Krise der Autoindustrie Continental muss Milliarden abschreiben und rechnet mit Verlust

Der Autozulieferer Continental muss einen Milliardenbetrag abschreiben und rutscht deshalb in diesem Jahr wohl in die Verlustzone. Der Konzern rechnet nicht mit einer raschen Erholung der Autoindustrie.

Baustelle vor der Continental-Zentrale: Hohe Abschreibungen sorgen für Verlust
Hauke-Christian Dittrich / DPA

Baustelle vor der Continental-Zentrale: Hohe Abschreibungen sorgen für Verlust


Bei Continental läuft das Geschäft mit der Innenausstattung von Autos schlecht. Nun muss der Konzern insgesamt 2,5 Milliarden Euro abschreiben und macht deshalb in diesem Jahr voraussichtlich einen Verlust.

Der größte Teil der Wertberichtigungen entfällt auf das Geschäft mit der Innenausstattung von Autos, wie Continental Chart zeigen mitteilte. Der Konzern gehe davon aus, dass sich die Fahrzeugproduktion in den nächsten fünf Jahren weltweit "nicht wesentlich verbessern" werde. Deshalb müsse der Konzern die Werte abschreiben, mit der die - größtenteils vor mehr als zehn Jahren zugekauften - Firmen in der Bilanz stehen.

Im abgelaufenen dritten Quartal habe der Konzern damit vor Steuern und Zinsen (Ebit) einen Verlust erwirtschaftet, für das Gesamtjahr sei unter dem Strich mit roten Zahlen zu rechnen.

Operativ habe das dritte Quartal dagegen den Erwartungen der Analysten entsprochen: Der Umsatz habe bei 11,1 Milliarden Euro gelegen.

Continental will sich von Antriebssparte trennen

Der Autozulieferer verkündete zudem, dass er seine Antriebssparte als Ganzes abspalten und an die Börse bringen will. Ein möglicher Teilbörsengang ist nach einem Beschluss des Vorstands nun keine Option mehr, teilte der Konzern mit. Der Plan eines sogenannten Spin-offs mit Börsennotierung soll am 30. April 2020 der Hauptversammlung vorgelegt werden. Der Aufsichtsrat muss ebenfalls noch zustimmen.

Seit Längerem prüft der Konzern, wie er mit der Vitesco genannten Sparte verfahren will, zuletzt hatte Conti im September auf die kaum vorhersehbaren Bedingungen für einen Teilbörsengang im kommenden Jahr verwiesen. Mit der nun angestrebten Lösung bekommen die Aktionäre von Conti die Vitesco-Aktien einfach zusätzlich ins Depot gebucht. Geld fließt dabei weder Continental noch Vitesco zu.

Continental hatte die Sparte, zu der Verbrennungs- wie auch Elektroantriebe gehören, Anfang des Jahres rechtlich auf eigene Beine gestellt. Vitesco erwirtschaftete zuletzt mit gut 40.000 Beschäftigten weltweit einen Umsatz von 7,7 Milliarden Euro.

