Neuzulassungen Deutsche verlieren Lust auf Autokauf

Die Deutschen halten sich beim Autokauf spürbar zurück: Im September fiel die Zahl der Neuzulassungen im Vergleich zum Vorjahr deutlich - damit setzt sich die Entwicklung der Vormonate fort. Die Autobranche hofft jetzt auf die Kauflust in Asien und den USA.
Daimler-Werk in Sindelfingen: Drastischer Rückgang der Neuzulassungen

Daimler-Werk in Sindelfingen: Drastischer Rückgang der Neuzulassungen

Foto: Thomas Niedermueller/ Getty Images

Bad Homburg - Der deutsche Automarkt befindet sich derzeit in keinem guten Zustand. Bereits im Juli und August kauften die Deutschen fünf Prozent weniger Autos als im jeweiligen Vorjahresmonat. Im September setzte sich die Zurückhaltung fort: Die Zahl der Neuzulassungen fiel um elf Prozent gegenüber dem September 2011 auf nur noch 250.000, wie der Importeursverband VDIK erklärte.

Allerdings klingen diese Zahlen dramatischer, als sie sind. Denn der September hatte in diesem Jahr zwei Arbeitstage weniger als 2011. Rechnet man diesen Effekt heraus, liegt das Minus laut dem Verband noch bei zwei Prozent.

Damit entspricht der September in etwa dem Rückgang für das gesamte bisherige Jahr. Zu Jahresbeginn freute sich die Branche noch über starke Zulassungszahlen, die weit über dem Vorjahresniveau lagen - damit ist es seit dem Frühsommer vorbei. Im Zeitraum Januar bis September lag die Zahl der Neuzulassungen laut dem Verband insgesamt bei 2,36 Millionen. Das sind 1,8 Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum, wie der Verband erklärte.

Die Hoffnungen der deutschen Autoindustrie richtet sich nun auf den Export. Vor allem die robuste Nachfrage aus den USA und Asien haben die Misere auf dem heimischen Markt bislang ausgleichen können. Allerdings geht auch der Absatz in den von der Schuldenkrise gebeutelten Staaten der Euro-Zone wie Griechenland, Italien und Spanien spürbar zurück. Aber auch in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone, Frankreich, leidet die Branche noch weit stärker als in Deutschland.

Hersteller reagieren bereits auf Absatzkrise

So liegen die Absätze etwa in Frankreich und Italien mehr als 20 Prozent im Minus. In der ganzen EU betrug das Minus zu Ende August rund sieben Prozent, wie der Branchenverband ACEA mitgeteilt hatte.

Mehrere Hersteller in Deutschland haben bereits auf die Absatzkrise reagiert: Opel und Ford haben die Produktion zurückgefahren. Ford will mehrere hundert Arbeitsplätze in Europa abbauen. Bei Opel ringt der Vorstand angesichts hoher Verluste mit der Gewerkschaft um ein Sanierungsmodell, in dessen Kern die Schließung des Werkes Bochum vorgesehen ist. Auch Mercedes spürt eine sinkende Nachfrage bei den teuren Modellen der E- und S-Klasse.

Die Nachfrage nach reinen Elektroautos in Deutschland bleibt weiter enttäuschend. "Die Neuzulassungen von Elektro-Pkw bleiben mit einem Anteil von 0,087 Prozent am Gesamtmarkt deutlich unter den Erwartungen", sagte VDIK-Präsident Volker Lange. Insgesamt erreicht der Anteil von Pkw mit alternativen Antriebstechniken wie Flüssiggas-, Erdgas-, Hybrid- und Elektroantrieb inzwischen 1,2 Prozent am deutschen Gesamtmarkt.

Nach dem für die Industrie enttäuschenden sogenannten Autogipfel am Montag bei der Kanzlerin forderte Lange die Bundesregierung auf, zumindest als ersten Schritt den im Mai getroffenen Kabinettsbeschluss zur steuerlichen Förderung von Elektrofahrzeugen schnellstmöglich umzusetzen: "Es ist jetzt schon deutlich, dass ohne diese Maßnahmen das Ziel der Bundesregierung nach wie vor nicht erreicht werden kann."

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Montag das Ziel bekräftigt, bis 2020 eine Million E-Autos auf den Straßen zu haben. Zwar sei dieses Ziel "nicht ganz einfach" zu erreichen. Merkel hielte es aber für falsch, jetzt die Ziele aufzugeben, da noch acht Jahre Arbeit bevor stünden. Einen Anschub durch eine Prämie lehnt die Regierung bisher ab.

fdi/dpa/dapd
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