Sparprogramm bei Axel Springer "Bild" und "Bild am Sonntag" sollen fusionieren

Die Pläne für den Konzernumbau bei Axel Springer werden klarer. Nach SPIEGEL-Informationen sollen die Redaktionen von "Bild" und "Bild am Sonntag" fusionieren. Hintergrund ist auch der Einstieg eines US-Investors.

Zu Axel Springer gehören neben den "Bild"-Marken, auch "Die Welt" und die "BZ"
Kay Nietfeld/dpa

Zu Axel Springer gehören neben den "Bild"-Marken, auch "Die Welt" und die "BZ"


Der Konzernumbau bei Axel Springer nimmt Fahrt auf. Nach SPIEGEL-Informationen aus Unternehmenskreisen sollen die Redaktionen von "Bild" und "Bild am Sonntag"("BamS") fusionieren. Die Mitarbeiter des Medienunternehmens sollen am Montag über diese und weitere einschneidende Maßnahmen informiert werden, heißt es. Der Brancheninformationsdienst "Horizont" berichtete zuerst über die Zusammenlegung.

Bislang sind "Bild" und "BamS" zwei eigenständige Redaktionen. Völlig autark arbeitende Teams will man sich in Zukunft aber offenbar nicht mehr leisten. Vorstandschef Matthias Döpfner hatte bereits in der Vergangenheit angedeutet, dass die beiden Redaktionen enger zusammengeführt werden sollen. Laut "Horizont" soll die Fusion mit dem derzeitigen "Bild"-Chef Julian Reichelt als Vorsitzendem der Chefredaktion vollzogen werden.

Trotz engerer Zusammenarbeit soll die "Bild am Sonntag" als eigenständige Marke weitergeführt werden. Wenn die Redaktionsabläufe eng verzahnt werden, stellt sich jedoch die Frage, was aus der "BamS"-Chefredakteurin Marion Horn wird. Horn war bisher sehr an der Eigenständigkeit ihres Blattes gelegen. Als erste Frau an der Spitze leitet sie die Boulevardzeitung seit sechs Jahren, was sie kürzlich noch in einer Twitter-Nachricht feierte. Laut "Horizont" kommen sie und Reichelt nicht besonders gut miteinander aus, was die Spekulationen über ihr mögliches Ausscheiden zusätzlich befeuert.

"Bild am Sonntag" soll eigenständige Marke bleiben

Hintergrund der Redaktionszusammenlegung sind Sparmaßnahmen bei Axel Springer mit seinen weltweit rund 16.000 Mitarbeitern. Das Berliner Medienhaus sieht seine Zukunft vor allem in digitalen Geschäftsfeldern. Vorstandschef Döpfner träumt davon, als Digitalkonzern weltweit Marktführer zu werden. Das Geschäft mit Printtiteln und Druckereien macht dabei Probleme.

Heute steht das Unternehmen auf zwei Säulen: das klassische Nachrichtengeschäft in Print und Online (News Media) sowie digitale Rubrikenmärkte (Classifieds Media). Zum ersten Bereich gehören neben der "Bild"-Gruppe und den "Welt"-Marken auch reine Onlinepublikationen wie "Business Insider" oder der europäische Ableger des US-Mediums "Politico". Die Erlöse im Geschäft mit digitalen Rubrikenanzeigen kommen von Firmen wie der Stellenbörse Stepstone oder Immobilienplattformen wie Immowelt.de.

Umsätze im Nachrichtengeschäft sinken

Der Bereich News Media ist mit 685,9 Millionen Euro Umsatz im ersten Halbjahr 2019 noch immer der Hauptumsatzbringer, gefolgt vom Rubrikengeschäft mit 613,6 Millionen Euro. Allerdings sind die Umsätze im Nachrichtengeschäft seit Jahren rückläufig. Besonders im Printbereich. Im ersten Halbjahr 2019 lag das Minus bei rund sechs Prozent. Nur auf Deutschland bezogen reduzierte sich der Umsatz sogar um acht Prozent.

Aus diesem Grund hatte Springer schon vor Jahren sein Portfolio um Regionalzeitungen und diverse Zeitschriften bereinigt und dagegen in Onlineunternehmen wie Stepstone investiert. Doch weil Springer ein börsennotiertes Unternehmen ist, konnten solche Umstrukturierungen und der damit verbundene Personalabbau immer nur "scheibchenweise" durchgeführt werden, sagte Döpfner kürzlich in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Ansonsten hätten die Kosten das Quartalsergebnis zu sehr belastet und den Aktienkurs gedrückt.

Die Rolle des Finanzinvestors KKR

In Zukunft muss das Unternehmen darauf keine Rücksicht mehr nehmen, denn Springer soll nach 35 Jahren von der Börse verschwinden. Dann nämlich, wenn die Kartellbehörden den Einstieg des amerikanischen Finanzinvestors Kohlberg Kravis Roberts (KKR) genehmigen. Der bietet rund 2,9 Milliarden Euro für 42,5 Prozent des Konzerns. Weitere 1,04 Prozent hat er am Markt aufgenommen. Die restlichen Anteilsprozente verteilen sich auf die Verleger-Witwe Friede Springer (42,6 Prozent), Enkel von Axel Springer und Vorstandschef Döpfner (2,8 Prozent). Ende 2019 oder Anfang 2020 soll die Transaktion abgeschlossen sein.

löw



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