Autoindustrie Zulieferer Honsel meldet Insolvenz an

Die Autoindustrie in Deutschland erholt sich rasch von der Krise, trotzdem muss mit Honsel nun ein wichtiger Zulieferer Insolvenz anmelden. Das Unternehmen fertigt vor allem Komponenten aus Leichtmetall. Zahlreiche Hersteller bangen um ihre Teileversorgung. 

Meschede/Arnsberg - Zuletzt hatte das Unternehmen noch einen Umsatz von 540 Millionen Euro gemeldet, nun muss der Automobilzulieferer Honsel Insolvenz anmelden. Das bestätigte das zuständige Amtsgericht in Arnsberg. Honsel gießt Zylinderköpfe, Motorblöcke, Getriebegehäuse und Karosserie- und Fahrwerksteile aus Leichtmetall für verschiedene Automobilhersteller.

Neben dem Stammsitz im sauerländischen Meschede betreibt das Unternehmen Werke im Sauerland und in Nürnberg. Außerdem ist Honsel in Frankreich, Rumänien, Spanien, Brasilien und Mexiko aktiv.

Insgesamt beschäftigt Honsel weltweit rund 4000 Mitarbeiter, davon etwa 2200 im Sauerland und 700 in Nürnberg. Eine Stellungnahme des Unternehmens gab es zunächst nicht.

Autohersteller und -zulieferer bangen nun um Honsel-Teile. Sie hatten dem Unternehmen zuletzt schon finanziell unter die Arme gegriffen. Finanzkreisen zufolge war über eine Aufteilung von Honsel verhandelt worden.

Drei andere Zulieferer, darunter ZF Friedrichshafen, sollten Teile übernehmen. ZF, die Nummer drei der Branche in Deutschland, wollte sich dazu nicht äußern. "Uns ist sehr an einer stabilen Lieferbeziehung mit Honsel gelegen", sagte ein ZF-Sprecher lediglich. Als Lieferant für Lkw-Getriebegehäuse sei das Unternehmen kaum zu ersetzen.

Honsel war bereits im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten. Nur durch Schuldenerlass der Gläubiger war das Unternehmen im Mai 2009 vor der Pleite gerettet worden. Die Leichtmetallgießerei befand sich trotz gut laufender Geschäfte bereits seit längerer Zeit in finanziellen Schwierigkeiten. Im Jahr 2004 hatte die RJH International in Brüssel, eine Tochter des US-Finanzinvestors Ripplewood, die Honsel AG übernommen.

Weil die Übernahme größtenteils kreditfinanziert war, litt Honsel unter einer großen Schuldenlast. Im vergangenen Jahr hatten die Gläubiger dem Unternehmen 370 Millionen Euro Schulden erlassen und waren dafür mit 49 Prozent an der Honsel AG beteiligt worden.

Insolvenz trotz Aufschwungs in der Autoindustrie

Honsel ist eine der ersten Firmen, die trotz der raschen Rückkehr der Nachfrage in der Automobilbranche gescheitert sind. Der Investitionsstau, der durch das fehlende Geld ausgelöst worden sei, habe laufende Projekte und Serienanläufe behindert, sagte Vorstandssprecher Stefan Eck.

Insolvenzverwalter warnen seit langem vor Pleiten im Aufschwung, wenn die Unternehmen zum Kauf von neuen Anlagen, Maschinen und zur Vorfinanzierung neuer Aufträge gezwungen sind.

jok/dpa
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