VDA-Chefposten Hildegard Müller soll Deutschlands mächtigste Autolobbyistin werden

Hildegard Müller soll Deutschlands mächtigste Autolobbyistin werden. Das Präsidium des VDA muss der Personalie nach SPIEGEL-Informationen aber noch zustimmen.

Hildegard Müller
Sven Simon/ imago images

Hildegard Müller


Für die Nachfolge von Bernhard Mattes an der Spitze des Verbands der Automobilindustrie (VDA) wurden bereits zahlreiche hochkarätige Namen gehandelt, darunter Sigmar Gabriel und Günther Oettinger. Deutschlands mächtigste Autolobby-Organisation hat nach SPIEGEL-Informationen nun Hildegard Müller im Blick.

Insider bestätigen, dass man sich auf die CDU-Politikerin und frühere Staatsministerin im Bundeskanzleramt geeinigt habe. Das VDA-Präsidium muss der Personalie aber noch zustimmen.

Die 52-jährige Kauffrau bringt bereits viel Erfahrung als Managerin mit, unter anderem als Netzchefin beim Energiekonzern RWE/Innogy sowie beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Über ihren neuen Job beim VDA hatte zuvor bereits Gabor Steingarts "Morning Briefing" berichtet.

Müller soll zweite Frau an der VDA-Spitze werden

Der Posten des Spitzenlobbyisten der Autoindustrie muss neu besetzt werden, nachdem der frühere Ford-Manager Bernhard Mattes im September überraschend seinen Rückzug angekündigt hatte. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) ist einer der einflussreichsten Lobbyverbände in Deutschland, die Autobranche mit mehr als 800.000 direkt Beschäftigten eine Schlüsselindustrie.

Mit der Entscheidung für Müller wolle die Branche in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Diskussion ein Zeichen setzen, hieß es aus Industriekreisen. Demnach war es auch wichtig, dass eine Frau den Posten bekommt, diese nicht allzu alt ist und sich zudem im Verbandswesen auskennt. Von 1989 bis 1996 hatte mit Erika Emmerich bereits eine Präsidentin den Verband geführt.

An der Lobbyspitze des wichtigsten deutschen Industriezweigs muss Müller unter Beweis stellen, dass sie Streit schlichten kann. Im VDA verlaufen unter anderem Gräben zwischen den großen Autoherstellern und den vielen, teils kleinen Zulieferern. Zudem gibt es häufiger Streit um die Zukunftsausrichtung - etwa ob man wie VW es im Frühjahr vorschlug, ausschließlich auf Elektroantriebe setzen soll.

