Ausländische Airlines Deutschland verbietet Verkauf von billigen Flugtickets

Deutschland untersagt mehreren ausländischen Fluggesellschaften den Verkauf besonders preiswerter Tickets. Das geht aus einem Schreiben des Bundesamts für Güterverkehr an die Airline Emirates hervor. Der Lufthansa kommt die Maßnahme sehr gelegen.

Emirates: Die Fluglinie hat auch Dutzende Exemplare des Großraumfliegers A380 bestellt
REUTERS

Emirates: Die Fluglinie hat auch Dutzende Exemplare des Großraumfliegers A380 bestellt


Frankfurt am Main - Rückschlag für mehrere ausländische Airlines: Deutschland hat ihnen den Verkauf von sehr preiswerten Tickets verboten. Betroffen sind bestimmte Strecken zwischen Deutschland und Flughäfen außerhalb der EU. Dies geht aus einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Schreiben des Bundesamts für Güterverkehr an die Fluggesellschaft Emirates hervor.

"Ich muss Sie um Verständnis bitten, dass Emirates wie auch andere Nicht-EU-Luftfahrtunternehmen keine Preisführerschaft auf den genannten Relationen ex Deutschland wahrnehmen können", heißt es in dem Schreiben. Das Amt beruft sich dabei auf bilaterale Luftverkehrsabkommen.

Die Preishoheit auf bestimmten Strecken zwischen Deutschland und Nicht-EU-Zielen solle "vornehmlich den designierten Luftfahrtunternehmen einschließlich den Luftfahrtunternehmen aus den EU-Mitgliedstaaten vorbehalten sein", heißt es in dem Brief des Präsidenten des Amtes, Andreas Marquardt, weiter. Das Amt greife ein, wenn es eine "Marktstörung" sehe. Das Vorgehen richte sich nicht allein gegen Emirates, auch andere Airlines seien aufgefordert worden, ihre Tarife vom Markt zu nehmen.

Emirates kritisiert Entscheidung scharf

Ein Sprecher des Verkehrsministeriums, mit dem das Schreiben abgestimmt ist, bestätigte den Vorgang. Das Amt habe die Aufgabe, mit Stichproben die Preisführerschaft im Luftverkehr zu untersuchen. Hintergrund sei das öffentliche Verkehrsinteresse. Der Sprecher konnte nicht sagen, ob schon früher Fluggesellschaften zu höheren Preisen gezwungen worden sind. Auch nannte das Ministerium die Namen der übrigen betroffenen Airlines nicht.

Bei Emirates stieß das Vorgehen auf scharfe Kritik: "Keiner der anderen sieben EU-Staaten, in die Emirates fliegt, hat derartige eingrenzende Bestimmungen", heißt es in einem Beschwerdeschreiben an das Amt. Die Fluggesellschaft kündigte zudem an, die Europäische Kommission einzuschalten, um Verstöße gegen den Wettbewerb und den Schutz der Verbraucherinteressen prüfen zu lassen.

Hauptprofiteur der Entscheidung des Amtes dürfte die Lufthansa Chart zeigen sein, die sich derzeit massiv dem Wettbewerb von Billigfliegern und neuen Gesellschaften vor allem aus dem arabischen Raum ausgesetzt sieht.

