"Unkalkulierbares Verlustrisiko" BaFin verbietet Finanzprodukte mit Hebelwirkung

Die deutsche Finanzaufsicht zieht erstmals eine ganze Gruppe riskanter Finanzprodukte aus dem Verkehr: Banken dürfen Privatkunden bestimmte CFDs nicht mehr anbieten.
Bankenviertel in Frankfurt am Main

Bankenviertel in Frankfurt am Main

Foto: Christoph Schmidt/ dpa

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin verbietet den Verkauf besonders riskanter Finanzprodukte an private Anleger. Sogenannte Differenzgeschäfte (CFDs) mit einer Nachschusspflicht dürften ihnen künftig nicht mehr angeboten werden, teilte die Behörde mit.

Die Papiere hätten für Privatkunden ein "unkalkulierbares Verlustrisiko", sagte die Chefin der Wertpapieraufsicht der BaFin, Elisabeth Roegele. Entsprechende Pläne hatte die Finanzaufsicht bereits im Dezember angekündigt. Anbieter der Papiere haben nun drei Monate Zeit, auf das Verbot zu reagieren.

Mit CFDs können Anleger auf die Kursentwicklungen etwa von Aktien oder Rohstoffen spekulieren. Verglichen mit Direktinvestments ist der Kapitaleinsatz gering, da die Papiere nur die Kursänderungen abbilden. Bei einer positiven Abweichung erhält der Anleger den Differenzbetrag, bei einer negativen muss er diesen ausgleichen. Bei CFDs mit Nachschusspflicht wetten Anleger nicht nur mit ihrem eingesetzten Geld, sondern müssen Geld nachschießen, wenn die auszugleichende Differenz den Kapitaleinsatz übersteigt. Sie können schlimmstenfalls ein Vielfaches ihres Geldes verlieren.

CFDs waren 2015 in den Fokus der Öffentlichkeit geraten, als die Schweiz die Bindung des Franken an den Euro überraschend aufgab. Der Euro brach daraufhin gegenüber dem Franken ein - und auf viele CFD-Investoren kamen hohe Nachschusspflichten zu. Bei Verbraucherschützern gingen in der Folge zahlreiche Beschwerden ein.

Es ist das erste Mal, dass die BaFin mit dem Verbot einer ganzen Gruppe von Finanzprodukten Ernst macht. Die Behörde nutzt dazu ihre neuen Kompetenzen für den Verbraucherschutz.

man/Reuters/dpa

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