Trumps geplante Autozölle Mit Vollgas ins Verderben

Donald Trumps angedrohte Autoimportzölle werden auch in den USA immer kontroverser diskutiert. Bei einer Anhörung in Washington gab es scharfen Gegenwind - vor allem von Industrievertretern aus dem eigenen Land.

Das US-Handelsministerium residiert in einem Kalksteinkoloss unweit vom Weißen Haus. Der Komplex ist nach Herbert Hoover benannt, der als einer der erfolglosesten US-Präsidenten gilt. Warum? Er unterzeichnete 1930 ein Schutzzollgesetz, das die Weltwirtschaftskrise auch in Amerika eskalieren ließ, mit verheerenden Folgen.

Diese Ironie dürfte keinem entgangen sein, der am Donnerstag im Auditorium der Behörde saß. Denn der Anlass war nichts Geringeres als eine moderne Variante des Hoover-Debakels - die Schutzzölle auf Autoimporte, die der jetzige Präsident Donald Trump im Zuge seines Handelskriegs gegen den Rest der Welt angedroht hat.

Denn zuvor muss das Ministerium die erst einmal mit einer Pro-forma-Prüfung rechtfertigen. Dazu hatte es die Betroffenen - Hersteller, Zulieferer, Verbände, Regierungen - nach Washington geladen, auf dass sie ihre Positionen zu Protokoll geben. Solche Anhörungen sind Routine: Ein paar Pros, ein paar Kontras, das Resultat steht sowieso meist fest, wie zuvor auch bei Trumps Stahl- und Aluzöllen.

Doch fünf Tage vor dem entscheidenden Besuch von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Weißen Haus wurde dieses Treffen zum kollektiven Fanal gegen Trumps Handels-Irrsinn - und am Ende schienen sogar die US-Regierungsvertreter auf Auswege zu hoffen, Trumps Zölle ohne Gesichtsverlust abzubiegen. Schließlich sind die selbst bei seinen Beratern immer umstrittener.

Exportfertige Neuwagen in Japan

Exportfertige Neuwagen in Japan

Foto: Toru Hanai/ REUTERS

Diese Skepsis zeigte sich eben auch bei der Anhörung. Von den 45 Wortführern diverser Sparten wandten sich 44 gegen Zölle - und auch der Zuspruch einer einsamen US-Gewerkschafterin erfolgte nur unter starkem Vorbehalt. Hinzu kamen mehr als 2300 schriftliche Kommentare. Bis auf drei waren alle ebenfalls ablehnend.

Mit Vollgas ins Verderben: So das klare Fazit. Fragt sich nur, ob Trump das stört - er hofft ja, vor den kommenden Kongresswahlen mit den Zöllen bei der Basis zu punkten.

Dieses Kalkül, so offenbarte die Anhörung, könnte allerdings kräftig danebengehen. Widerstand kommt von der gesamten US-Autoindustrie, aus dem Mittleren Westen und aus den Südstaaten, von Importeuren und Exporteuren im In- und Ausland.

"Bei Autozöllen verliert jeder", sagte Jim Wilson, der Wirtschaftsminister von Ontario, des kanadischen Bundesstaats direkt jenseits der US-Autometropole Detroit.

624.000 Arbeitsplätze bedroht

So steif war der Gegenwind, dass Trumps Handelsminister Wilbur Ross die Bühne schnell seinen Referenten überließ. Es sei "eindeutig zu früh", das Ergebnis der Prüfung vorherzusagen, nuschelte er, bevor er von der Bildfläche verschwand.

Die Kritiker beriefen sich bei der Anhörung immer wieder auf eine dramatische Statistik: Nach einer Studie des Peterson Institute for International Economics könnten die Zölle in drei Jahren fast 200.000 US-Arbeitsplätze kosten, bei Vergeltungszöllen sogar 624.000. Auch würden sich die US-Autopreise kräftig erhöhen.

"Ich bin ein rechtslastiger Konservativer", sagte Richard Smallwood, der die US-Dependance des japanischen Reifenherstellers Sumitomo leitet. Doch selbst als sonstiger Trump-Fan sei er gegen Autozölle: Wenn sie Realität würden, habe er keine andere Wahl, als die Kosten auf seine Kunden abzuwälzen.

Fließband im BMW-Werk Spartanburg, South Carolina

Fließband im BMW-Werk Spartanburg, South Carolina

Foto: © CHRIS KEANE / Reuters/ REUTERS

"Autozölle sind eine massive Steuer für die Verbraucher", sagte Jennifer Thomas, die Vizechefin der Alliance of Automobile Manufacturers, deren internationale Mitglieder - darunter GM, Ford, BMW, Volkswagen, Mercedes, Volkswagen und Toyota - 70 Prozent aller US-Neuwagenverkäufe bestreiten. Zölle seien keine Verhandlungsstrategie: "Der Widerstand reicht tief, da die Konsequenzen erschreckend sind."

"Wir sehen uns als Teil des American Dreams", sagte Bernhard Mattes, der Präsident des Verbands der Automobilindustrie, der aus Deutschland nach Washington gereist war. Er betonte, dass deutsche Firmen im Jahr mehr als 800.000 Autos "made in the USA" herstellten, in rund 300 US-Werken mit 100.000 Arbeitsplätzen. "All das trägt zum amerikanischen Wohlstand bei."

"Wir danken Ihnen aufrichtig"

Ähnlich kritisch äußerten sich die einheimischen Chefs des American Automotive Policy Council, einer Lobbyvereinigung der drei großen US-Autobauer GM, Ford und Chrysler, sowie der National Automobile Dealers Association mit ihren 16.500 US-Händlern.

Am meisten empörten sie sich, dass Trump die Zölle mit "nationaler Sicherheit" begründet. "Wir sind keine Bedrohung der nationalen Sicherheit", schimpfte Ann Wilson von der Motor & Equipment Manufacturers Association. "Die Zölle bedrohen unsere nationale Sicherheit!"

"Wir danken Ihnen aufrichtig", säuselte Vizeministerin Nazak Nikakhtar zum Abschied und versprach, alles "wirklich, wirklich sorgfältig zu analysieren".

Das versprach seinerzeit auch Präsident Hoover und widersetzte sich am Ende trotzdem dem Rat aller Experten, darunter Ford-Gründer Henry Ford. Zwei Jahre später wurde Hoover abgewählt.

Sein Nachfolger Franklin Delano Roosevelt setzte die Zölle wieder außer Kraft - doch da war der Schaden längst angerichtet.