Neuzulassungen im September Autoabsatz steigt deutlich, Chipkrise ebbt ab

Monatelang litten die Autohersteller unter Chipengpässen, nun entspannt sich die Lage. Das Niveau vor der Krise ist fast wieder erreicht – doch die steigenden Preise drohen Kunden zu verprellen.
Neuwagen auf einem Güterzug in der Nähe von Hannover: »Nachfrageschwäche zeichnet sich immer stärker ab«

Neuwagen auf einem Güterzug in der Nähe von Hannover: »Nachfrageschwäche zeichnet sich immer stärker ab«

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Monatelang litten die deutschen Autohersteller unter Lieferschwierigkeiten, insbesondere bei Halbleitern. Nun verbessert sich die Lage für die Branche allmählich – was sich beim Absatz bemerkbar macht. 224.816 Neuzulassungen verzeichnete die Branche im September, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) mitteilte. Das waren rund 14 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Der monatelange Rückgang bei den Auslieferungszahlen ist somit vorerst gestoppt.

»Möglicherweise sehen wir hier eine Trendwende«, teilte Branchenexperte Peter Fuß von der Beratungsgesellschaft EY mit. »Das Vorkrisenniveau ist nicht mehr so weit entfernt wie noch im ersten Halbjahr, der Chipmangel scheint langsam an Relevanz zu verlieren.« Fuß geht davon aus, dass sich die Situation im Laufe des Jahres weiter erholen wird.

Auch Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer sprach von einer Trendwende, warnt jedoch vor neuen Problemen. Die Autoproduktion von Mai bis August sei um 21 Prozent höher als im Vorjahr – aber jetzt hielten sich Käufer wegen Inflation und drohender Rezession zurück, die Lieferzeiten würden kürzer, erklärte er. »Ein Kippeffekt von einer Angebotsknappheit in einen Kundenmangel oder eine Nachfrageschwäche zeichnet sich immer stärker ab.«

Verband rechnet mit sechs Prozent Rückgang 2022

Diesen Effekt hatte vor wenigen Wochen auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) beschrieben und seine Absatzprognose für das laufende Jahr erneut nach unten korrigiert. Inzwischen geht der Verband für 2022 nur noch von 2,5 Millionen Neuzulassungen in Deutschland aus. Das wäre ein Rückgang von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Aus Sicht von EY-Experte Fuß hat sich das Konjunkturumfeld »derart stark eingetrübt, dass eine weitere durchgreifende Erholung des Neuwagenmarktes im kommenden Jahr eher unwahrscheinlich erscheint«.

Nach einigen schwächeren Monaten bleibt die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen unterdessen weiter hoch. Laut KBA kamen im September rund 44.400 Batterieautos neu auf die Straßen und damit knapp 32 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Inzwischen verfügt fast jeder fünfte Neuwagen über einen reinen Elektromotor.

Zwischen Januar und September wurden laut Stefan Bratzel, Gründer des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach, fast 272.500 Elektrofahrzeuge neu zugelassen, 15 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Allerdings sei der Markthochlauf nach wie vor stark von Förderregeln und Regulationen geprägt. »Aufgrund steigender Rohstoff- und Produktionskosten ist mittelfristig kaum mit sinkenden Anschaffungskosten für Elektrofahrzeuge zu rechnen«, teilte Bratzel mit.

apr/dpa
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