Lieferprobleme bei IC und ICE Bahn fürchtet Kundenflaute wegen Zug-Mangels

Der Bahn gehen im Fernverkehr langsam die Züge aus: Siemens und Bombardier können neue ICE und IC nicht rechtzeitig liefern, gleichzeitig steigen die Passagierzahlen an. Nun fürchtet die Bahn, Kunden könnten ihr wegen der überfüllten Waggons den Rücken kehren.

Montage eines ICE 3 bei Siemens: Lieferung von 16 Zügen ohne Termin
DPA

Montage eines ICE 3 bei Siemens: Lieferung von 16 Zügen ohne Termin


Berlin - Bei der Deutschen Bahn wird die Lage im Fernverkehr immer kritischer. Dabei kann sich der Konzern eigentlich über einen Passagieransturm freuen - das Problem ist nur: Er hat kaum noch genügend Züge, um die Nachfrage bedienen zu können. Auch in diesem Jahr sei wohl nicht mit der Auslieferung neuer ICE des Herstellers Siemens zu rechnen, sagte Bahn-Vorstandsmitglied Ulrich Homburg am Dienstag. Doch bereits jetzt verzichteten Reisende, die kurzfristig keine Reservierung mehr bekämen, auf die Fahrt mit der Bahn.

"Wir fahren im Prinzip jeden Tag ohne Reserve", sagte Homburg zur Situation im Personenfernverkehr. Für 16 bestellte ICE 3 habe Siemens Chart zeigen bislang keinen Auslieferungstermin genannt. Eigentlich hätten die Hochgeschwindigkeitszüge bereits seit Dezember 2011 fahren sollen. Dann war geplant, acht der ICE im Dezember 2012 in Betrieb zu nehmen. Dies scheiterte aber an Problemen mit der Software für die Zugsteuerung.

Ein Siemens-Sprecher sagte auf Anfrage, erst Ende Januar sei nach Abstimmung mit Bahn und Eisenbahn-Bundesamt klar gewesen, was an den ICE verändert werden müsse. Bis Ende Juli würden die Züge vom Unternehmen betriebsbereit gemacht. Dann beginne erneut das Zulassungsverfahren, das erfahrungsgemäß mindestens vier Monate dauern werde.

Auch die Auslieferung neuer IC-Züge verzögert sich. Die 135 umgebauten Doppelstockzüge, die von Bombardier Chart zeigen ab 2013 kommen sollten, seien jetzt erst für August 2014 angekündigt.

ICx kommen frühestens 2017

Homburg sagte, die Bahn wolle trotz der Probleme den Fernverkehr nicht einschränken und keinesfalls Linien streichen. "Aber Ende 2014 müssen wir Entspannung haben, sonst wird das die Nachfrage beschädigen", sagte der für den Personenverkehr zuständige Manager. Auch für die Fahrgäste der stark genutzten Strecken müsse es ein ausreichendes Angebot an Sitzplätzen geben.

Insgesamt ist die Verkehrsleistung im Fernverkehr der Bahn zufolge seit 2006 um elf Prozent gestiegen. Das Platzangebot in den Zügen ging jedoch zurück. Und die ersten Siemens-Züge aus dem Großauftrag für ICE-Nachfolgezüge unter dem Namen ICx kommen bei pünktlicher Lieferung erst 2017. "Wir können das Wachstum so nicht unendlich fortsetzen", sagte Homburg.

Allerdings hat die Bahn auch selbst zu dem aktuellen Engpass beigetragen. Um für den geplanten Börsengang 2008 fit zu sein, hatte der Konzern über Jahre die Bestellung neuer Fernzüge aufgeschoben, um die Sparte nicht mit Investitionskosten zu belasten. Allein 2012 hatte die Bahn den Gewinn dank des starken Passagierzustroms mehr als verdoppelt.

Das Unternehmen konnte damit die Schwäche des Güterverkehrs ausbügeln, der unter der weltweiten Konjunkturkrise leidet. In diesem Jahr ist das nicht mehr möglich: Statt eines weiteren Gewinnwachstums auf 2,9 Milliarden Euro, wie in der Planung vorgesehen, soll er jetzt nach Angaben aus Bahn-Kreisen allenfalls 2,6 Milliarden Euro betragen.

