Milliarden-Deal Japaner kaufen Badezimmerausrüster Grohe

Ein Weltstar aus dem Sauerland wird japanisch: Der asiatische Armaturenhersteller Lixil übernimmt die Firma Grohe für 2,7 Milliarden Euro. Das Geld fließt an zwei Finanzinvestoren, die mit dem Kauf kräftig Kasse machen.

Grohe-Zentrale in Düsseldorf: Hoher Umsatz, hohe Schulden
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Grohe-Zentrale in Düsseldorf: Hoher Umsatz, hohe Schulden


Düsseldorf/ Tokio - Es ist der größte Zukauf eines japanischen Unternehmens in Deutschland: Der Konzern Lixil übernimmt den Armaturenhersteller Grohe. Man habe sich mit den Eigentümern von Grohe grundsätzlich auf einen Kaufvertrag geeinigt, sagte Lixil-Chef Yoshiaki Fujimori zunächst am Donnerstag in Tokio. Wenig später bestätigte Grohe, dass Lixil gemeinsam mit der Development Bank of Japan 87,5 Prozent der Anteile erwerbe. Bei einem Firmenwert von rund drei Milliarden Euro entspreche dies knapp 2,7 Milliarden Euro.

Die Übernahme werde voraussichtlich im ersten Quartal 2014 über die Bühne gehen, teilte Grohe mit. Das Unternehmen und seine chinesische Tochterfirma Joyou blieben innerhalb des japanischen Konzerns eigenständig. Auch die Unternehmensleitung werde sich nicht verändern.

Europas größter Armaturenhersteller war im Jahr 2004 für rund 1,5 Milliarden Euro von zwei Finanzinvestoren übernommen worden: der amerikanischen Texas Pacific Group (TPG) sowie einer Tochtergesellschaft der Schweizer Großbank Credit Suisse. Der Fall hatte im Bundestagswahlkampf 2005 für Aufsehen gesorgt, weil er zunächst als Paradebeispiel für das skrupellose Verhalten sogenannter Heuschrecken galt, die mittelständische Unternehmen kaufen und aussaugen.

Ganz so schlimm kam es bei Grohe nicht. Immerhin blieben die Investoren sieben Jahre dabei. Der Umsatz hat sich in dieser Zeit fast verdoppelt und liegt heute bei 1,4 Milliarden Euro. Vielen gilt der Fall sogar als Musterbeispiel eines gelungenen Konzernumbaus. Nur die immensen Schulden von 1,5 Milliarden Euro zeugen von den typischen Symptomen eines von Finanzinvestoren übernommenen Unternehmens.

Vorteil für die Finanzinvestoren

Die Grohe-Gruppe beschäftigt heute nach eigenen Angaben weltweit rund 9000 Mitarbeiter. 2300 davon sind an drei deutschen Produktionsstandorten beschäftigt. Die Konzernzentrale war 2008 aus dem Sauerland nach Düsseldorf gezogen.

Nichtsdestotrotz machen TPG und Credit Suisse bei dem Verkauf kräftig Kasse. Sie hatten bis zuletzt eine Doppelstrategie verfolgt und dabei auch einen Börsengang ins Spiel gebracht, um so den Druck auf Lixil zu erhöhen, mehr Geld auf den Tisch zu legen.

Der Verkauf an einen Wettbewerber hat für die Finanzinvestoren den Charme, das Unternehmen auf einen Schlag loszuwerden. Bei einem Börsengang würden TPG und die Private-Equity-Sparte von Credit Suisse nur einen Teil ihrer Anteile verkaufen. Damit gingen sie das Risiko ein, lange auf einen guten Zeitpunkt für die Veräußerung der restlichen Anteile warten zu müssen.

stk/Reuters/dpa



insgesamt 122 Beiträge
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juergenhesse 26.09.2013
1. In der Zukunft von China durch Japan importiert?
Die Japaner sind doch nur an der Technologie interessiert. Da muss ich mich wohl in der Zukunft nach franzoesischen Herstellern umsehen. Brachial Kapitalismus
RocknRolli 26.09.2013
2. einmal Saldo bitte
Der Umsatz hat sich verdoppelt auf 1.4 Milliarden - die Schulden liegen bei 1,5 Milliarden. Das ist ja ein Riesenerfolg
koves 26.09.2013
3. billig, billiger...
Grohe ist schon längst nicht mehr das, was es mal war. Wärend die Firma früher Innovationen wie die erste Einhebel-Mischerarmatur auf den Markt brachte und im Design führend war, ist sie nun zu einer Billigmarke verkommen. Schuld daran ist der bisherige Eigentümer, der möglichst billig in China produzieren ließ. Längst gibt es andere bessere (deutsche) Premiumhersteller, die diesen Namen auch verdienen. Es wartet also Arbeit auf den neuen Eigentümer.
j.cotton 26.09.2013
4. Kasse machen!
Zitat von sysopDPAEin Weltstar aus dem Sauerland wird japanisch: Der asiatische Armaturenhersteller Lixil übernimmt die Firma Grohe für rund drei Milliarden Euro. Das Geld fließt an zwei Finanzinvestoren, die mit dem Kauf kräftig Kasse machen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/badezimmerausruester-grohe-japaner-kaufen-a-924577.html
engolf & devour machen Kasse, der Rest geht den Bach runter. Gut das FD & P wenigstens nicht meht dabei sind und Beifall klatschen...
thomas_gr 26.09.2013
5. optional
Umsätze sind überhaupt kein Maßstab. Der lässt sich mit allerhand vertriebs- und marketingtechnischen Mitteln (Kosten) antreiben. Der Schuldenberg wird nicht von ungefähr kommen. Mal schauen wie lange Deutschland noch ein Produktionsstandort bleibt.
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