Aussichten für 2012 Deutsche Wirtschaft trotzt der Krise

Der Euro kriselt, die Konjunktur schwächelt weltweit, die wirtschaftlichen Aussichten für 2012 sind also trübe. Eigentlich. Denn die deutschen Unternehmen lassen sich nicht erschüttern: Die meisten Branchen erwarten ein erfolgreiches Jahr. Einzig die Banker sehen schwarz.
Baustelle im Frankfurter Bankenviertel: Handwerk robust, Banken mit Angst

Baustelle im Frankfurter Bankenviertel: Handwerk robust, Banken mit Angst

Foto: dapd

Köln/Berlin/Frankfurt am Main - Die deutsche Wirtschaft zeigt Selbstvertrauen: Obwohl die Schuldenkrise im Euro-Raum schwelt und die Konjunktur weltweit schwächelt, erwarten die meisten Branchen für das kommende Jahr bessere Ergebnisse als 2011. Laut einer Umfrage des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) gehen 26 von 46 befragten Verbänden von leicht steigenden Umsätzen oder höherer Produktion aus. Neun Branchen rechnen mit stabilen Umsätzen, die restlichen elf mit einem Rückgang. Und eine Branche blickt ausgesprochen pessimistisch nach vorne - die Banken.

Völlig unbeeindruckt von den Rahmenbedingungen sind die deutschen Unternehmen trotz grundsätzlicher Zuversicht allerdings nicht. Die Hälfte der Branchenverbände gab an, die Stimmung in ihren Mitgliedsunternehmen sei derzeit schlechter als vor einem Jahr. IW-Direktor Michael Hüther machte dafür das Abflauen der Weltkonjunktur und die Ungewissheit über die Folgen der Schuldenkrise verantwortlich. "Dennoch präsentieren sich viele Branchen in guter Verfassung und erwarten ein positives Jahr 2012", sagte Hüther.

Banken befürchten Schlimmes

Auch für den Arbeitsmarkt erwartet die Wirtschaft keine negativen Folgen der konjunkturellen Flaute. Die große Mehrheit von 31 Verbänden rechnet mit gleichbleibenden Beschäftigungszahlen, acht befürchten, Stellen kürzen zu müssen. Sieben Branchen wollen sogar Jobs schaffen, dazu zählen Hightech-Sektoren wie der Maschinen- und Anlagenbau sowie die Luft- und Raumfahrtindustrie. Auch im Handwerk können die Betriebe laut IW mit einem Umsatzwachstum von bis zu zwei Prozent rechnen.

Bei den Banken ist die Stimmung laut der IW-Umfrage dagegen ausgesprochen schlecht - sie erwarten für das kommende Jahr auch Arbeitsplatzverluste. Die Finanzwirtschaft ist direkt von der Schuldenkrise im Euro-Raum betroffen, die Unsicherheit in der Branche ohnehin schon hoch. Am Dienstag stiegen die Einlagen der Geldinstitute bei der Europäischen Zentralbank (EZB) auf einen neuen Rekordwert von fast 412 Milliarden Euro. Das Misstrauen untereinander ist bei den Banken also so ausgeprägt, dass sie ihr Geld lieber zu Niedrigstzinsen bei der EZB anlegen als es sich gegenseitig zu leihen.

Wirtschaftsweiser rechnet nicht mit Rezession

Doch selbst einige Geldinstitute sind für 2012 zuversichtlich: Die Volksbanken erwarten in etwa gleich gute Geschäfte wie in diesem Jahr und gehen auch von gleichbleibender Beschäftigtenzahl aus.

Mit ihrem Optimismus bestätigen die deutschen Unternehmen die Einschätzung führender Ökonomen. So rechnet etwa der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, laut dem "Handelsblatt" im kommenden Jahr zwar nur noch mit einem Mini-Wachstum von 0,5 Prozent, eine Rezession befürchtet er allerdings nicht. Die Unternehmen seien gesund und zuversichtlich, die Kapazitäten der Industrie besser ausgelastet als im langjährigen Durchschnitt.

Auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hält die Lage trotz der schwierigen Rahmenbedingungen für unproblematisch. "Unsere Wirtschaft zeigt sich ausgesprochen robust, auch wenn das wirtschaftliche Umfeld sowohl auf internationaler als auch auf europäischer Ebene schwieriger geworden ist", sagte Rösler dem "Handelsblatt". Die Binnenkonjunktur stütze das Wachstum immer mehr, auch dadurch sei die deutsche Wirtschaft bestens für das schwierige Winterhalbjahr gerüstet.

fdi/dpa/Reuters
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