fdi/dpa/Reuters



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Seite 1
ecranhiver 04.06.2013
1. kein Wunder..
Wer an Pfingsten unterwegs war, hat genau das gemerkt. Übervolle Züge, unkoordinierte Planung. Wen man von Norden nach Süden unterwegs war, ohne zu reservieren, hatte man Pech-man wurde aus dem Zug "geworfen", d.h. der Zug fuhr nicht weiter, bis die Leute ausgestiegen waren-er hielt am Bhf X südl Hannover, dann wurden die stehenden Fahrgäste aufgefordert in einen IC umzusteigen. Der hatte dann natürlich Verspätung, durch das Procedere kein Wunder. Und das alles bei einem Fahrpreis von 100.- Euro für eine 4 h Verbindung(Normalpreis). Also ist die Bahn inzwischen nicht mehr in der Lage ein erwartbar verkehrsreiches Wochenende wie Pfingsten mit Ersatzwaggons oder Zügen zu managen. Ist das ein Wunder, wenn man dann sehnsüchtig auf die Fernbuslinien wartet?? Ob die dann im Stau stehen-kein Problem- bei den letzten 3 Fernreisen mit der Bahn hatte ich jeweils auch immer eine h Verspätung. Arme Bahn..
carranza 04.06.2013
2. Nicht ganz so einfach,wie die Bahn fürchtet
Zitat von sysopDPADer Bahn gehen im Fernverkehr langsam die Züge aus: Siemens und Bombardier können neue ICE und IC nicht rechtzeitig liefern, gleichzeitig steigen die Passagierzahlen an. Nun fürchtet die Bahn, Kunden könnten ihr wegen der überfüllten Waggons den Rücken kehren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bahn-fuerchtet-kunden-schwung-wegen-verzoegerter-ice-lieferung-a-903809.html
Überfüllte Züge auf den Hauptstrecken, aber ebenso zu hohe Fahrpreise, Verspätungen und schlechte Anbindung des Hinterlandes an die Hauptstrecken sind die Probleme denen sich die DB stellen muß.
borea 04.06.2013
3. Heruntergekommene ICs
Wenn die Bahn vor Jahren angefangen hätte, neue Züge zu kaufen, würden Verzögerungen nicht so auffallen. Hat Sie aber nicht und schiebt jetzt die alleinige Schuld auf die Hersteller. Die Hersteller tragen sicherlich auch Schuld, aber z.B. nicht an den versifften IC-Zügen, die durch Deutschland fahren und erst nach und nach saniert werden. Und noch eins. Wer nur zu Feiertagen Bahn fährt, kann wohl kaum eine Auskunft zu den normalen Problemen bei der Bahn geben. Selbst mit 30 Zügen mehr, würde die Bahn keine Chance haben, die Menschenmassen zu bedienen, die auf einmal auf die Idee kommen Bahn zu fahren. Die Autobahnen können diese auch nicht aufnehmen, aber die Busse kommen zu Pfingsten sicherlich gut durch, einfach so, weil es Busse sind.
Robert_Rostock 04.06.2013
4. Artikel lesen...
Zitat von ecranhiverWer an Pfingsten unterwegs war, hat genau das gemerkt. Übervolle Züge, unkoordinierte Planung. Wen man von Norden nach Süden unterwegs war, ohne zu reservieren, hatte man Pech-man wurde aus dem Zug "geworfen", d.h. der Zug fuhr nicht weiter, bis die Leute ausgestiegen waren-er hielt am Bhf X südl Hannover, dann wurden die stehenden Fahrgäste aufgefordert in einen IC umzusteigen. Der hatte dann natürlich Verspätung, durch das Procedere kein Wunder. Und das alles bei einem Fahrpreis von 100.- Euro für eine 4 h Verbindung(Normalpreis). Also ist die Bahn inzwischen nicht mehr in der Lage ein erwartbar verkehrsreiches Wochenende wie Pfingsten mit Ersatzwaggons oder Zügen zu managen. Ist das ein Wunder, wenn man dann sehnsüchtig auf die Fernbuslinien wartet?? Ob die dann im Stau stehen-kein Problem- bei den letzten 3 Fernreisen mit der Bahn hatte ich jeweils auch immer eine h Verspätung. Arme Bahn..
Wie wäre es, wenn man vor dem reflexmäßigen Eindreschen auf die Bahn mal den Artikel durchlesen würde, um den es hier geht? Da steht nämlich drin, warum die Bahn nicht genügend Züge und Waggons hat. Aber Ihrer Meinung nach versteckt die böse Bahn die wahrscheinlich nur, um Sie zu ärgern.
darkview 04.06.2013
5. kurzfristiges wirtschaftliches Denken
... hier sieht man ein Beispiel wie aus dem Lehrbuch. Die Gewinne stiegen, weil Investitionen nicht die Bilanz verhagelten. Und nun ist das Gejammer da, das wirtschaftliche Ergebnis kehrt sich genau aus diesem Grund ins Gegenteil. Politiker, mal genau hingucken: Lehrer
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