Austrian Airlines-Kauf Lufthansa schwingt sich zur Nummer eins in Europa auf

Die Lufthansa nutzt die Krise zur Expansion: Durch die Übernahme von Austrian Airlines wird der Konzern zur größten Fluggesellschaft Europas und treibt damit die Konsolidierung der Branche voran.

ddp

Frankfurt/Wien - Während die Luftfahrtbranche in einer ihrer schwersten Krisen steckt, nutzt die Lufthansa die schwierige Situation zahlreicher Konkurrenten und kauft weiter munter zu: Mit der Übernahme der Austrian Airlines haben die Deutschen jetzt sogar den Aufstieg zur Nummer eins in Europa perfekt gemacht. Nach monatelangen Verhandlungen besiegelten beide Fluggesellschaften ihren Zusammenschluss am Donnerstag in Wien. "Wir sind ab heute die größte europäische Airline mit etwas über 100 Millionen Passagieren", sagte LH-Vorstandsmitglied Stefan Lauer.

Lufthansa zahlt für die defizitäre Austrian Airlines 166 Millionen Euro an die freien Aktionäre und der Staatsholding ÖIAG einen symbolischen Preis für deren 42-Prozent-Anteil. Nach diesem Erwerb von mehr als 90 Prozent an der einst staatlichen österreichischen Fluglinie sollen die restlichen Aktionäre aus dem Unternehmen gedrängt werden. Die AUA-Aktionäre können ihre Papiere noch bis zum 9. September an die Lufthansa verkaufen. Die Kranichlinie hatte der Übernahme der Airline erst zugestimmt, nachdem die Regierung in Wien eine Restrukturierungsbeihilfe von einer halben Milliarde Euro bewilligt hatte.

Lufthansa-Chef: Austrian soll 2010 wieder Geld verdienen

Der Lufthansa habe als neuer Eigentümer auch den Druck auf die Austrian Airlines erhöht, weil sich deren Zahlen in den vergangenen Monaten noch einmal verschlechtert hätten, sagte Lauer in Frankfurt. Das Management der AUA, die im LH-Konzern eine "integrierte Eigenständigkeit" behalten soll, hat bereits einen Sparplan auf den Weg gebracht und will bis Mitte nächsten Jahres etwa 1000 Stellen streichen. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber dringt darauf, dass die AUA bereits nächstes Jahr kein Geld mehr verliert.

"Wir werden nächstes Jahr cash positiv sein", sagte Mayrhuber nach der symbolischen Übergabe der Aktienmehrheit in Wien. Dann solle so schnell wie möglich wieder ein positives Betriebsergebnis erzielt werden. Austrian Airlines habe kein Produktproblem, sondern ein Kostenproblem. ÖIAG-Chef Peter Michaelis sagte bei der Besiegelung des Deals in Wien, die Zukunft werde für die AUA "sicher weitere Einschnitte bringen. Die Unsicherheit der letzten Monate ist aber zu Ende und die Zukunft der AUA ist nachhaltig gesichert."

Experten rechnen mit weiteren Fusionen

Die EU-Kommission hatte den Zusammenschluss nach dem Zugeständnis der Lufthansa genehmigt, auf fünf Strecken den Einstieg von Konkurrenten zu ermöglichen. Die endgültige Zustimmung kam erst am vergangenen Freitag, die Lufthansa hatte die Übernahme bereits im Dezember 2008 beschlossen. "Das war ein langer Kampf mit Brüssel", sagte Lauer.

Mit der Übernahme schreitet die Konsolidierung der Luftfahrtbranche in Europa voran. Dabei spielt die Lufthansa schon länger eine aktive Rolle. Zum Konzern gehören neben der Swiss, Air Dolomiti, Eurowings und Germanwings seit kurzem auch British Midland und Brussels Airlines. Tochterunternehmen von AUA sind Lauda Air und Tyrolean Airways.

Beobachter vermuten, dass weitere kleine Gesellschaften die tiefe Krise der Branche nicht aus eigener Kraft überstehen können und sich unter die Flügel eines der drei großen Airline-Verbünde retten müssen. Neben der Lufthansa sind dies Air France/KLM und British Airways.

Von Uwe Gepp, AP



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