Autobauer Daimler Zetsche erntet Kritik trotz guter Zahlen

Dieter Zetsche feiert bei der Hauptversammlung seinen Erfolg: Die Gewinnziele sind übertroffen, die Kunden mögen die neuen Modelle. Einige Aktionäre wollen die Macht des Daimler-Chefs trotzdem beschneiden.
Dieter Zetsche, Vorstandschef der Daimler AG: "absichern und ausbauen"

Dieter Zetsche, Vorstandschef der Daimler AG: "absichern und ausbauen"

Foto: Bernd von Jutrczenka/ dpa

Berlin - Es läuft gut für Daimler-Chef Dieter Zetsche. Der Gewinn ist höher als erwartet, die Aktiesteht so gut wie seit sechs Jahren nicht mehr, und die neuen Modelle treiben den Absatz. Dennoch forderten einzelne Aktionäre bei der Hauptversammlung in Berlin, dass er seine Doppelfunktion als Chef des Konzerns und der Autosparte Mercedes-Benz Cars aufgeben solle.

Daimler denkt nach den Worten von Aufsichtsratschef Manfred Bischoff tatsächlich über die Zukunft Zetsches nach. "Der Aufsichtsrat beschäftigt sich intensiv mit der Frage der Nachfolge. Sie steht im Augenblick aber nicht an", sagte Bischoff. Zetsches Vertrag läuft Ende 2016 aus.

Beigetragen zum Erfolg des Konzerns hat der Verkauf einiger Beteiligungen. Der Ausstieg bei EADS im vergangenen Sommer brachte rund 2,3 Milliarden Euro in die Daimler-Kasse. Ähnlich viel könnte in diesem Jahr die Trennung vom Motorenhersteller Tognum einbringen, der sich mittlerweile in Rolls-Royce Power Systems umbenannt hat.

Die Einnahmen aus den Verkäufen will Daimler in neue Produkte investieren. Neben den Anteilsverkäufen soll sich beim Ergebnis künftig das Sparprogramm positiv bemerkbar machen - und stärker zu Buche schlagen als angekündigt. Schon jetzt zeigten sie Wirkung, sagte Zetsche. Der Dax-Konzern will bis zum Ende des Jahres rund vier Milliarden Euro sparen. Hauptkonkurrent BMW verdient mehr Geld. Das liegt vor allem an den hohen Kosten Daimlers.

Nicht in allen Bereichen läuft es rund

Der Verkauf der EADS- und Tognum-Anteile passt zur neuen Konzernstrategie: Zetsche habe vor einiger Zeit das Signal ausgegeben, sich mehr auf das Autogeschäft zu konzentrieren, sagt Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Auch da passe der Verkauf gut ins Bild. Nach dem EADS-Ausstieg kaufte sich Daimler beim chinesischen Partner Baic Motor ein, die Tognum-Milliarden sollen ins Geschäft mit Autos und Nutzfahrzeugen fließen.

"Es gab schon lange keinen Grund mehr, an Tognum festzuhalten", sagt Pieper. Daimler hatte den Motorenbauer erstmals 2005 verkauft, um drei Jahre später wieder Anteile zu erstehen und ihn 2011 zusammen mit der britischen Rolls-Royce komplett zu übernehmen.

Der Ausstieg bei EADS markierte das Ende des Versuchs, Daimler zum Industriekonzern auszubauen. Ende der achtziger Jahre hatte der damalige Daimler-Chef Edzard Reuter die Vision, aus Daimler einen breitangelegten Technologiekonzern zu machen. Er verhalf den Stuttgartern zu einer eigenen Luft- und Raumfahrttochter, der Dasa, aus der 2000 EADS entstand. Auch AEG, Dornier und MTU gehörten zu dem Imperium.

Die Stuttgarter verzettelten sich - während die Konkurrenz sich auf ihr Kerngeschäft konzentrierte. Erst in den vergangenen Jahren zog Daimler mit der Partnerschaft mit dem französischen Autohersteller Renault und der Beteiligung am Elektroauto-Pionier Tesla Motors nach. Neben Antriebstechnologien und Vernetzung im Auto sei der Leichtbau eines der wichtigsten Themen, sagte Autoexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach.

Daimler stieg zwar zuletzt aus einem Leichtbau-Joint-Venture aus. ElringKlinger-Chef Stefan Wolf kündigte aber jüngst an, dass ein Autobauer aus der Region Stuttgart an den Zulieferer einen Leichtbau-Großauftrag erteilt habe. Nicht unbedingt ein Nachteil, meint Bratzel: "Eine lose Partnerschaft kann mehr Vorteile haben, weil sich der jeweilige Spezialist besser konzentrieren kann."

Dass Daimler bei dem Batteriehersteller Li-Tec jüngst komplett eingestiegen ist, hält Bratzel dagegen eher für eine Zwischenlösung, nachdem der Autohersteller und der Mischkonzern Evonik im vergangenen Jahr vergeblich nach weiteren Partnern gesucht hatten. Ein weiterer Anteilsverkauf könnte demzufolge ins Haus stehen - und den Spielraum von Zetsche noch einmal erweitern.


isa/dpa/Reuters
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