Tarifstreit Bahn und GDL verlängern Schlichtung - vorerst kein Streik

Sie brauchen noch mehr Zeit: Die Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL haben die Schlichtung im aktuellen Tarifstreit erneut verlängert. Erst am kommenden Mittwoch wollen sie ein Ergebnis bekannt geben.

Schaffner in Hannover: Noch ein paar Tage mehr
DPA

Schaffner in Hannover: Noch ein paar Tage mehr


Es ist einer der härtesten Tarifkonflikte der vergangenen Jahre, und offensichtlich braucht es mehr als vier Wochen, um ihn beizulegen: Die Schlichtung zwischen Deutscher Bahn und Lokführergewerkschaft GDL wird bis Ende des Monats verlängert, also bis zum 30. Juni. Am folgenden Tag soll das Ergebnis in einer Pressekonferenz bekannt gegeben werden. Das teilten die Schlichter am Freitagvormittag in einer kurzen von der Bahn verschickten Presseerklärung mit.

In der Mitteilung begründen die Schlichter die Verlängerung mit der "Komplexität der zu regelnden Sachverhalte". Seit Ende Mai versuchen der amtierende Ministerpräsident von Thüringen, der Linke Bodo Ramelow, und der frühere Regierungschef von Brandenburg, Matthias Platzeck (SPD) in dem Konflikt zu vermitteln. Die Schlichtung war bereits einmal um eine Woche bis zum 25. Juni ausgedehnt worden, an diesem Freitag wollten die Schlichter über den Ausgang berichten. Jetzt wird sie nochmals verlängert.

Auslöser des Konflikts mit zahlreichen Streiks war, dass die GDL auch für Rangierführer und Zugbegleiter, die bei ihr Mitglied sind, einen eigenen Tarifvertrag erreichen will. Diese Berufsgruppen wurden bisher von der größeren Konkurrenzgewerkschaft EVG vertreten, unabhängig davon, ob und in welcher Gewerkschaft die einzelnen Beschäftigten sich organisieren. Im Gegenzug hatte die EVG kürzlich einen Abschluss verhandelt, der auch ihre Mitglieder unter den Lokführern einschließt.

Die Bahn will aber unterschiedliche Verträge innerhalb einer Beschäftigtengruppe vermeiden. Unter dieser Voraussetzung sind die Spielräume in der Schlichtung stark eingeschränkt. Beide Seiten können einen Schlichterspruch auch ablehnen. Dann drohen erneut Streiks.

Im aktuellen Tarifkonflikt sind die GDL-Lokführer bereits neunmal bundesweit in den Ausstand getreten und hatten teils tagelang den Bahnverkehr in Deutschland stark beeinträchtigt. Während der Schlichtung gilt allerdings die Friedenspflicht, Streiks sind in dieser Zeit also ausgeschlossen.

fdi/Reuters/dpa



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kdshp 25.10.2010
1.
Zitat von sysopMillionen Bahnreisende müssen wegen der Warnstreiks mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Ist der Ausstand im Streit um einen neuen Tarifvertrag angemessen? Oder profilieren sich die Gewerkschaften auf Kosten der Bahnkunden? Diskutieren Sie mit.
Hallo, nicht die Gewerkschaften profilieren sich hier auf kosten der kunden sondern die bahn/der arbeitgeber.
08154711, 25.10.2010
2. Kein Titelzwang.
Zitat von sysopMillionen Bahnreisende müssen wegen der Warnstreiks mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Ist der Ausstand im Streit um einen neuen Tarifvertrag angemessen? Oder profilieren sich die Gewerkschaften auf Kosten der Bahnkunden? Diskutieren Sie mit.
Was bezwecken Sie eigentlich mit dieser tendenziösen Fragestellung? Der SPON sollte mehr Unabhängigkeit zeigen oder sponsert die Bahn irgendwelche Anzeigen?
murrle01 25.10.2010
3. Bin gegen jeden Streik.....
der Andere beeinträchtigt. In diesem Fall würde von einem Erfolg aber sogar die DB Vorteile haben. Da bei Ausschreibungen fast immer die privaten Betreiber den Zuschlag bekamen, den sie auch durch geringere Lohnkosten erreichten. Wenn die Privaten die gleichen Kosten hätten, käme die DB wieder in den "Genuss" mehr Strecken bedienen zu können. murrle01
Tom der Dino 25.10.2010
4. hmmmpf
Zitat von 08154711Was bezwecken Sie eigentlich mit dieser tendenziösen Fragestellung? Der SPON sollte mehr Unabhängigkeit zeigen oder sponsert die Bahn irgendwelche Anzeigen?
In meinem Geschichtsunterricht habe tendenziöse Fragen zu regen Diskussionen geführt und damit die Entwicklung selbstständig denkender Menschen gefördert. In einem Diskussionsforum ist das absolut in Ordnung, in einem Zeitungsartikel dagegen nicht.
Michael Giertz, 25.10.2010
5.
Zitat von sysopMillionen Bahnreisende müssen wegen der Warnstreiks mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Ist der Ausstand im Streit um einen neuen Tarifvertrag angemessen? Oder profilieren sich die Gewerkschaften auf Kosten der Bahnkunden? Diskutieren Sie mit.
Und wie soll sonst ein Streik wirken, wenn er niemandem wehtut? 'n Streik ohne wirtschaftliche Folgen ist so sinnvoll wie ein Kühlschrank in der Antarktis. Es wäre nur sinnvoller, wenn die Gewerkschaft kommuniziert, warum gestreikt wird - und Missstände aufzeigen. Eben das mit den Reinigungskräften bei der Bahn. Wenn der Kunde sieht, dass eben nicht wegen 5% mehr Lohn gestreikt wird, sondern damit sich die Arbeitsbedingungen bessern, hat er vielleicht auch mehr Verständnis für den Streik.
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