Pearson Axel Springer Verlag greift nach "Financial Times"

Der Axel Springer Verlag steht kurz davor, die renommierte Wirtschaftszeitung "Financial Times" zu übernehmen. Aus Kreisen des Verlags heißt es, schon in den kommenden Stunden könnte die Entscheidung fallen.

Financial Times: Prestige-Zeitung für den Springer-Konzern
AP/PA Dept. of Transportation via Lancaster Newspapers

Financial Times: Prestige-Zeitung für den Springer-Konzern

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Der Axel Springer Verlag steht kurz davor, die renommierte Wirtschaftszeitung "Financial Times" ("FT") zu übernehmen. Aus Kreisen des Verlags heißt es, die Verhandlungen seien sehr weit gediehen, schon in den kommenden Stunden könnte klar sein, ob der Verlag zum Zuge kommt. Das Rennen scheint denkbar knapp zu sein: Bis gestern, so heißt es in eingeweihten Kreisen, seien noch insgesamt drei Bieter im Rennen gewesen.

Auf das lachsrosa Wirtschaftsblatt hat Springer-Chef Mathias Döpfner schon lange einen Blick geworfen. Die "FT" steht für vieles, was Döpfner immer schon gerne gehabt hätte: eine globale Nachrichtenmarke, die dank englischer Sprache keine Grenzen kennt und sich in den vergangenen Jahren erfolgreich digitalisiert hat. Die "FT" hat ihre Leser dazu gebracht, im Netz zu bezahlen: Mehr als die Hälfte des Umsatzes macht die Zeitung heute nicht mehr mit Anzeigen, sondern mit dem Verkauf ihrer Inhalte, ob gedruckt oder im Netz. Deutsche Verleger blicken deshalb voll Neid auf das Blatt.

Döpfner, ein Missionar in Sachen Paid Content, hat sich, wenn auf den letzten Metern nichts schiefgeht, die Trophäe nun geschnappt. Wie viel der Verlag an Pearson bezahlt, ist bisher nicht bekannt, unter einer Milliarde Euro dürfte die Zeitung kaum zu haben sein. Zwar kauft der Springer-Verlag beinahe im Wochentakt ein - Online-Portale, E-Commerce-Plattformen, Nachrichten-Webseiten - doch auf ein Geschäft dieser Größenordnung hat Döpfner lange gewartet.

Parallel laufen auch Gespräche über ein neuerliches Zusammengehen mit der Sendergruppe ProSiebenSat.1, das selbst Beteiligte allerdings für wenig chancenreich halten und das mit dem Erwerb der "FT" nicht eben wahrscheinlicher wird.

Gerüchte, dass der Mutterkonzern Pearson seine Prestigemarke "FT" losschlagen will, gibt es schon länger, tatsächlich will sich der Konzern in erster Linie auf sein Bildungsgeschäft konzentrieren. In Großbritannien, dem Heimatmarkt der "FT", liegt die gedruckte Auflage inzwischen bei nur 36.000 Exemplaren, vor fünf Jahren waren es noch gut 66.000 Stück.

Die Zahl der Digitalabos dagegen hat inzwischen die Marke von mehr als 500.000 überschritten. Ein großer Teil davon entfällt auf Abos, die von Unternehmen für ihre Angestellten bezahlt werden.

Doch das rasante Wachstum hat für die "FT" auch neue Herausforderungen gebracht: Die einstmals britische Zeitung ist zum unmittelbaren Wettbewerber von globalen Konzernen wie Bloomberg, Thomson Reuters oder der Murdoch-Tochter Dow Jones geworden, die weitaus größere finanzielle Ressourcen haben. Auch Bloomberg galt zunächst als potenzieller Interessent.

Pearson hatte 2007 bereits die französische Finanzzeitung "Les Échos" an den Luxusgüterkonzern LVMH und nur ein Jahr später die 50-Prozent-Beteiligung an der "Financial Times Deutschland" ("FTD") an Gruner + Jahr verkauft. Im Dezember 2012 stellte Gruner + Jahr die "FTD" schließlich ein.



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