Probleme im Zugbetrieb Grüne fordern Zerschlagung des Bahn-Konzerns

Verspätungen, Personalmangel, defekte Züge: Für die Probleme der Bahn sehen die Grünen nur eine Lösung - eine umfassende Reform des Unternehmens. Andernfalls liefen geplante Investitionen ins Leere.

ICE im Berliner Hauptbahnhof (Archivbild)
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ICE im Berliner Hauptbahnhof (Archivbild)


Angesichts der großen Probleme bei der Deutschen Bahn fordern die Grünen umfassende Reformen und die Zerschlagung des Konzerns. "Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass der Konzern sich neu aufstellt", sagte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter der "Süddeutschen Zeitung". Es gehe zuerst darum, das zersplitterte Zuständigkeits-Chaos zu vieler kleiner Gesellschaften aufzulösen. Die verschiedenen Töchter, die alle für das Netz verantwortlich seien, müssten zu einer Infrastruktur-Gesellschaft fusionieren. "Ohne klare Zuständigkeiten laufen auch Milliardeninvestitionen ins Leere", warnte Hofreiter.

Nötig für mehr Wettbewerb sei aber auch eine Zerschlagung des Unternehmens in zwei Teile: Netz- und Transportgeschäft müssten getrennt werden, sagte Hofreiter. Bei den Finanzproblemen helfen solle zudem eine Teilprivatisierung. "Der Verkauf von Tochterunternehmen wie Arriva und Schenker könnte frisches Geld in die Kasse bringen, um Zukunftsprojekte anzupacken", sagte Hofreiter.

Der Aufsichtsrat der Bahn will am Freitag über Ergebnisse seiner zweitägigen Klausurtagung informieren. Themen waren unter anderem Maßnahmen gegen die wachsende Verspätung von Zügen, verbesserte Wartung und Instandhaltung der Züge sowie zusätzliche Investitionszuschüsse des Eigentümers Bund an die Bahn in Milliardenhöhe.

Die Bahn steht wegen vieler Verspätungen in der Kritik. Im Oktober kamen nur 71,8 Prozent der Züge pünktlich an ihre Ziele. Nach einem Bericht des ARD-Magazins "Kontraste" fehlen derzeit rund 5800 Mitarbeiter im "betriebskritischen Bereich" des Zugverkehrs. Darüber hinaus seien im Sommer nur 20 Prozent der eingesetzten ICE-Züge "voll funktionsfähig" unterwegs gewesen.

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Das Unternehmen räumte am Donnerstag ein: "Mit dem aktuellen Stand der Fehlerbeseitigung in unserer Zugflotte sind wir selbst nicht zufrieden. Deshalb haben wir dem Aufsichtsrat detaillierte und umfassende Vorschläge vorgelegt, wie wir kurzfristig zusätzliche Ressourcen für die Wartung und Instandhaltung der Züge aufbauen können."

Für Oktober hatte die Deutsche Bahn ihren Pünktlichkeitswert im Fernverkehr mit nur 73 Prozent angegeben, geplant waren eigentlich 82 Prozent. Dieses Ziel sei nun auf das Jahr 2025 vertagt worden. Wegen der schlechten Pünktlichkeitsquote hatte die Bahn erst vor wenigen Tagen ihren bisherigen Fernverkehr-Vorstand Kai Brüggemann abgelöst - und durch den bisherigen Fahrplanchef Philipp Nagl ersetzt.

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oka/dpa

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insgesamt 102 Beiträge
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RalfHenrichs 23.11.2018
1. Privatisierung ist keine Lösung
Bei der DB muss vieles verbessert werden, aber als Münsteraner bekomme ich gerade die Situation bei Eurobahn mit. Das ist der größte private Anbieter im öffentlichen Schienenpersonenverkehr in NRW und steht vor dem Aus, weil die Leistungen - auch im Vergleich zur DB - schlicht unterirdisch sind. Würde die DB ihr Geld wirklich vernünftig investieren, d.h. nicht im Ausland für die Welteroberung und nicht für unsinnige Projekte wie Stuttgart21, wären wir schon viel weiter.
Grummelchen321 23.11.2018
2. Personalmangel?
Laut Agentur für Arbeit gibt es genug Arbeitslose und Alg 2 Bezieher die man geziehlt für Stellen bei der Bahn qualifizieren könnte.Warum macht man das nicht? Ganz einfach die Angebote der Agentur und Jobcenter gehen an den Erfordernissen vorbei. Dazu gibt es ein Heer moderne Arbeitssklaven die sich über eine Festeinstellung mit einem Tarifgehalt freuen würden.
richooo 23.11.2018
3. Verstaatlichen
und zwar jede wichtige Infrastruktur. Das von den Grünen so ein Vorschlag kommt verwundert mich schon sehr....
axelschwarz 23.11.2018
4. Wer benötigt hier Wettbewerb
Die Analyse und Therapie des Dr. Hofreiter sind Fehldiagnosen. Was man benötigt ist 1. eine jahrzehntelange, stetige Und sichere Finanzierung der Ersatzinvestition im Schienennetz. 2. eine jahrzehntelange, stetige Und sichere Finanzierung der Neu- und Ausbaumaßnahmen im Netz. Dadurch können Knoten und Strecken hinsichtlich der Kapazität erweitert werden. Das alles ist 70 Jahre nicht gemacht worden. Wettbewerb? Wer soll den Wettbewerb haben? Ich will um Xx Uhr abfahren oder ankommen. Da hilft kein Wettbewerb. Da helfen nur bessere Kapazitäten. Und die Fahrkarten dürfen ruhig teurer werden. Bei vollen Zügen sind die Fahrpreise im Fernverkehr zu billig, im Nahverkehr zu teuer. Die Bahn steht auch im Wettbewerb zum Bus - ohne Maut. Zum Flieger ohne Steuer. Also seine Welt ist eine falsche der Bahn.
michael_torloxten 23.11.2018
5. Wie bitte?
Netz und Transport sind doch längst getrennt. Hat Herr Hofreiter das nicht mitbekommen? Die Probleme bei der DB gingen erst los, als massive Einsparungen und die Privatisierung mit anschliessendem Börsengang der Bundesregierung eingefordert wurden und Herr Mehdorn an die Spitze gesetzt wurde, um das durchzudrücken. Entlassungen in allen Bereichen auf Teufel komm raus, Wartungsintervalle rausgeschoben bis an den Rand der Verantwortungslosigkeit und Investitionen an den Nagel gehängt, und das alles auf politischen Druck. Herr Hofreiter, dass ist alles politisch erzwungenes Elend!
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