böl/dpa-AFX

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Seite 1
key_art 17.11.2009
1.
Zitat von sysopDie Lufthansa will mit beim Service für Fluggäste in Europa massiv Kosten einsparen. Reichlich Inspiration dafür bieten Billigflieger - und andere Fluglinien, die von ihnen gelernt haben. Fliegen wir bald alle nur noch auf Sparkurs?
Ganz bestimmt nicht alle. Aber die allermeisten schon. Die Entwicklung reflektiert doch den gesellschaftlichen Trend: eine wachende Kluft zwischen Arm und Reich. Eine Vierklassengesellschaft: die Milliardäre mit eigenem Jet, die Millionäre in First Class, diejenigen, die für die ersten zwei erfolgreich tätig sind, noch zum Teil in Business Class, die wahrscheinlich früher oder später ganz abgeschafft wird, der Rest eingepfercht in der Holzklasse, die immer unbequemer und enger wird. Als sei sie nicht schon längst eng genug ... Kein Wunder, dass Übergewicht geächtet wird, wenn jedes Kilo zählt ...
finalefurioso 17.11.2009
2. Die Frage ist doch WARUM wir auf Kurzstreckenflüge angewiesen sind.
Für meine regelmäßigen Reisen zwischen Paris und Berlin habe ich die Auswahl zwischen vier Firmen: die beiden Klassiker Air France und Lufthansa sowie die "billigen" newcomer Airberlin und Easyjet. Gemeinsamkeit aller: ich komme genauso flott ans Ziel, egal mit wem. Unkomfortabel sind sie alle. Ansonsten geht es um Details beim Service: durchschnittlich besser schneiden dabei die renommierten Gesellschaften ab. Bei den Billigheimern muß man halt damit rechnen, daß man im strömenden Regen versucht, irgendwie sein Flugzeug zu erreichen und daß man das nötige Kleingeld dabei haben sollte, um etwas zu essen zu bekommen. Wer letztendlich die beste Reisemöglichkeit darstellt, ist nicht nur völlig subjektiv. In Anbetracht der Tatsache, daß man vielleicht 2 Stunden Zeit hat, um über kostenlosen Whiskey, Höflichkeit, Schönheit der Stewardessen oder ähnliche Belanglosigkeiten zu philosophieren, komme ich zu dem Schluß, daß es völlig Wurscht ist, mit wem man unterwegs ist. Die Frage ist doch WARUM wir auf Kurzstreckenflüge angewiesen sind. Und das liegt, glaube ich, an der Inkompetenz der Bahn und der mangelnden Bereitschaft von der deutschen und europäischen Politik, jetzt endlich mal ein vernünftiges Bahnsystem anzubieten. Wenn ich mit der Bahn von Paris ins Herzen von London in 2h15 komme, lohnt sich der Flieger nicht. Wenn ein direkter TGV die knapp 1000km von Marseille nach Paris non-stop unter 3h meistert, dann sieht das ähnlich aus. Nun liegen die Haupstädte von Frankreich und Deutschland in etwa gleich entfernt auseinander. Eine Strecke, die theoretisch in 3 Stunden mit der Bahn zu fahren ist, dauert in der Realität knappe 10 Stunden. Nicht nur, daß man in Köln umsteigen muß, diese Züge tuckeln mit geringen Geschwindigkeiten von Wasserpumpe zu Wasserpumpe. Warum müssen Züge zwischen München und Hamburg anhalten? Warum kann Stuttgart - Berlin nicht non-stop mit 300 km/h gefahren werden? Die Antworten liegen in Berlin und Brüssel. Bis diese beantwortet werden, muß man sich leider in einen engen Flieger zwängen. Aber langsam tut sich zum Glück was: Stuttgart - Paris ist im Zug inzwischen schneller, als mit dem Flugzeug.
renard450 17.11.2009
3. Und was ist daran neu ?
Was heißt hier, die Lufthansa will weniger Platz für die Passagiere anbieten ? Das tut sie doch schon. Bei meinen letzten LH-Flügen musste man mir als 1.92m Mann aus dem Sitz helfen, weil meine Beine völlig verkrampft waren. Frage an die Flugbegleiterin: "Was kann ich tun, um eventuell einen bequemeren Sitz zu bekommen ?" Antwort: "Business fliegen !" Die LH ist das Vorbild von Ryanair und nicht umgekehrt.
nemansisab, 17.11.2009
4. Zu gewöhnlich
Zitat von sysopDie Lufthansa will mit beim Service für Fluggäste in Europa massiv Kosten einsparen. Reichlich Inspiration dafür bieten Billigflieger - und andere Fluglinien, die von ihnen gelernt haben. Fliegen wir bald alle nur noch auf Sparkurs?
Dann kann werde ich mit Sicherheit nicht mehr fliegen. Billigflieger habe ich bislang wenig benutzt und habe sie in keiner guten Erinnerung behalten. Es ist wie bei McDoof, nur in der Luft halt... Jede Vorfreude und Exklusivität ist dahin. Ein echter Grund, für Europareisen wieder das gute alte Automobil zu benutzen. Wenn ich mit meinem BMW im Stau stehe, stehe ich wenigstens mit Niveau......
Sveto 17.11.2009
5. ?
Zitat von sysopDie Lufthansa will mit beim Service für Fluggäste in Europa massiv Kosten einsparen. Reichlich Inspiration dafür bieten Billigflieger - und andere Fluglinien, die von ihnen gelernt haben. Fliegen wir bald alle nur noch auf Sparkurs?
Air Berlin bietet innerdeutsch schon heute deutlich mehr Service und Komfort als Lufthansa (außer man bucht dort nicht "nur" Economy Flex, sondern Business). Auch auf meiner Hausstrecke nach Moskau sind S7 (Sibir) und Air Berlin besser... Lufthansa ist eigentlich nur bei der Zahl der Verbindungen (und damit der Flexibilität) überlegen, weshalb man sie eben ab und an benutzen muss, um nicht zuviel Zeit zu verlieren (außerdem will man ja seinen Status aufrechterhalten, so dass man ausreichend "Pflichtflüge" absolvieren muss, um Statusmeilen zu sammeln). Wo will denn Lufthansa eigentlich noch am Service sparen?
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