AWD-Gründer Carsten Maschmeyer verlässt Swiss Life

Carsten Maschmeyer zieht sich überraschend aus dem Verwaltungsrat von Swiss Life zurück: Der umstrittene AWD-Gründer reduziert seine Anteile am größten Schweizer Lebensversicherer auf weniger als drei Prozent - und dürfte damit etwa 60 Millionen Euro einnehmen.

Maschmeyer mit Lebensgefährtin Veronica Ferres: "Angriffen den Boden entziehen"
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Maschmeyer mit Lebensgefährtin Veronica Ferres: "Angriffen den Boden entziehen"


Zürich - Drei Jahre nach dem Verkauf seines Finanzmaklers AWD an Swiss Life zieht sich der Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer endgültig aus dem Geschäft zurück. Der AWD-Gründer stelle seinen Sitz im Swiss-Life-Verwaltungsrat mit sofortiger Wirkung zur Verfügung, bestätigte die Gesellschaft am Mittwochabend.

Der 52-Jährige werde außerdem seinen Anteil an Swiss Life von 5,05 Prozent auf unter drei Prozent reduzieren. Demnach wird die Beteiligungsgesellschaft Carsten Maschmeyer Family nicht länger zweitgrößter Einzelaktionär des Konzerns aus Zürich sein. Maschmeyers Beteiligung hat derzeit umgerechnet einen Wert von 125 Millionen Euro. Mit dem Verkauf könnte er nach Einschätzung der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) etwa 60 Millionen Euro einnehmen. Die Reduzierung von Maschmeyers Anteil werde nicht über den Markt erfolgen, hieß es.

Wie die "SZ" berichtet, traf die Nachricht den größten Schweizer Lebensversicherer überraschend. Swiss Life nehme die Entscheidung Maschmeyers "mit großem Respekt zur Kenntnis", teilte Verwaltungsratspräsident Rolf Dörig mit. "Ich möchte mit diesem Entschluss den unberechtigten Angriffen auf meine Person und auf AWD den Boden entziehen", sagte Maschmeyer zu einem Entschluss. "Mit der Mandatsniederlegung und dem Anteilsverkauf sind die falschen Unterstellungen, ich würde operativen Einfluss auf den AWD nehmen, absolut gegenstandslos", so der Multi-Millionär.

AWD drohen Kunden-Rückforderungen in Millionenhöhe

"Maschmeyer zieht einen Schlussstrich unter das Kapitel AWD", sagte ein Insider. Dem Finanzdienstleister AWD drohen laut Informationen von "NDR Info" und "Panorama" Kunden-Rückforderungen in dreistelliger Millionenhöhe. AWD soll über eine Tochterfirma überhöhte Provisionen für Fondsgeschäfte kassiert haben.

Die Vorwürfe beziehen sich demnach auf den Vertrieb von geschlossenen Fonds rund um den Börsengang im Jahr 2000. Dokumente aus der damaligen Zeit zeigten, dass in vielen Fällen offenbar mehr als 15 Prozent Provision geflossen seien. Der AWD hätte seine Kunden damals darüber aufklären müssen. Das Umsatzvolumen im Geschäft mit den geschlossenen Fonds habe laut "NDR Info" und "Panorama" schätzungsweise zwischen 500 und 700 Millionen Euro gelegen. Der AWD bestreitet die Vorwürfe.

Maschmeyer war bereits zuvor wegen behaupteter Betrugsfälle bei AWD ins Gerede gekommen. So hatte der österreichische Verein für Konsumenteninformation (VKI) Maschmeyer und 19 AWD-Manager im April dem Magazin "Stern" zufolge wegen gewerbsmäßigen Betrugs angezeigt. Der VKI wirft dem AWD demnach vor, Tausenden Kunden in Österreich gezielt und systematisch riskante Anlagen mit falschen Versprechungen verkauft zu haben, um selbst hohe Provisionen einzustreichen.

Maschmeyer hatte im April 1988 in Hannover die Finanzvertriebsgesellschaft Allgemeiner Wirtschaftsdienst (AWD) gegründet. Seit 2000 ist die AWD Holding AG Chart zeigen an der Börse notiert. Ende 2007 übernahm der Schweizer Versicherer Swiss Life Chart zeigen den AWD für 1,2 Milliarden Euro und kämpft seither damit, die Geschäfte seiner von der Finanzkrise stark getroffenen Tochter wieder in Schwung zu bringen. Der Konzern hat die Rückstellungen für die Rechtsstreitigkeiten kürzlich erhöht.

Maschmeyer wolle sich nun voll auf seine anderen Investments konzentrieren. Kürzlich war er unter anderem beim Fahrradhersteller Mifa eingestiegen. Maschmeyer, der mit der Schauspielerin Veronica Ferres liiert ist, plant nach eigenen Aussagen ein langfristiges Engagement bei dem Fahrradbauer: "Die Bereiche Gesundheit, Fitness werden zukünftig stark wachsen", ließ er verlauten.

lgr/Reuters/dpa-AFX



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snickerman 07.12.2011
1. Volltreffer!
Zitat von sysopCarsten Maschmeyer zieht sich überraschend aus dem Verwaltungsrat von Swiss Life zurück: Der AWD-Gründer hatte sein Unternehmen 2008 an den größten Schweizer Lebensversicherer verkauft. Jetzt reduziert er seine Anteile auf weniger als drei Prozent - und dürfte damit etwa 60 Millionen Euro einnehmen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,802373,00.html
Ich wusste das, weil vor kurzem zum ersten Mal in Österreich der erste Prozess gegen diesen Betrügerverein vom AWD gewonnen wurde. Nun macht sich der feine Herr Maschmeyer langsam vom Acker, auch wenn er in Deutschland eine Menge mächtiger Freunde hat. Bestimmt erwirbt er demnächst ein großes Anwesen auf den Kanal-Inseln oder den Bahamas und zieht sich dorthin zurück. Ich sehe ihn lieber im Knast, er ist verantwortlich dafür, dass Hunderttausende vertrauensvoller Anleger ihr ganzes Erspartes verloren haben, weil ihnen diese Finanzhaie das Blaue vom Himmel heruntergelogen haben. Und anschließend wurden die Opfer zu Tätern erklärt, die angeblich zu gierig gewesen seien...
lmademo 27.01.2012
2. Maschmeyer / Veronica Ferres
Zitat von snickermanIch wusste das, weil vor kurzem zum ersten Mal in Österreich der erste Prozess gegen diesen Betrügerverein vom AWD gewonnen wurde. Nun macht sich der feine Herr Maschmeyer langsam vom Acker, auch wenn er in Deutschland eine Menge mächtiger Freunde hat. Bestimmt erwirbt er demnächst ein großes Anwesen auf den Kanal-Inseln oder den Bahamas und zieht sich dorthin zurück. Ich sehe ihn lieber im Knast, er ist verantwortlich dafür, dass Hunderttausende vertrauensvoller Anleger ihr ganzes Erspartes verloren haben, weil ihnen diese Finanzhaie das Blaue vom Himmel heruntergelogen haben. Und anschließend wurden die Opfer zu Tätern erklärt, die angeblich zu gierig gewesen seien...
Das sind Bussen Freunde unseres BP und seiner Parteifreunden CDU/CSU: " Maschmeyer mit Lebensgefährtin Veronica Ferres "...
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