gt/apr/dpa



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Seite 1
2cv 27.11.2019
1. Eine Herausforderung...
Der Job an der Spitze des VDA wird sicherlich eine der größten Herausforderungen für die (dt.) Automobilbranche sein. Wenn wir mal Parteipolitik, Polemik, "Toll eine Frau" und sonstiges Unsachliches aussen vor lassen: Nach der digitalen Revolution steht nun die Revolution der Mobilität unmitelbar bevor. Themen wie (sorry für das Neudeutsch) Ride-Sharing, multi-modale Mobilität, Service Driven Routing, Tele Operated Driving und viele andere mehr zeigen uns: für die traditionellen OEM's (Automobilhersteller) ist das echtes Neuland. Hier hilft Wissen über Management eines modernisierten Traditionskonzerns nicht weiter... Wer sich mal anschaut, wer die Player im Uber (autonomen) Fahrzeug sind - keiner der VDA Mitglieder kennt die Startups der Branche. Waze (manche kennen es von ihren Smartphones) bzw. deren Strategie steht im absoluten Konkurrenzkampf zu den OEM's bzw deren Datenhoheit: "Wer 'besitzt' den Insassen?" Die Automobil-Marken werden sich massiv verändern. Stellen SIe sich mal vor, Sie würden ein Taxi bestellen. Sagen sie bei der Bestellung: "Bitte nur E-Klasse?" Nein. Sie nehmen das was kommt, wissen was sie erwarten (sauber, taxigelb, festpreis) - aber das Modell ist ihnen eigentlich egal. Für "Taxi 2.0", Mobilität der Zukunft, wo steht die Marke da? Geschäftsmodelle der Zukunft unterscheiden sich dramatisch von denen von heute. Insofern wäre eine Frage: ist es sinnvoller, sich einen Startup-Guru an die Spitze des Verbands zu holen, der dann mit neuen innovativen Konzepten die Branche an die Spitze führt, oder doch eher einen Traditionalisten (oder eine T.in), die mit dem beruhigten, unaufgeregten langsamen Überführen eher die Startups aussitzt... Ich würde mir einen aus der ditigalen Welt an der Spitze wünschen, der weiss was AI im/ums Auto bedeutet, der Opportunities insbesondere auch versteht und entwickelt. Bonne fortune!
binnenfuchs 27.11.2019
2. Konsequenter Karriereschritt
Ein Leben gewidmet dem Lobbyismus an den Schaltstellen der Innovation in Deutschland - Dresdner Bank, WestLB, Bundeskanzleramt, RWE, VDA. Herzlichen Glückwunsch - da sage noch jemand, Leistung lohnt sich nicht in Deutschland.
postmc 27.11.2019
3. Wie wäre es denn,
Zitat von 2cvDer Job an der Spitze des VDA wird sicherlich eine der größten Herausforderungen für die (dt.) Automobilbranche sein. Wenn wir mal Parteipolitik, Polemik, "Toll eine Frau" und sonstiges Unsachliches aussen vor lassen: Nach der digitalen Revolution steht nun die Revolution der Mobilität unmitelbar bevor. Themen wie (sorry für das Neudeutsch) Ride-Sharing, multi-modale Mobilität, Service Driven Routing, Tele Operated Driving und viele andere mehr zeigen uns: für die traditionellen OEM's (Automobilhersteller) ist das echtes Neuland. Hier hilft Wissen über Management eines modernisierten Traditionskonzerns nicht weiter... Wer sich mal anschaut, wer die Player im Uber (autonomen) Fahrzeug sind - keiner der VDA Mitglieder kennt die Startups der Branche. Waze (manche kennen es von ihren Smartphones) bzw. deren Strategie steht im absoluten Konkurrenzkampf zu den OEM's bzw deren Datenhoheit: "Wer 'besitzt' den Insassen?" Die Automobil-Marken werden sich massiv verändern. Stellen SIe sich mal vor, Sie würden ein Taxi bestellen. Sagen sie bei der Bestellung: "Bitte nur E-Klasse?" Nein. Sie nehmen das was kommt, wissen was sie erwarten (sauber, taxigelb, festpreis) - aber das Modell ist ihnen eigentlich egal. Für "Taxi 2.0", Mobilität der Zukunft, wo steht die Marke da? Geschäftsmodelle der Zukunft unterscheiden sich dramatisch von denen von heute. Insofern wäre eine Frage: ist es sinnvoller, sich einen Startup-Guru an die Spitze des Verbands zu holen, der dann mit neuen innovativen Konzepten die Branche an die Spitze führt, oder doch eher einen Traditionalisten (oder eine T.in), die mit dem beruhigten, unaufgeregten langsamen Überführen eher die Startups aussitzt... Ich würde mir einen aus der ditigalen Welt an der Spitze wünschen, der weiss was AI im/ums Auto bedeutet, der Opportunities insbesondere auch versteht und entwickelt. Bonne fortune!
wenn der Öpnv und die Bahn mal von Fachleuten ausgebaut würde. Das wäre ein effektiver Einsatz der Haushaltsmittel. Dazu eine Empfehlung wäre eine Reise nach Singapur, wo dann auch sinnvollerweise auch gleich der Autobesitz reglementiert ist. Aber so etwas kann man wohl von cdu/csu/spd/fdp nicht erwarten.
kamkam99 27.11.2019
4. für mich
nur eine gutbezahlte Lobbyistin mehr.Dabei stellen die Autoindustrie schon die meisten Lobbyisten.Und die vielbeschworene Föderung nur noch Elektro kann nicht funktionieren.Abgesehen von den benötigten knappen Rohstoffen der Akkutechnik,gibt es schon Warnungen bezüglich Strombeschränkungen 2021.Der Sofortausstieg Kohle,unabhängig ob sinnvoll oder nicht,gibt auch nicht mehr Strom.Zudem jetzt die Kohleindustrie Entschädigung bekommt.Die Alternative Gas,siehe Nord stream2,führt zu neuen Abhängigkeiten und permanenten Dauerbeschuß durch die USA.Die Lobbyistendame Müller wird schon dafür sorgen,daß die Autoinstrie unter einem Geldsegen duschen kann.Alles ganz toll.
raubritter2.0 27.11.2019
5. es lebe die Lobbykratie
Alles richtig gemacht die Frau Müller. Bestens vernetzt in die Schaltzentrale der Verwaltung. Wird aber auch nicht den Niedergang der deutschen Autoindustrie aufhalten. Nachdem der jahrzehntelange zerstörerische Geist der Lobbykratie die Bahn runiert hat (die Vorsitzenden der Bahn waren doch alles irgendwie alles Ex-Manager eines namhaften Autokonzerns) ist die Büchse der Pandora nicht mehr zu schließen; auch nicht mit einer Frau Müller.
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