mmq/Reuters/dpa



insgesamt 15 Beiträge
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hansulrich47 22.10.2019
1. Da hat man sich früher wohl "Reich" gerechnet!
Die Autoindustrie steht vor einer Zäsur. Die Hoffnung, mit dem E-Auto einfach "weiter so" machen zu können, wird sich zerschlagen. Dazu sind der Akku und der Strom zu teuer und das Auto verliert zu schnell (mit dem alternden Akku) an Wert. Die Anzahl der verkauften Autos wird sich künftig deutlich verringern, weil die Anzahl derjenigen kleiner wird, die die höheren Kosten noch zahlen können. Heute schon stehen Leasing-Fahrzeuge schlecht verkäuflich bei den Händlern herum. Wer aber kauft ein 3 bis 5 Jahre altes E-Auto mit einem Akku mit nur noch 150 bis 200 km Reichweite? Wer zahlt bis zu 10.000€ für den Ersatz-Akku nach 5 Jahren? Und nach Afrika (wie bisher) sind ältere E-Autos auch wohl kaum verkäuflich!
qjhg 22.10.2019
2. Da haben es die Medien- und zwar alle-
es doch geschafft, mit dem unverantwortlichen Hype auf die umstrittene Elektromobilität , die deutsche Autoindustrie, die modernste der Welt, schlecht zu reden. Der traurige Effekt ist ein Niedergang dieser Industrie und noch viel schlimmer , aller von dieser Industrie Abhängigen. Im Endstadium können damit bis zu 50 % aller Arbeitsplätze gefährdet werden, übrigens auch diejenigen der Journalisten. Denn wer kann noch deren Produkte kaufen, wenn er keine Arbeit und Geld hat. Der Irrsinn, der hier praktiziert wird, ist der Irrglaube, dass der Übergang von Verbrennungsmotoren auf andere Energieträger sofort klappen würde. Anstatt den Staat zu Investitionen im Nah- und Fernverkehr zu treiben und damit mittel- bis langfristig den Individualverkehr zurück zu drehen, propagieren die Medien Elektromobilität ohne Rücksicht auf die Länder der Rohstoffgewinnung , die Umweltkatastrophen dadurch fürchten müssen. Nur vernünftiges Umstellen auf andere Energieträger verbunden mit vielen weiteren Maßnahmen wird zu einem Erfolg führen und unseren Wohlstand erhalten.
Ein_denkender_Querulant 22.10.2019
3. Hausgemachtes Problem
Wer das Controlling der Conti näher kennt, wer das zum Teil absurde Kostenstellendenken mit massiver Konkurrenz der Abteilungen durchschaut hat, wer erlebt hat, wie Geld von der linken Tasche in die rechte geschoben wurde, wer miterlebte, wie Abteilungen, nur weil sie keine 10% EBIT erreicht hatten, dicht gemacht wurden, dem war klar, dass dieses auf reinen kurzfristigen Profit und nicht auf langfristige Geschäftbeziehungen aufgebaute System aus vier großen Firmen, der alten Conti, der Contitech, Teves und VDO, irgendwann auseinander fliegen würde. Schade, die Conti ist im Prinzip ein toller Arbeitgeber, aber ein paar Dinge machen das Arbeiten zur Qual.
lucky.sailor 22.10.2019
4. @qjhg - Widerspruch!
Nicht die Medien sind schuld, sondern Betrügerkonzerne wie die VW-GRUPPE. Deren millionenfache Täuschung von insbesondere Dieselkunden ist verantwortlich dafür, dass das Vertrauen in den wichtigsten deutschen Produktionszweig ernsthaft erschüttert wurde. Was jetzt bei Conti und anderen passiert ist das Ergebnis von: VORSPRUNG DURCH TÄUSCHUNG!
Haarfoen 22.10.2019
5.
Zitat von qjhges doch geschafft, mit dem unverantwortlichen Hype auf die umstrittene Elektromobilität , die deutsche Autoindustrie, die modernste der Welt, schlecht zu reden. Der traurige Effekt ist ein Niedergang dieser Industrie und noch viel schlimmer , aller von dieser Industrie Abhängigen. Im Endstadium können damit bis zu 50 % aller Arbeitsplätze gefährdet werden, übrigens auch diejenigen der Journalisten. Denn wer kann noch deren Produkte kaufen, wenn er keine Arbeit und Geld hat. Der Irrsinn, der hier praktiziert wird, ist der Irrglaube, dass der Übergang von Verbrennungsmotoren auf andere Energieträger sofort klappen würde. Anstatt den Staat zu Investitionen im Nah- und Fernverkehr zu treiben und damit mittel- bis langfristig den Individualverkehr zurück zu drehen, propagieren die Medien Elektromobilität ohne Rücksicht auf die Länder der Rohstoffgewinnung , die Umweltkatastrophen dadurch fürchten müssen. Nur vernünftiges Umstellen auf andere Energieträger verbunden mit vielen weiteren Maßnahmen wird zu einem Erfolg führen und unseren Wohlstand erhalten.
Die deutsche Automobilindustrie wird nicht schlecht geredet, sie ist schlecht. Sie hat es versäumt, rechtzeitig die globalen Rahmenbedingungen richtig auszulesen und zu interpretieren. Insbesondere die CO2- Problematik und die soziologische Entwicklung. Man hat an überkommenen Produkten festgehalten und diese nur noch billigst "optimiert", zuletzt mit Lügengebilden. Es wurden gewaltige Gewinne eingefahren und wenig reinvestiert. Der Verbraucher wurde mit gewaltigen Marketing- Kampagnen indoktriniert, wenn es knapp wurde, haben Lobbyisten die Gesellschaft erpresst - siehe Abwrackprämie. 50% der Arbeitsplätze sind nicht nur gefährdet, sie werden definitiv entfallen. Es stellt sich die Frage, inwieweit diese Arbeitsplätze in Branchen verlagert werden können, die sich an der Entwicklung einer CO2- neutralen Gesellschaft beteiligen. Der Verbrennungsmotor ist nicht das Problem, der Verbrennungsmotor wird nur falsch eingesetzt. Er wird in dicke Blechpanzer implantiert, die gigantische Mengen an CO2 emittieren. Eine Fehlentwicklung, die ausschließlich die Automobilindustrie und ihre "Manager" zu verantworten haben. Es sind eben diese "Manager", die den Wohlstand ihrer Mitarbeiter untätig und unverantwortlich gefährden. Es ist nicht die Gesellschaft, die die Abschaffung der unsinnigen Produktpaletten fordert und auf die ökologische Kompatibilität von Mobilität besteht.
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