auf den Banken
REUTERS

Bankenviertel in Frankfurt am Main: Niedriger Leitzins lastet auf den Banken

Bei Versicherungen und Banken sind die Aussichten für das kommende Jahr eher zurückhaltend, ergab eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Gründe hierfür seien die weiterhin geringen Investitionen in Deutschland, der extrem niedrige Leitzins und die schärferen gesetzlichen Regulierungen.

mmq/dpa



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
18610 29.12.2014
1. Kaffeesatz ist aussagekräftiger....
Und am Ende des nächsten Jahres lesen wir dann wieder, warum die ach so treffsicheren Prognosen eben doch nicht so eingetroffen sind. Oder gab es von irgendeinem Experten schon mal drei aufeinander folgende Vorhersagen die tatsächlich eingetroffen sind? Das lustige an Prognosen ist eben, dass sie theoretisch so kommen könnten, aber durch den so unberechenbaren Faktor Mensch letztlich nur eine von vielen Möglichkeiten. Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Viel Spaß weiterhin und alles ned so wichtig nehmen. Insb
18610 29.12.2014
2. Kaffeesatz ist aussagekräftiger....
Und am Ende des nächsten Jahres lesen wir dann wieder, warum die ach so treffsicheren Prognosen eben doch nicht so eingetroffen sind. Oder gab es von irgendeinem Experten schon mal drei aufeinander folgende Vorhersagen die tatsächlich eingetroffen sind? Das lustige an Prognosen ist eben, dass sie theoretisch so kommen könnten, aber durch den so unberechenbaren Faktor Mensch letztlich nur eine von vielen Möglichkeiten. Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Viel Spaß weiterhin und alles ned so wichtig nehmen. Insbesondere sich selbst nicht.
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