Tarifstreit Bahn erweitert Angebot an Lokführergewerkschaft GDL

Bewegung im Tarifstreit: In dem umstrittenen Punkt, welche Gewerkschaft für wen verhandeln darf, kommt die Bahn der Lokführergewerkschaft GDL offenbar ein Stück entgegen. Doch deren Chef Weselsky reicht das nicht.

DPA

Berlin - Vor allem eine Forderung steht im Mittelpunkt des Tarifstreits zwischen Deutscher Bahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer: Die GDL will durchsetzen, dass sie für ihre Mitglieder beim gesamten Zugpersonal verhandeln kann, nicht nur für die Lokführer unter ihnen. Und genau in diesem Punkt hat die Bahn eigenen Angaben zufolge ihr Tarifangebot an die Lokführergewerkschaft nun erweitert.

"Wir haben ausdrücklich angeboten, auch für weitere Mitarbeitergruppen Tarifverträge abzuschließen", sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber am Freitag nach einer Verhandlungsrunde in Berlin. Als Beispiele nannte er Bordgastronomen und Lokrangierführer. Bedingung bleibe aber, dass es einheitliche Regelungen für alle Beschäftigten einer Berufsgruppe gebe. "Ich bin zuversichtlich, weil wir die maßgeblichen Forderungen der GDL positiv beantwortet haben", befand Weber.

Kein Streik über die Weihnachtstage bis Neujahr

GDL-Chef Claus Weselsky sieht das anders. Er kritisierte, dass das Angebot durch den Ausschluss konkurrierender Tarifverträge bei GDL und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) die Verhandlungen nicht weiterbringe. Skeptisch zeigte er sich auch, weil das schriftlich gefasste Angebot der Bahn anders aussehe als die mündliche Vereinbarung zuvor. In der kommenden Woche würden Hauptvorstand und Tarifkommission der GDL das Angebot der Bahn aber weiter prüfen, kündigte er an.

Die GDL-Gremien wollen in der kommenden Woche auch beraten, ob sie die Gespräche fortsetzen oder erneut zu einem Arbeitskampf aufrufen. Ob und wann es zu neuen Streiks komme, werde spätestens am Donnerstag bekannt gegeben, kündigte Weselsky an.

Der GDL-Chef bekräftigte, über die Weihnachtstage bis Neujahr werde es keine Arbeitskämpfe geben. "Ich sehe uns in einer Verhandlungs- und auch Arbeitskampfpause ab dem 20. Dezember bis in den Januar hinein", sagte er. Die GDL-Mitglieder haben bereits sechsmal gestreikt

bos/AFP/dpa

insgesamt 15 Beiträge
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j.polz 28.11.2014
1. So ist das...
wenn man aus der Deutschen Bundesbahn im Zuge des "liberalen" Zeitgeistes die Deutsche Bahn AG macht. Die früheren verbeamteten Lokführer durften und mußten auch nicht streiken, weil sie verbeamtet und anständig bezahlt wurden. Die Konservativen zogen voran und die Sozialdemokraten - etwas gebremst zwar - die zogen mit in Richtung "Schöne, neue Welt"! Lohndumping und dafür bessere Rendite für die Aktionäre (auch wenn das im Fall der Bahn gegenwärtig noch der Bund ist) das scheint das Ziel zu sein! Und die "Kleinen Leute", die sehen zu und haben oft keine Ahnung, daß sie genauso gekniffen sind, wie die angestellten Beschäftigten der Bahn AG. "Der glückliche Sklave ist der größte Feind der Freiheit" (Marie v. Ebner-Eschenbach)
Das Auge des Betrachters 28.11.2014
2. Die Bahn blufft...
Diese Scheinangebote der Arbeitgeber sind doch Nichts Neues. Die übliche Taktik einen Hauch von Nichts aufzublasen und damit Bereitschaft zu imitieren.
Progressor 28.11.2014
3. Tarifautonomie
Manche sagen unser Grundgesetz würde eine Tarifautonomie festschreiben, andere sagen dem wäre nicht so. Wir brauchen darüber nicht zu diskutieren: In einem Gemeinschaftswährungsraum kann es keine wie auch immer geartete Freiheit der Lohnfestsetzung geben. Die Gefahr wäre nämlich groß, dass zu niedrige oder zu hohe Löhne festgelegt werden, sodass die Leistungsbilanzen nicht mehr zum Ausgleich kommen. Die Eurostaaten haben damit die Aufgabe eine einheitliche Tarifstruktur für alle Branchen und Berufe festzulegen. Dies impliziert einen Bewertungskatalog wer und warum, wie viel verdient. Viel Spass damit! ;-)
stesch 28.11.2014
4. Wieder zu Fuß
"Bedingung bleibe aber, dass es einheitliche Regelungen für alle Beschäftigten einer Berufsgruppe gebe." Da werden wir uns wieder auf Streik und Alternativen zur Bahn einstellen müssen. Der Bahnvorstand ist anscheinend nicht lernfähig und unterbreitet absurde und unannehmbare Vorschläge. "Einheitliche Regelungen" bedeuten nichts anderes ein Tarifdiktat mit der kuscheligen EVG.
bonngoldbaer 28.11.2014
5. Bedingung
Diese Bedingung macht aus dem Angebot der Bahn eine Mogelpackung. Damit täuscht sie nicht einmal die, die sich über den nächsten Streik ärgern werden.
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