Nach kriegsbedingtem Einbruch Deutsche Exporte erholen sich überraschend stark

Der deutsche Außenhandel berappelt sich trotz der Verwerfungen durch den Krieg in der Ukraine. Doch viele deutsche Unternehmen leiden weiter – unter dem Lockdown in China.
Autos für den Export in die USA (Foto aus Bremerhaven, 2017)

Autos für den Export in die USA (Foto aus Bremerhaven, 2017)

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Ingo Wagner / DPA

Den Titel Exportweltmeister hat Deutschland schon vor Jahren verloren, und nach Russlands Überfall auf die Ukraine brach das internationale Geschäft deutscher Firmen ein. Inzwischen haben sich die Ausfuhren aber überraschend stark erholt.

Sie wuchsen im April wegen gut laufender Geschäfte mit den USA und den Euroländern im Vergleich zum Vormonat um 4,4 Prozent auf 126,4 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Fachleute hatten lediglich mit einem Anstieg von 1,5 Prozent gerechnet, nachdem es im März noch einen saison- und kalenderbereinigten Rückgang von 3,0 Prozent gegeben hatte. Die Importe legten diesmal mit 3,1 Prozent ebenfalls weitaus stärker zu als erwartet, nach einem Plus von 3,2 Prozent im Vormonat.

Die Ausfuhren nach Russland gingen im April wegen der Sanktionen gegen das Putin-Regime und anderer Maßnahmen zur Exportbeschränkung um 10,0 Prozent zurück. Damit umfassten sie nur noch 0,8 Milliarden Euro. Die Importe aus Russland sanken um 16,4 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Deutschland importiert von dort vor allem Öl und Erdgas.

Die deutschen Ausfuhren in die EU-Mitgliedstaaten legten im April um 4,2 Prozent zu, die in die Euroländer sogar um 5,9 Prozent. Exporte zum wichtigsten Kunden USA stiegen um 7,7 Prozent zu, während die nach China um 4,5 Prozent fielen.

In der Volksrepublik machen die strikten Coronamaßnahmen vielen Unternehmen in Deutschland zu schaffen . Laut einer Umfrage des Ifo-Instituts spüren das besonders diejenigen, die ohnehin unter Materialmangel leiden. »Branchen wie die Automobilindustrie, Chemie, Maschinenbau oder elektrische Ausrüstungen, die eng mit der chinesischen Wirtschaft verflochten sind, sind am stärksten betroffen«, sagt Lisandra Flach, Leiterin des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft.

Insgesamt hat sich die Stimmung unter den deutschen Exporteuren laut einer Umfrage des Ifo-Instituts im Mai bereits den zweiten Monat in Folge aufgehellt. »Die deutsche Industrie bleibt aber vorsichtig«, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. »Logistikprobleme stellen weiterhin eine große Belastung dar.«

apr/Reuters
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