Baden-Württemberg EnBW-Chef räumt seinen Posten

Es fehlte schlicht an gegenseitigem Vertrauen: Hans-Peter Villis hat seinen Rückzug vom Chefposten des drittgrößten deutschen Energiekonzerns EnBW angekündigt. Grund ist das angespannte Verhältnis zwischen dem bekennenden Atombefürworter und der grün-roten Landesregierung.
Noch-EnBW-Chef Villis: Nicht mehr das "ungeteilte Vertrauen des Aufsichtsrats"

Noch-EnBW-Chef Villis: Nicht mehr das "ungeteilte Vertrauen des Aufsichtsrats"

Foto: Ronald Wittek/ dpa

Stuttgart/Karlsruhe - Ein grüner Ministerpräsident und der Chef eines Atomkonzerns - das konnte nicht gutgehen. Tatsächlich steht die kuriose Liaison aus Baden-Württemberg jetzt vor dem Ende: Der Vorstandschef von Deutschlands drittgrößtem Versorger EnBW, Hans-Peter Villis, wird seinen Vertrag nicht verlängern. Nach langem Streit mit der grün-roten Landesregierung räumt er im kommenden Jahr das Feld.

Villis stehe für eine Vertragsverlängerung nicht zur Verfügung, teilte EnBW am Dienstag in Karlsruhe mit. Er habe Aufsichtsratschef Claus Dieter Hoffmann mitgeteilt, dass er seinen Ende September 2012 auslaufenden Vertrag nicht verlängern wolle. Der Grund: Er könne nicht mehr "vom ungeteilten Vertrauen des Aufsichtsrats ausgehen". Gemeint sein dürften vor allem die beiden Vertreter der Landesregierung: Nils Schmid, SPD-Finanzminister und stellvertretender Ministerpräsident sowie Silke Krebs, Staatsministerin der Grünen.

Er nehme den Schritt von Villis mit Respekt zur Kenntnis, sagte Finanzminister Schmid SPIEGEL ONLINE. Man werde jetzt in Ruhe nach einem geeigneten Nachfolger suchen.

Tatsächlich war das Verhältnis zwischen Villis und der Landesregierung, neben dem kommunalen Zweckverband OEW der zweite Hauptanteilseigner, extrem angespannt. "Villis fehlt tatsächlich das Vertrauen der Landesregierung, er hat in den vergangenen Monaten nichts getan, um das zu ändern", sagt ein Insider.

Bisher klarer Atomkurs bei EnBW

Bis zur Machtübernahme von Grünen und SPD in Baden-Württemberg im Frühjahr 2011 hatte EnBW einen klaren Atomkurs verfolgt und mit einem Atom-Anteil von 51 Prozent von allen Stromversorgern am stärksten auf diese Energiequelle gesetzt. Nach der Zwangsabschaltung von zwei der vier EnBW-Atomreaktoren in diesem Jahr rutschte der Konzern in die roten Zahlen. Gleichzeitig habe Villis der Landesregierung kein überzeugendes Konzept für die Weiterentwicklung des Unternehmens vorlegen können, heißt es in Regierungskreisen.

Zu Irritationen hatte auch immer wieder der Kommunikationsstil von Villis geführt: Im Sommer etwa forderte der EnBW-Chef eine Kapitalerhöhung von rund 800 Millionen Euro - ohne vorherige Absprache mit den Anteilseignern. Und erst vor wenigen Wochen erklärte Villis recht forsch, er werde den Konzern auch in den kommenden Jahren führen - was bei der Landesregierung eher pikiert zur Kenntnis genommen wurde. SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel bezeichnete das damals spöttisch als "interessant". Was eher klang wie: "Das sehen wir aber anders."

Im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung an diesem Donnerstag sei Villis klar gemacht worden, dass er nicht mehr auf die notwendige Unterstützung hoffen kann, hieß es in Stuttgart. Das Land Baden-Württemberg hatte unter dem damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) EnBW Ende 2010 vom französischen Energiekonzern EDF zurückgekauft. Das Geschäft über fünf Milliarden Euro wurde ohne Zustimmung des Landtags vollzogen, was der Staatsgerichtshof jüngst als verfassungswidrig einstufte. In der Folge war der ehemalige Finanzminister und zwischenzeitliche Landtagspräsident, Willi Stächele (CDU), zurückgetreten. Auch Mappus steht in der Kritik.

cte/sam/Reuters/dpa/AFP