Umleitungen und längere Fahrzeiten Bahn sperrt wichtige ICE-Routen für Sanierung

Bahnreisende müssen sich ab kommendem Jahr auf monatelange Sperrungen von wichtigen ICE-Routen einstellen. Bestimmte Strecken sollen grundlegend saniert werden. Umleitungen und längere Fahrzeiten sind die Folge.
ICE an einer Baustelle

ICE an einer Baustelle

Foto: DPA/Jan Woitas

Die Bahn will ab Sommer 2019 mit der Sanierung der Schnellfahrstrecken Hannover-Würzburg und Mannheim-Stuttgart starten. Damit kommen auf Bahnreisende in den nächsten Jahren monatelange Vollsperrungen von ICE-Routen zu. Das Sanierungsprojekt behindert den bundesweiten Zugverkehr in Etappen bis ins Jahr 2023. Zahlreiche Fernzüge müssen umgeleitet werden, die Fahrzeiten zwischen den betroffenen Städten verlängern sich während der Bauarbeiten um 30 bis 45 Minuten.

So sieht der Sanierungsplan mit Streckensperrungen bislang aus:

  • Sperrung des Abschnitts Hannover-Göttingen vom 11.6.2019 bis 14.12.2019
  • Sperrung des Abschnitts Mannheim-Stuttgart vom 10.4.2020 bis 31.10.2020
  • Sperrung des Abschnitts Göttingen-Kassel vom 23.4.2021 bis 15.7.2021
  • Sperrung des Abschnitts Fulda-Würzburg im Jahr 2022, der genaue Zeitraum ist noch unbekannt
  • Sperrung des Abschnitts Kassel-Fulda im Jahr 2023, der genaue Zeitraum ist noch unbekannt

Die Bahn wirbt um Verständnis für die Serie von Großbaustellen. Dies sei unvermeidbar: Die beiden ICE-Strecken seien seit ihrer Eröffnung 1991 im Dauerbetrieb. Auf der 327 Kilometer langen Trasse zwischen Hannover und Würzburg fahren täglich 110 Fernzüge mit rund 42.000 Reisenden durch Niedersachsen, Hessen und Bayern, außerdem im Durchschnitt 26 Güterzüge.

Noch höher ist Belastung auf den 99 Kilometern von Mannheim nach Stuttgart: Dort verkehren jeden Tag 185 Fernzüge mit 66.000 Fahrgästen, hinzu kommen 24 Güterzüge.

Die übliche regelmäßige Instandhaltung reiche nun nicht mehr aus, heißt es bei der Bahn. "Wir müssen jetzt grundlegend ran, um die Qualität der Schnellfahrstrecke für künftige Generationen weiter gewährleisten zu können", sagte der Leiter des Sanierungsprojekts Hannover-Würzburg, Hannes Tesch.

Auch Querverbindungen sind betroffen

Bei den Bauarbeiten werden Gleise, Weichen, Schotter, aber auch die Oberleitungsmasten sowie die Strom- und Sicherungstechnik erneuert. Für die Arbeiten von Hannover bis Göttingen hat die Bahn 175 Millionen Euro veranschlagt. Die Sanierung der gesamten Strecke von Hannover nach Würzburg soll 640 Millionen Euro kosten. Bei der Trasse Mannheim-Stuttgart wird mit 185 Millionen Euro gerechnet. Da es sich um eine sogenannte Ersatzinvestition handelt, übernimmt der Bund als Eigentümern der Bahn die Kosten fast vollständig.

Auch alle Fahrgäste, deren Verbindungen über die gesperrten Strecken fahren, werden länger unterwegs sein. Zu diesen Routen gehören zum Beispiel Hamburg-Frankfurt, Berlin-Frankfurt und Frankfurt-München. Weil auf den Umleitungsstrecken weniger Züge Platz haben, können dort auch weniger ICE und Intercitys eingesetzt werden als sonst üblich.

Bahn will Reisende entschädigen und besänftigen

Die Bahn will Inhaber von Zeitkarten und der Bahncard 100, die zu Fahrten auf dem gesamten Netz berechtigt, finanziell entschädigen. In welchem Umfang das geschieht, steht noch nicht fest, sagte ein Sprecher. Die längere Reisezeit solle den Kunden mit "besonderen kleinen Aufmerksamkeiten" versüßt werden.

Bei der Bahn sind Verspätungen ein großes Thema. Im August kamen drei von zehn Fernzügen unpünktlich ans Ziel. In den ersten acht Monaten lag die Pünktlichkeitsquote unter 76 Prozent. Eigentlich wollte die Bahn 82 Prozent erreichen. Neben Baustellen waren vor allem Störungen an Fahrzeugen und marode Infrastruktur in den Hitzemonaten des vergangenen Sommers Grund für Verspätungen. Hinzu kamen Schäden durch Unwetter.

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NDR
mmq/dpa
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