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26. April 2012, 21:27 Uhr

"Todeswetten"

Ausstieg kostet Deutsche Bank 40 Millionen Euro

Der Ausstieg aus einer ethisch zweifelhaften Geschäftsidee wird für die Deutsche Bank teuer: Nach heftiger Kritik wollen Anleger nun ihr Geld vorzeitig aus einem Fonds abziehen, der auf die Lebensdauer von Menschen wettet - das Finanzinstitut rechnet mit 40 Millionen Euro Kosten.

Frankfurt - Die Kritik war heftig - und hat finanzielle Konsequenzen: Die Abkehr von dem umstrittenen Fonds "db Kompass Life 3" zieht für die Deutsche Bank Kosten in Millionenhöhe nach sich. Für den Ausstieg bildete das Institut im ersten Quartal im Privatkundengeschäft Rückstellungen von 40 Millionen Euro. Das geht aus dem am Donnerstag vorgelegten Zwischenbericht hervor.

Mit dem Fonds konnten Anleger auf die Lebensdauer von Menschen wetten. Nachdem die Geschäftsidee in der Öffentlichkeit heftig kritisiert wurde, hatte Deutschlands größtes Geldhaus den Investoren des "db Kompass Life 3" vor Kurzem ein Rückkaufangebot unterbreitet. Damit können diese ihr investiertes Kapital unter Abzug zwischenzeitlich erhaltener Zahlungen zurückbekommen. In der Bank wird mit einer hohen Annahmequote gerechnet, wie es in Finanzkreisen hieß.

Der rund 200 Millionen Euro schwere Fonds wurde 2007 aufgelegt und läuft eigentlich noch bis 2015. Schätzungen zufolge haben etwa 10.000 Privatanleger Geld darin investiert. Der SPIEGEL hatte Anfang Februar über Kritik des Bankenverbandes an der Todeswetteberichtet. SPIEGEL ONLINE hatte bereits im September 2010 über den Fonds berichtetund Auszüge aus einer elfseitigen Broschüre der Deutschen Bank zitiert.

Bei Vorgängerprodukten wurden noch Lebensversicherungspolicen aufgekauft, um im Todesfall die Versicherungssumme der Verkäufer zu kassieren. Bei Kompass Life 3 hingegen handelt es sich um ein rein synthetisches Produkt: Der Fonds hat keinen Bezug zu realen Lebensversicherungspolicen. Der Ertrag ist vielmehr von der Lebenserwartung einer Referenzgruppe von 500 US-Bürgern abhängig - die Anleger wetten also auf deren Lebensdauer.

Sterben die sogenannten Referenzpersonen früher als erwartet, erhöht sich die Rendite für die Investoren. Die Referenzgruppe besteht laut der Bank aus US-Bürgern, die sich freiwillig gemeldet haben und dafür eine Entschädigung erhalten hätten.

lgr/Reuters

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