Diskussion über Kaufpreisprämie Neuwagen-Verkäufe brechen dramatisch ein

Die Kanzlerin zögert noch bei der Einführung einer Kaufprämie für Autos. Dass es für die Hersteller bei dieser Frage durchaus ernst werden könnte, zeigen nun neue Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts.
Mercedes-Neuwagen in Sindelfingen

Mercedes-Neuwagen in Sindelfingen

Foto: Arnulf Hettrich/ imago images

Vor allem aus Klimaschutzgründen zögert die Bundesregierung, die von den Herstellern und den Bundesländern mit Autoindustrie geforderte Kaufprämie auf den Weg zu bringen. Doch die Lage der Autohersteller, die im internationalen Wettbewerb um regenerative Antriebssysteme in den vergangenen Jahren eh ins Hintertreffen geraten waren, hat sich in den vergangenen Wochen weiter zugespitzt.

Wie sehr die Corona-Verbote VW, Daimler, BMW und Co. bereits zugesetzt haben, zeigen nun aktuelle Verkaufszahlen des Kraftfahrt-Bundesamts.

Die Autoverkäufe im April 2020 brachen demnach auf knapp 121.000 Neuwagen ein. Das ist der Flensburger Behörde zufolge ein Minus von 61 Prozent im Vergleich zu den Neuzulassungen im April 2019. Um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen, waren im Handel in den vergangenen Wochen auch die Autohäuser geschlossen worden. Erst seit 20. April durften sie wieder öffnen.

"Die Wiedereröffnung der Autohäuser hat geholfen, einen noch massiveren Absturz zu verhindern und für eine Stabilisierung auf sehr niedrigem Niveau gesorgt", sagt Peter Fuß von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Nach der Öffnung schlage nun aber auch die schwächelnde Wirtschaft aufs Geschäft, ein Neuwagen sei da für viele nicht mehr drin. Hinzu kämen die mehrwöchigen Werkschließungen, wodurch die Produktion nur langsam wieder anlaufe. Fuß sagt: "All diese Faktoren werden den Pkw-Absatz im weiteren Jahresverlauf massiv negativ beeinflussen".

Entscheidung könnte sich noch hinziehen

Weil die Autohersteller ihre Produktion nahezu einstellten, wurden auch kaum noch Autos gefertigt: In Deutschland waren es 10.900 - rund 97 Prozent weniger als üblich, teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) in Berlin mit. "Im April wird das ganze Ausmaß der Corona-Folgen für den Pkw-Markt sichtbar", sagte Reinhard Zirpel, der Präsident des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller. "Wir haben es mit einem beispiellosen Markteinbruch zu tun."

Umstritten ist, ob die Kaufpreisprämie helfen kann, diese Lage zu ändern. Der Vorstoß der Autoindustrie, diese staatliche Hilfe zu fordern, aber gleichzeitig an der Ausschüttung von Dividenden festzuhalten, hatte viele irritiert. Hinzu kommen ökologische Bedenken: Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hatte vor einer Neuauflage der Abwrackprämie gewarnt - und strenge ökologische Auflagen angemahnt.

Trotz dieser Probleme hofft die Autobranche, bis Ende Mai oder Anfang Juni eine Einigung mit der Regierung hinzubekommen. Sollte sie jedoch allzu lange dauern, droht Ernst & Young zufolge noch eine weitere Gefahr: Potenzielle Käufer könnten in Erwartung der Prämie abwarten und die Kaufentscheidung verschieben. Fuß sagt: "Das ist genau das, was die Branche derzeit nicht gebrauchen kann."

Immerhin: Noch stärker waren die Rückgänge bei den Neuzulassungen laut Ernst & Young in Südeuropa. In Frankreich gab es demnach 89 Prozent weniger Neuzulassungen, in Spanien 97 Prozent und in Italien 98 Prozent. In Deutschland wurden auch Nutzfahrzeuge wie Lastwagen und Busse mit Rückgängen um rund die Hälfte weniger verkauft. Bei Motorrädern war es gut ein Viertel weniger.

apr/dpa
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