SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

21. Februar 2019, 11:20 Uhr

Handelsstreit

VW-Chef Diess fürchtet Milliardenschaden durch US-Zölle

Erst kürzlich waren Vertreter von Daimler, VW und BMW im Weißen Haus, um angedrohte Strafzölle abzuwenden. Doch US-Präsident Trump hat dieses Vorhaben nun bekräftigt. Autoboss Herbert Diess sieht sich machtlos.

US-Strafzölle auf importierte Autos könnten Volkswagen milliardenschwere Einbußen bringen. Das bestätigte VW-Chef Herbert Diess gegenüber der "Financial Times". Angesprochen auf eine Schätzung, wonach die Belastungen für den Konzern mehr als 2,5 Milliarden Euro betragen könnten, sagte er: "Im schlimmsten Fall wäre das wahrscheinlich nahe an der tatsächlichen Zahl."

Das US-Handelsministerium hatte am Wochenende einen Prüfbericht über die Bedrohung der nationalen Sicherheit durch die Autoimporte an US-Präsident Donald Trump übergeben. Innerhalb von 90 Tagen muss er nun entscheiden, ob er auf dieser Grundlage Zölle von bis zu 25 Prozent auf Autoeinfuhren verhängt.

Am Rand eines Treffens mit dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz bekräftigte Trump am Mittwoch die Drohung: "Wir denken über Autozölle nach", sagte er laut "Handelsblatt". Der Präsident beteuerte jedoch auch, er sei weiter an einer Einigung mit der EU interessiert.

Ein Bericht des Handelsministeriums, wonach Autoimporte aus Europa eine Gefahr für die Nationale Sicherheit der USA darstellten, müsse dem nicht zwangsläufig im Wege stehen, so Trump. "Wenn wir keinen Deal machen, dann kommt es zu den Zöllen."

Auch Daimler und BMW drohen Milliardenkosten

Diess sagte im Zeitungsinterview, die Drohung der USA sei die größte Sorge der europäischen Hersteller in diesem Jahr. Trumps Ankündigung, sich mit der Einführung höherer Zölle zu befassen, habe eine "politische Instabilität" geschaffen. Die Autobauer selbst könnten wenig dazu beitragen, den US-Präsidenten von seinen Plänen abzubringen. Dies sei allein Sache von Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten.

Die deutschen Autokonzerne hatten Trump bei einem Besuch in Washington Anfang Dezember von seinen Plänen abzubringen versucht und ein stärkeres Engagement in den USA versprochen.

In einer Prognose über die finanziellen Folgen höherer US-Zölle gehen die Analysten der Investmenberatung Evercore ISI von zusätzlichen Kosten in Höhe von zwei Milliarden Euro für Daimler und 1,7 Milliarden Euro für BMW aus. Mit 2,549 Milliarden Euro wären die Belastungen für Volkswagen am höchsten unter den drei deutschen Autokonzernen.

dab/Reuters/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung