Bilanzskandal Bafin ignorierte Bundesbank bei umstrittenem Wirecard-Leerverkaufsverbot

Die Bundesbank äußerte frühzeitig Bedenken gegen das umstrittene Leerverkaufsverbot auf Wirecard-Aktien. Sie konnte sich damit aber bei der Finanzaufsicht Bafin nicht durchsetzen, wie interne Dokumente jetzt zeigen.
Wirecard-Zentrale in Aschheim bei München

Wirecard-Zentrale in Aschheim bei München

Foto: Peter Kneffel / DPA

Im Frühjahr 2019 hatten sich die Vorwürfe gegen Wirecard erhärtet, der Kurs der Aktie war deutlich eingebrochen. Die Finanzaufsicht Bafin reagierte damals – aber nicht etwa, indem sie ihre Nachforschungen hinsichtlich der Vorwürfe intensivierte. Stattdessen verbot sie Investoren, die mit geliehenen Wirecard-Aktien auf deren Kursverfall spekulierten, diese sogenannten Leerverkäufe.

Nun zeigt ein interner Vermerk der Bundesbank, der sich in den Akten findet, die dem Wirecard-Untersuchungsausschuss übermittelt wurden: Die Bundesbank hat frühzeitig Bedenken gegen das umstrittene Leerverkaufsverbot auf Wirecard-Aktien geäußert, konnte sich damit aber bei der Finanzaufsicht Bafin nicht durchsetzen. Die Bundesbank betont in dem Dokument mehrfach ihre von der Argumentation der Bafin abweichende »skeptische Einschätzung«. Zuerst hatte das »Handelsblatt« über den Vermerk berichtet.

Finanzmarkt in die Irre geführt?

»Am Freitag, dem 15.02.2019, informierte die Bafin gegen Mittag die Bundesbank über eine möglicherweise bevorstehende leerverkaufsbeschränkende Maßnahme mit Bezug auf Aktien der Wirecard AG«, zitiert die Zeitung aus dem Papier. Während die Bafin eine »ernst zu nehmende Bedrohung für das Marktvertrauen in Deutschland« aufgrund von Spekulationen gegen die Wirecard-Aktie witterte, sah die Bundesbank keinen Handlungsbedarf. »Die Bundesbank informierte die Bafin daraufhin telefonisch informell (gegen 20:30 Uhr), dass sie diese Einschätzung nicht teile und die damalige Kursentwicklung (…) keine Ausstrahlungseffekte auf andere in Deutschland börsennotierte Finanztitel hätte«, heißt es in dem Vermerk weiter. »Damit lagen keine Anhaltspunkte vor, die auf Risiken für die Finanzstabilität gedeutet hätten.«

»Mit der Strafanzeige gegen Journalisten und dem Leerverkaufsverbot für Wirecard-Titel hat die Bafin den Finanzmarkt komplett in die Irre geführt«, sagte der finanzpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Florian Toncar, im Wirecard-Untersuchungsausschuss. »Bei Anlegern und Banken entstand der Eindruck, bei Wirecard sei trotz aller Gerüchte alles in Ordnung, sodass das Unternehmen den Geldgebern immer neue Milliarden aus den Rippen leiern konnte.« Der FDP-Obmann im Wirecard-Untersuchungsausschuss kritisierte die Rolle der Finanzaufsicht. Die Bafin habe »offenbar sogar die fachlichen Bedenken der Bundesbank beiseitegeschoben«, sagte Toncar.

hej